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Kommentar zum HSV : Knäbels Autorität ist schwer beschädigt

So sehen Absteiger aus: Der HSV nach der Niederlage gegen Wolfsburg Bild: dpa

Eine Auseinandersetzung in der Kabine, ein Trainer mit schwachen Auftritten in der Öffentlichkeit. Der HSV geht ganz schweren Zeiten entgegen.

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          Die Kabine ist eines der letzten Mysterien im medialen Fußball. Eine geschützte Zone, für Kameras und Mikrofone nicht zugänglich. Kostbare Momente, in denen eine Mannschaft und ihr Trainer ganz bei sich sind. Was in der Kabine gesagt wird, bleibt in der Kabine – das ist eine Regel, so selbstverständlich, dass sie eigentlich nirgendwo festgeschrieben zu werden brauchte. Blöd nur, wenn sich dann trotzdem jemand nicht daran halten kann. Und so sagt es vielleicht noch mehr über das gestörte Innenleben des Hamburger SV aus, dass die Auseinandersetzung zwischen Johan Djourou und Valon Behrami an die Öffentlichkeit gedrungen ist, als der offenbar handfeste Zoff unter Kollegen als solcher.

          Leider, muss man aus Sicht der Hamburger hinzufügen, wirft der Vorfall aus der Halbzeitpause des Spiels gegen Wolfsburg auch ein schlechtes Licht auf die Autorität von Peter Knäbel. Was mag in einem Mann vorgehen, der schon in seinem zweiten Spiel als Bundesligatrainer hilflos mitansehen muss, wie die Dinge im Innersten aus den Fugen geraten?

          Ungeschickte Äußerungen

          Was immer Knäbel intern gegen die Streithähne unternimmt – in der Außenwahrnehmung ist der zum Chefcoach auf Zeit beförderte Direktor Profifußball nach gerade einmal 180 Minuten und zwei desaströsen Auftritten schwer beschädigt. Dazu hat auch Knäbel selbst beigetragen. Oder anders gesagt: Er hat es bislang nicht verstanden, dem Bild einer willen- und leblosen Mannschaft etwas entgegenzusetzen. Weder mit der Arbeit auf dem Trainingsplatz noch mit seinen strategischen Maßnahmen – und schon gar nicht mit der Art und Weise, wie er sich und den HSV in dieser höchst bedrohlichen Phase verkauft.

          Es war ungeschickt, noch vor seinem ersten Spiel in Leverkusen über ein mögliches Abstiegsszenario zu sprechen („Jedem im Verein wird es an Strahlkraft fehlen, wenn eintritt, was wir alle verhindern wollen“). Es war unbedarft, nach dem 0:4 zu behaupten, er wisse nun, auf wen er sich verlassen könne – was soll er schließlich jetzt, nach der nächsten herben Pleite, sagen? Und mit Sicherheit war der Samstagabend nicht der richtige Zeitpunkt, sich in Ironie zu flüchten. Er werde, sagte Knäbel, als ein Reporter ihm ein glückliches Händchen für das nächste Spiel in Bremen wünschte, schon zwei davon brauchen.

          Letzte Hoffnung Restprogramm

          Mit solchen Auftritten gibt er all denen Nahrung, die in ihm von vornherein den Falschen für die Rettungsmission beim HSV gesehen haben. Wer mit Knäbel zu tun hat, empfindet ihn als angenehmen, umgänglichen Typ. Aber mit jeder Woche verfestigt sich der Eindruck, er könnte überfordert sein mit der Führung einer außer Rand und Band geratenen Mannschaft mit ihren gewiss nicht unterdurchschnittlichen Egos und Eitelkeiten. Knäbel besitzt nicht die Verdrängung eines erfahrenen Bundesliga-Trainers, die jetzt helfen würde. Ihm geht aber auch die Emotionalität ab, mit der Joe Zinnbauer zumindest in Ansätzen etwas aus seinen Profis herauszukitzeln vermochte.

          Zu den wenigen Dingen, die noch für den HSV sprechen, gehört das Restprogramm. Da haben die Hamburger, wenn das Nordderby am kommenden Sonntag erst mal überstanden ist, die wohl schwersten Brocken hinter sich. Ob dann aber wirklich noch etwas zu retten ist? Im Moment jedenfalls ist weit und breit niemand zu sehen, der die entsprechende Überzeugung vorlebt und vermittelt.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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