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Klinsmann im Zeitraffer : Nur 76 Tage auf Mission

Nicht länger Trainer bei der Hertha: Jürgen Klinsmann schmeißt hin. Bild: EPA

Erst zu wenige Punkte, dann neue Spieler für rund 80 Millionen Euro und schließlich der Rücktritt als Trainer bei der Hertha: Klinsmann überrascht in Berlin alle. Die Chronik eines Irrwegs.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Nach nur knapp elf Wochen beendet Jürgen Klinsmann seine Mission als Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Hertha BSC selbst. FAZ.NET blickt auf die vergangenen Wochen zurück. Eine Chronik der Ereignisse:

          7. November 2019: Jürgen Klinsmann beginnt seine Arbeit bei Hertha BSC – allerdings zunächst nicht als Trainer, sondern als Aufsichtsrat. Er ist einer von vier Vertretern des neuen Investors Lars Windhorst im neunköpfigen Kontrollgremium. Zuvor war Klinsmann noch als Trainer Ecuadors gehandelt worden, nun ist er in der Hauptstadt, bei dem laut Klinsmann „spannendsten Fußball-Projekt Europas“.

          25. November 2019: Die Berliner verlieren ihr viertes Ligaspiel in Serie. Das 0:4 in Augsburg bringt Trainer Ante Covic in arge Bedrängnis: Die Hertha liegt nach dem 12. Spieltag auf Platz 15.

          27. November 2019: Covic wird entlassen, Klinsmann übernimmt zehn Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit bei Bayern München wieder einen Bundesligaverein, offiziell bis zum Saisonende. Von Beobachtern wird dieser Schritt bereits als Anfang einer Machtübernahme durch Investor Windhorst gesehen, der mehr als 200 Millionen Euro in den Verein pumpt und ihn zum „Big City Club“ machen will.

          30. November 2019: Die Klinsmann-Premiere auf der Hertha-Bank misslingt. Gegen Borussia Dortmund verliert sein Team 1:2 – für Aufregung sorgt allerdings Klinsmann selbst: Vor den Kameras filmt er mit seinem Handy die Berliner Hymne „Nur nach Hause“, allerdings ist dabei deutlich das Logo seines persönlichen Ausrüster adidas zu sehen. Hertha wird aber vom Konkurrenten Nike gesponsert.

          14. Dezember 2019: Beim 1:0 gegen den SC Freiburg gelingt Klinsmann sein erster Sieg, danach folgt ein 1:0 bei Bayer Leverkusen und ein 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach – Hertha scheint zum Ende des Jahres stabilisiert. Die Hinrunde beenden die Berliner als Zwölfter.

          27. Dezember 2019: Hertha beginnt als erster Bundesligaklub die Vorbereitung auf die Rückrunde. Schon zu diesem Zeitpunkt sorgen die Gerüchte um Winterneuzugänge für gehörige Aufmerksamkeit. Gehandelt werden unter anderem die Weltmeister Mario Götze und Julian Draxler sowie Granit Xhaka vom FC Arsenal. Letztlich kommen Rekordneuzugang Lucas Tousart (Olympique Lyon), Krzysztof Piatek (AC Mailand), Matheus Cunha (RB Leipzig) und Santiago Ascacibar (VfB Stuttgart) – für angeblich insgesamt rund 80 Millionen Euro.

          14. Januar 2020: Noch vor dem ersten Rückrundenspiel die nächste Aufregung um Klinsmann: Laut eines Medienberichts fehlt Klinsmann die notwendige Trainerlizenz. Rechtzeitig vor dem Spiel gegen Bayern München wird die Lizenz allerdings verlängert, Klinsmann hatte entsprechende Nachweise über absolvierte Fortbildungen nachreichen müssen.

          19. Januar 2020: Trotz des neu lizenzierten Trainers verliert Hertha 0:4 gegen den Rekordmeister, die Woche danach gewinnt das Team 2:1 beim VfL Wolfsburg.

          24. Januar 2020: Schon wieder Aufregung bei der Hertha. Zunächst teilt der Klub mit, dass die „öffentlichen“ Trainingseinheiten nur noch 20 Minuten für Fans und Medien frei zugänglich seien. Der Aufschrei ist groß, wenig später die Klarstellung: Nur in den ersten 20 Minuten dürfe gefilmt werden, Fans und Medien aber weiterhin die gesamten Einheiten besuchen. Klinsmann spricht von einem Missverständnis.

          8. Februar: Die Berliner verlieren gegen den Abstiegskonkurrenten FSV Mainz 05 mit 1:3. Klinsmann macht dafür auch die Aufregung um die rassistisch motivierten Beschimpfungen gegen Jordan Torunarigha während des DFB-Pokal-Achtelfinals bei Schalke 04 verantwortlich. Er gibt seinem Team zwei Tage frei, Hertha ist inzwischen wieder auf Tabellenplatz 14 abgerutscht.

          10. Februar 2020: Klinsmann stellt sich in einem Chat bei Facebook den Fragen der Fans. „Am Dienstag kommen die Jungs frisch zurück aufs Gelände, und dann legen wir den vollen Fokus auf den SCP“, sagte er da mit Blick auf das Spiel beim Schlusslicht Paderborn am kommenden Wochenende. Und: „Die nächsten Spiele werden nicht einfach, aber wir sind insgesamt auf dem richtigen Weg und guter Dinge.“

          11. Februar 2020: Davon war er einen Tag später dann aber wohl nicht mehr so richtig überzeugt: Klinsmann tritt völlig überraschend zurück – 76 Tage nach Amtsbeginn und per Nachricht auf Facebook. Damit überrascht er auch den Verein, der davon zunächst nichts weiß. Der Grund für die Demission: Angeblich mangelnde Unterstützung durch die handelnden Personen. Hertha teilt mit: „Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen.“ Kurios: Seinen Platz im Aufsichtsrat will Klinsmann behalten – und damit die Personen kontrollieren, die ihm angeblich zu wenig Rückendeckung gaben.

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