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Mainz 05 : Königsblaue Gerüchte um Heidel

Kommt er ins Grübeln? Christian Heidel (im Bild beim jüngsten Gastspiel von Mainz 05 in Schalke im September) ist angeblich umworben Bild: Picture-Alliance

Schalke 04 hat angeblich Christian Heidel im Visier. Der Mainzer Manager könnte ein Kandidat für die Nachfolge von Horst Heldt sein, falls dessen Vertrag nicht verlängert wird. Aufsichtsratschef Tönnies dementiert.

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          Der Zeitpunkt, an dem die Gerüchteküche um Christian Heidel zu brodeln beginnt, birgt eine gewisse Komik: Am Freitagabend (20.30 Uhr/ live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) reist Borussia Dortmund mit dem ehemaligen Mainzer Trainer Thomas Tuchel zum Gastspiel an. Die Beziehung zu jenem Trainer ging einst unter anderem hässlich in die Brüche, weil Tuchel trotz gültigen Vertrags hinter dem Rücken von Mainz 05 intensiv mit Schalke 04 verhandelt hatte und gar samt seines Trainerteams bei dessen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies im pompösen Anwesen in Rheda-Wiedenbrück zu Besuch war.

          Dort in Ostwestfalen, wo von Tönnies selbst erlegte Trophäen wie Elefantenköpfe und Tigerfelle die Räume zieren, war der Mainzer Manager Heidel mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nie. Aber seit Mittwoch gibt es hartnäckige Gerüchte, dass der bis 2017 an die Rheinhessen gebundene Manager zumindest im Visier des Großwildjägers Tönnies sein soll, dessen Klub in den vergangenen Jahren nicht nur bei Tuchel, sondern auch bei der Spielersuche häufig in Mainz gewildert hatte. Heidel soll demnach ein Nachfolgekandidat für Manager Horst Heldt sein, falls dessen bis 30. Juni 2016 gültiger nicht verlängert werden sollte.

          Schalke sondiert den Markt

          Tatsächlich hat Schalke nach Informationen dieser Zeitung bereits im Sommer den Markt sondiert und sich beispielsweise bei Mönchengladbachs Manager Max Eberl eine Absage eingehandelt. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist demnach autorisiert, ergebnisoffene Gespräche mit möglichen Kandidaten zu führen, was aber noch keine endgültige Absage an eine weitere Zusammenarbeit mit Heldt bedeute.

          Der Schalker Sportvorstand war heftig in die Kritik geraten wegen des schlechten Verlaufs der vergangenen Spielzeit und kostspieligen Personalfehlentscheidungen wie im Fall von Kevin-Prince Boateng oder des erfolglosen Kurzzeittrainers Roberto di Matteo. Die erfreulichere neue Spielzeit hat indes für Entspannung gesorgt. Tönnies dementierte die Gerüchte um Heidel zudem umgehend.

          Mainz 05 zog sich derweil auf Nachfrage auf die Formulierung zurück, dass der Klub Personalgerüchte grundsätzlich nicht kommentiere. Heidel, der in den vergangenen Jahren einige Millionentransfers mit Schalke abwickelte bei den Wechseln ehemaliger Mainzer Spieler wie Christian Fuchs, Maxim Choupo-Moting oder Johannes Geis, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

          Der Manager ist eng verbunden mit seinem Klub, in dem er zugleich im Vorstand sitzt. Heidel ist in Mainz geboren, war schon als Kind Fan der 05er und ist seit 23 Jahren verantwortlich für die Geschicke der Lizenzspielerabteilung. Bis 2005 füllte er diese Tätigkeit ehrenamtlich aus. Erst seit der Insolvenz seines Autohauses wird Heidel vom Klub bezahlt.

          Mainz 05 ist gewissermaßen Heidels „Baby“, er hat freilich nie kategorisch ausgeschlossen, nicht doch eines Tages noch einmal für einen anderen Verein arbeiten zu wollen, wenn sehr viel zusammenpasse und zugleich Mainz 05 eine gesicherte Zukunft habe. Seinem Klub geht es wirtschaftlich so gut wie nie, vor zwei Monaten wurde erst eine Partnerschaft mit dem Vermarkter Infront besiegelt, die Planungssicherheit beschert.

          Misstöne im Vorstand

          Auf der anderen Seite mehrten sich in den vergangenen Monaten die unüberhörbaren Misstöne zwischen Heidel und Präsident Harald Strutz. Deutlich öfter als früher widersprachen sich die Protagonisten des Klubs öffentlich. Gerade in dieser Woche wies Heidel eine abermalige Negativäußerung von Strutz zum ehemaligen Trainer Tuchel und dessen „grenzwertigem Abgang“ zurück: „Das ist Haralds persönliche Meinung, die ich aber nicht teile“, sagte Heidel der „Bild“. Bei der Mitgliederversammlung vor einer Woche brüskierte er den Präsidenten zudem, indem er deutliche Kritik an der stagnierenden Mitgliederentwicklung äußerte, für die letztlich Strutz verantwortlich ist.

          Die Worte wurden von vielen im Verein so gewertet, dass Heidel seinem Mitstreiter, der auch Aufgaben bei DFB und DFL erfüllt, Druck machen wolle bezüglich eines größeren Engagements um Fortschritte im Klub. So gesehen könnten Heidel die Gerüchte aus Schalke zumindest gelegen kommen, um seinen Verein unter Zugzwang zu setzen bei seinen Vorhaben, den Verein weiterzuentwickeln. Seine Verhandlungsposition im Umgang mit seinen Vorstandskollegen wird jedenfalls nicht schlechter, wenn er bei einem Spitzenklub wie Schalke 04 gehandelt wird.

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