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„Klinsmann Supporter Klub“ : „Er sollte sich noch mal in München bewerben“

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Wofür hat man einen Fanklub, wenn er in schweren Zeiten nicht parat steht? Jürgen Klinsmann Bild: AP

Axel Zawierucha ist Gründer des „Klinsmann Supporter Klubs“. Doch gerade jetzt in schweren Zeiten sind die Unterstützer nicht zur Stelle. Zawierucha erklärt im FAZ.NET-Interview warum - und spricht über Schalke, Schadenfreude und Klinsmanns Zukunft.

          Axel Zawierucha war Gründer des „Klinsmann Supporter Klub“ nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Nach dem Turnier nahm Klinsmann seinen Hut und verschwand wieder in Kalifornien. Nach seinem zehnmonatigen Gastspiel auf der Trainerbank des FC Bayern wiederholt sich das Prozedere. Und was macht der „Klinsmann Supporter Klub“? Zawierucha spricht im FAZ.NET-Interview über WM-Zeiten, Schalke und Klinsmanns Zukunft.

          Sie haben nach der WM 2006 den „Klinsmann Supporter Klub“ (KSK) gegründet, dessen Parole „Jürgen muss bleiben“ lautete. Was ist aus Ihrem Ansinnen geworden?

          Wir sind ja gescheitert ...

          „Ich bin Schalke-Fan”: Klinsmann-Fanklub-Gründer Axel Zawierucha

          Das haben wir mitbekommen.

          ... aber seit der Aktion 2006 sind wir etwa hundert Leute, die weiterhin im Internet miteinander kommunizieren. Das sind alles Gleichgesinnte, die Klinsmann schon als Stürmer gut fanden und seinen Werdegang verfolgt haben. Ab und zu treffen wir uns auch und spielen zusammen Fußball.

          Innerhalb kürzester Zeit haben Sie damals über 100.000 Unterschriften gesammelt. Hat sich Klinsmann eigentlich jemals für die Aktion bedankt?

          Nein, aber der Pressechef des DFB, Harald Stenger, hat ausrichten lassen, dass Klinsmann sich gefreut habe.

          Jetzt zur Sache: Wo in Gottes Namen war der KSK in den vergangenen Wochen, als er gebraucht wurde?

          Als Klinsmann nach dem 1:5 gegen Wolfsburg und dem 0:4 gegen Barca als Bayern-Trainer auf der Kippe stand, haben wir tatsächlich überlegt, ob wir die Aktion revitalisieren sollten. Aber zum einen machen wir so was ja ehrenamtlich und hatten keine Zeit. Und zum anderen fehlte es in dieser Frage an Geschlossenheit im KSK.

          Weil nicht jeder Klinsmann-Fan gleichzeitig Bayern-Fan ist?

          Richtig. Die Nationalmannschaft ist unser allerkleinster gemeinsamer Nenner. Dort wollten wir Klinsmann sehen. Als er dann zu den Bayern ging, spaltete seine Entscheidung den KSK. Bei uns gibt es zwar glühende Bayern-Fans, aber eben nicht nur. Andere haben sich trotz Klinsmann gefreut, dass die Bayern so erfolglos spielen. Da war schon Schadenfreude dabei.

          Und was dachten Sie persönlich, als die Bayern Klinsmann aus dem Hut zauberten?

          Ich fand das spannend. Ich bin Unternehmer und fand das gut, dass in einem Verein wie den Bayern endlich mal einer versuchen wollte, nicht den eingefahrenen Konventionen zu entsprechen.

          Aber könnte es nicht sein, dass Klinsmann als Trainer doch nicht so gut ist wie seine Fans noch zu WM-Zeiten glaubten?

          Durchaus. Auch bei uns hat es, wie überall, Diskussionen gegeben, ob Klinsmann nur der Motivator und Jogi Löw der wahre Trainer sein könnte. Und sicher hat Klinsmann bei den Bayern Fehler gemacht. Aber ich denke, Klinsmann hatte dort nie eine Chance, sein Konzept umzusetzen.

          Sie scheinen auch nicht unbedingt Bayern-Fan zu sein. Sind Sie als Berliner denn Hertha-Fan?

          Ich bin Schalke-Fan.

          Die suchen doch einen Trainer, soll Klinsmann doch dorthin gehen.

          Ne, die haben doch mit Felix Magath jetzt schon einen anderen ehemaligen Bayern-Trainer.

          Wo sehen Sie denn Klinsmanns Zukunft?

          Der sollte sich noch mal in München bewerben.

          Bitte? Als alter, neuer Trainer?

          Nein, als Vorstand. Als zweiter Beckenbauer könnte er die Vereinsstrukturen wohl leichter aufbrechen, als er das als Trainer durfte. Und dann sollte er erst mal einen neuen Trainer holen. Zum Beispiel den Löw.

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