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Klinsmanns Co-Trainer Martin Vasquez : Der Assistent, den keiner kennt

Klinsmann glücklich: „Ich kenne Martin seit 2003” Bild: dpa

Martin Vasquez wird Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei Bayern München. Der 44 Jahre alte gebürtige Mexikaner mit amerikanischem Pass arbeitet derzeit als Assistent bei Deportivo Chivas. Mit der Personalie Vasquez gewinnt Klinsmanns Projekt an Profil.

          Die Reaktionen auf die Verpflichtung des Assistenten von Jürgen Klinsmann sind bisher sehr verhalten ausgefallen. Von Lothar Matthäus hat man noch gar nichts gehört. Vielleicht erklärt sich die ungewohnte Schweigsamkeit des deutschen Rekord-Nationalspielers auch damit, dass er bei der Einschätzung seines Lieblingsrivalen zuletzt mal wieder ziemlich falsch gelegen hatte. „Ich bin gespannt, wer für den Teamchef Klinsmann die Trainingsarbeit machen wird“, hatte Matthäus gesagt, nachdem Klinsmann vor drei Wochen als Trainer des FC Bayern vorgestellt wurde. „Ganz wichtig ist, dass Jürgen noch mal das Glück hat wie bei der Nationalmannschaft mit Jogi Löw. Also einen Trainer findet, der an der Spitze schon Verantwortung trug.“

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dabei klang die Vermutung durch, dass Klinsmann bei den Bayern genau dieselbe Rolle einnehmen werde wie drei Jahre zuvor bei der Nationalmannschaft - und dass die eigentliche Facharbeit nun mal nicht die Sache von Klinsmann wäre. Wie Matthäus spekulierten viele, und so geisterten zuletzt nur Phantasie-Kandidaten mit klangvollen Namen durch die Schlagzeilen: Guido Buchwald, Berti Vogts, Osvaldo Ardiles. Seit Mittwochabend ist nun der real existierende Assistenztrainer benannt. Er heißt Martin Vasquez.

          Mit Vasquez gewinnt Klinsmann an Profil

          Seine Vita als Trainer ist nur Kennern des mexikanischen und amerikanischen Fußballs näher bekannt. Sie verströmt nichts vom Flair der großen Namen in der Fußball-Welt. Vasquez ist vielmehr so etwas wie ein personifizierter Assistent. Hätte ein so vollkommen unglamouröser Helfer bisher im Fernseh-Kommissariat gearbeitet, dann hielte man ihn für denjenigen, der immer für den Chef den Wagen holt. Aber das ist natürlich eine Vorstellung von Fernsehen und Fußball von gestern.

          Martin Vasquez: Engagement und Leidenschaft

          Mit der Personalie Vasquez gewinnt Klinsmanns Projekt, aber auch seine eigene Rolle, an Profil. Aus dem Projektleiter 2006 wird bei den Bayern, anders als vielfach erwartet, der Cheftrainer Klinsmann - der sich folgerichtig einen klassischen Assistenten an die Seite geholt hat und eben keinen profilierten ehemaligen Cheftrainer wie Löw.

          Statusmerkmale sind nicht wichtig

          Klinsmann hat Vasquez im Jahr 2003 bei einem von seiner Firma organisierten Elite-Camp kennen gelernt. Ziel des Camps war es, jungen Spielern nicht nur eine bessere sportliche Perspektive aufzuzeigen, sondern sie auch einer renommierten Universität näherzubringen. „Ich war beeindruckt von seinem positiven Führungsstil“, sagt Jürgen Klinsmann heute - und empfand schon damals, dass sich der deutsche Fußball von diesen mitreißenden Methoden etwas abschauen könnte.

          Denn der 44 Jahre alte Vasquez strahlt bei der Arbeit genau das aus, was Klinsmann den Bayern-Spielern in der kommenden Saison vermitteln will: einen leidenschaftlichen Geist. „Martin ist ein permanenter Antreiber“, der die Spieler mit „Engagement und Leidenschaft führt“, sagt Klinsmann. Eine Titelsammlung oder andere Statusmerkmale sind für ihn bei der Auswahl seines engsten sportlichen Mitarbeiters nicht bedeutsam. Die Chemie und die Arbeitsteilung müssen stimmen. Auf dem ersten gemeinsamen Foto, das Klinsmann und Vasquez mit dem Bayern-Trikot an der Pazifikküste zeigt, kann sich Vasquez daher auch salopp mit löchriger Jeans präsentieren.

          Brücke zu den Latinos im Team

          Der gebürtige Mexikaner, der mit seinen Eltern als Zwölfjähriger in den Großraum Los Angeles zog und einen amerikanischen Pass besitzt, begann seine Trainerkarriere 1999 als Assistent bei Cal Poly Pomona. Dann trainierte er ein Frauenteam in San Diego, heuerte nach der Camp-Erfahrung auf Empfehlung von Klinsmann als Assistent bei L.A. Galaxy an und arbeitet seit drei Jahren bei Deportivo Chivas - immer noch als Assistent.

          Vasquez, der als einziger Profi bisher Länderspiele für Mexiko und die Vereinigten Staaten bestritt, lernt schon Deutsch vor seinem Karrieresprung. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Jürgen Klinsmann bei einer so bedeutenden Institution wie Bayern München“, sagt Vasquez. „Aber aus Respekt vor Trainer Ottmar Hitzfeld werde ich mich öffentlich erst äußern, wenn ich im Juli meinen neuen Posten antrete.“

          Der biographische Hintergrund des Assistenten könnte sich für die Bayern als zusätzlicher Vorteil erweisen. Vasquez vermag vielleicht eine Brücke zu den mitunter isolierten Latinos im Team des FC Bayern zu schlagen. Aber auch seine Kontakte zur Fußballszene in Mittel- und Südamerika könnten bei Verpflichtungen noch nützlich werden. Die ferne Fußball-Welt rückt mit Vasquez noch ein bisschen näher an München heran.

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