https://www.faz.net/-gtm-83n5y

Klopps Abschied : Zum Heulen schön

  • -Aktualisiert am

Große Geste: Die Fans wissen, was sie Klopp zu verdanken haben Bild: dpa

Ein Vollgas-Abschied zum Ende einer erfolgreichen Ära: Jürgen Klopp erreicht mit Borussia Dortmund durch ein 3:2 gegen Werder die Europa League. Die Fans feiern den scheidenden Trainer mit großen Gesten.

          Auf der legendären Südtribüne verabschiedeten die Fans von Borussia Dortmund Jürgen Klopp mit einer Choreographie. Kurz vor dem Anpfiff seines letzten Bundesligaspiels als BVB-Trainer ließen sie Klopp als überlebensgroße Figur hinter dem Tor erscheinen, dazu die Worte: „Danke, Jürgen!“ Und darunter stand zu lesen. „Wir brauchen viele Jahre, bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können.“

          Klopp selbst blieb im Hintergrund; er hatte beschlossen, nach sieben Jahren „nicht zu nostalgisch in das Spiel zu gehen“. Er wollte das Spiel gegen Werder Bremen „nicht als Klopp Event oder so etwas“ verstanden wissen. Also zog der Trainer es vor, Blumen und Bühne Sebastian Kehl zu überlassen, der die Dortmunder Elf zum letzten Mal in seiner Karriere als Kapitän aufs Feld und zum Sieg führte.

          Beim 3:2 über Werder Bremen (Tore: Kagawa, Aubameyang, Mchitarjan/Öztunali, Gebre Selassie) sicherte sich der BVB mit einem schwungvollen Auftritt den Einzug in die Europa League und brachte eine Saison zu einem ordentlichen Ende, in der Dortmund vorübergehend sogar in den Abstiegskampf verwickelt war. Am kommenden Samstag könnte Klopp seinen zahlreichen Fans mit dem Gewinn des DFB-Pokals noch eine Art Bonustrack zu seiner Dortmunder Langspielplatte schenken.

          Herzensangelegenheit: Jürgen Klopp und der BVB Bilderstrecke

          Als Klopp in Dortmund anfing, kam er aus Mainz. Von einem Klub, der die Rückkehr in die erste Liga verpasst hatte, zu einem Klub, der im Mittelmaß gefangen schien. Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, war mit seiner Crew bei der Sanierung des börsennotierten Klubs gut vorangekommen, auf dem Fußballplatz aber sah es schlecht aus. Dem Verein fehlte ein Trainer mit einer bewegenden Spielidee. Männer wie Bert van Marwijk, Jürgen Röber oder Thomas Doll hatten ihre Pflicht getan, aber keine Visionen zu vermitteln vermocht. Der BVB wirkte sportlich ausgebrannt.

          Dann kam Klopp. Und es geschah etwas, was Sportdirektor Michael Zorc sieben Jahre später, direkt an den Trainer gewandt, so beschreibt: „Du hast diesem Klub und auch mir persönlich viel Energie und Optimismus mitgegeben.“ Zorc sprach diese Sätze an dem Tag, an dem der Verein bekannt gab, dass sich die Wege zum Saisonende trennen würden. Und Klopp reagierte sogar in dieser emotional aufwühlenden Situation schlagfertig. „Das war auch bitter nötig.“

          Obwohl er zuvor nur Mainz 05 – mit wechselndem Erfolg – trainiert hatte, gelang ihm in Dortmund die Energiewende. Noch ehe wenigstens ein Testspiel bestritten war, durchströmten Mut und Mumm den Riesen, der lange schläfrig gewirkt hatte. Entlang der Bundesstraße 1, die durch Dortmund führt, standen riesige Plakatwände, auf denen der neue Sympathieträger, bekannt als telegener Begleiter der Nationalelf, an die Kundschaft herantrat. „Neuer Trainer, neuer Karte!“ Die Fans folgten, bei großer Hitze, in so großen Scharen, dass sogar Klopp ins Staunen geriet. Aus dem Hotelzimmer auf die Geschäftsstelle blickend, sei er „kurz davor gewesen, den Leuten in der Hitze einen Sonnenschirm hinzustellen“, sagte er.

          Klopp hatte sie mit einem Versprechen angelockt, das über die sonst bekannten Floskeln hinausging. Statt Saisonziele in Form von Tabellenplätzen auszugeben, versprach er nur eins: „Vollgasveranstaltungen“ im größten deutschen Fußballstadion, alle zwei Wochen. Auch deshalb äußerte er jüngst vor seinem letzten Heimspiel als BVB-Trainer den Wunsch, „noch einmal eine wirkliche Vollgasveranstaltung ablaufen zu lassen“. Diesen Wunsch hat ihm die Mannschaft gegen Werder Bremen, gerade in der Anfangsphase erfüllt, in der sie mit viel Elan (und drei Toren) an die guten Tage der Ära Klopp erinnerte.

          Weitere Themen

          BVB tankt Selbstvertrauen vor Barça-Duell

          Stärke gezeigt : BVB tankt Selbstvertrauen vor Barça-Duell

          Aus heftiger Kritik wird überschwängliches Lob. Der BVB zeigt nach der Niederlage bei Aufsteiger Union Berlin seine bisher beste Saisonleistung. Der deutliche Erfolg gegen Leverkusen macht Hoffnung auf ein „Fußball-Fest“ in der Champions League.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.