https://www.faz.net/-gtm-6l5f4
 

Köln-Kommentar : Volkstheater – unfreiwillig komisch

  • -Aktualisiert am

Manager Michael Meier (l.) wären die Fans gerne los, das Schicksal von Präsident Wolfgang Overath ist damit eng verknüpft Bild: dpa

Der 1. FC Köln ist Letzter der Bundesliga. Vor der Mitgliederversammlung an diesem Mittwoch spielt sich ein Lustspiel mit Elementen des absurden Theaters ab. In den Hauptrollen: Michael Meier, Wolfgang Overath - und Christoph Daum.

          2 Min.

          Wären die Bürger Kölns dazu aufgerufen, den beliebtesten Sohn ihrer Stadt zu küren, fiele die Wahl vermutlich auf Willy Millowitsch, den Volksschauspieler schlechthin. Der zweite Platz gebührte Wolfgang Overath, dem Mann aus dem Fußballvolk. Beide haben eins gemeinsam: Weit über Köln hinaus werden sie als Theatermacher wahrgenommen. Millowitsch leitete noch im hohen Alter seine eigene Bühne, Overath indes denkt mit 67 Jahren über Rücktritt nach, heißt es aus seiner Umgebung. Sechs Jahre nach seinem Amtsantritt als Präsident des 1. FC Köln bröckelt sein Nimbus als Impresario, der jederzeit den Geschmack des Publikums trifft.

          Overaths Theater ist unterhaltsamer denn je, aber anders als bei Millowitsch von unfreiwilliger Komik geprägt. Wenige Tage nach dem 0:4 gegen den rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga müssen sich der Intendant und sein Ensemble den Mitgliedern stellen. Was neunzig Minuten vor dem Spiel der Nationalelf in Schweden als Kurzprogramm geplant war, könnte zu einer Kölschen Komödie mit Überlänge werden.

          Nach den Plänen der Regie standen durchaus brisante Themen im Vordergrund: Soll das Rauchverbot im Stadion aufgehoben werden? Werden im Fall des Abstiegs die Mitgliedsbeiträge gesenkt? Plötzlich aber geht es um ganz andere Fragen. Darf Manager Michael Meier bleiben? Ihn zu entlassen würde das aufgebrachte Volk beruhigen, würfe aber auch schwere Schatten auf Overath, dessen Amtsführung eng mit Meier als ausführendem Organ verknüpft ist. Der Manager wäre ein Bauernopfer, bei allen Besetzungsfehlern, die er bei Spielern und Trainern gemacht hat.

          Der „Stadtheilige“

          Wird Overath am Ende von selbst die Bühne verlassen? Dass einer wie er vom Hof gejagt wird, kann man sich noch immer nicht vorstellen. Wenn der Präsident am Abend auf dem Podium Platz nimmt, wird er auch kämpfen. Dass aus seiner Umgebung Zweifel gestreut werden, könnte auch Kalkül sein – eine versteckte Drohung, um Verlustangst zu schüren, oder schlicht ein Schrei nach Liebe. Wie einst Millowitsch genießt Overath schon zu Lebzeiten den Status eines „Stadtheiligen“. Der frühere Oberbürgermeister Fritz Schramma, der kurz als Nachfolger gehandelt wurde, hat ausdrücklich abgelehnt.

          Auch Christoph Daum, ein vormaliger Heldendarsteller der Kölner Fußballbühne, stärkt Overath den Rücken – und bietet sich sogleich als „Berater“ an. Hatte der Trainer nicht vor kurzem erst deutlich gemacht, dass er bei seinem nächsten Verein eine umfassende Machtposition anstrebe, wie Felix Magath sie in Schalke besitzt? Daums Angebot durchsetzt das Kölner Lustspiel mit Elementen des absurden Theaters. Wer einen legitimen Nachfolger für Overath sucht, der landet früher oder später, mangels Alternative, bei Overath. Oder bei Lukas Podolski, einem weiteren Stadtheiligen. Aber der ist noch zu jung für das Präsidium. Außerdem muss er ja auf dem Rasen den Abstieg verhindern.

          Weitere Themen

          „Lilien“ wollen Kurs halten

          Zweite Bundesliga : „Lilien“ wollen Kurs halten

          17 Punkte aus den vergangenen sieben Spielen bedeuten ein sorgenfreies Saisonfinale für Darmstadt 98 in der zweiten Bundesliga. Austrudeln lassen wollen die „Lilien“ die Spielzeit dennoch nicht.

          Topmeldungen

          Städtische Arbeiter überstreichen am 28. April in Sankt Petersburg ein Wandgemälde, das den inhaftierten Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj zeigt.

          Das Ende der Freiheiten : Putins Weg in die Repression

          Bisher hat Putins Regime keine Anstrengungen unternommen, um Opposition und kritische Medien ganz auszuschalten. Das ändert sich gerade auf dramatische Weise.
          Jens Spahn (rechts) und Lothar Wieler am 7. Mai auf der Pressekonferenz zur Corona-Lage

          Corona-Liveblog : Spahn: „Die dritte Welle scheint gebrochen“

          Polizeigewerkschafter fordert Pflicht zur Mitführung des Impfpasses +++ Grüne fordern rasche Aufhebung der Patente für Impfstoffe +++ Frankreich soll EU-Bestellung von bis zu 1,8 Milliarden Biontech/Pfizer-Impfdosen blockieren +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.
          Der Spezial-Keller in Bamberg, lange bevor das Coronavirus die Tische leerte.

          Öffnung der Gastronomie : Endlich wieder in den Biergarten

          Nach sechs Monaten Lockdown dürfen viele Restaurants zumindest ihre Terrassen wieder öffnen. Die Betreiber freuen sich – sie sind aber auch überfordert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.