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Klasnic bei „Beckmann“ : „Es kam gar nichts von Werder“

  • -Aktualisiert am

Eindrucksvoller Auftritt: Ivan Klasnic und seine Ehefrau Patricia Bild: dpa

Die Medienkampagne, mit der Ivan Klasnic seine Klage gegen die Ärzte von Werder Bremen begleitet, fand in der ARD-Talkshow von Reinhold Beckmann ihren Höhe- und wohl auch vorläufigen Endpunkt. Dass Verein und Fußball-Profi nach den schweren Vorwürfen wieder zusammenfinden erscheint unmöglich.

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          Am Ende eines Aufsehen erregenden Fernsehauftritts bei „Beckmann“ sagte Ivan Klasnic: „Meine Zukunft ist offen, ob es bei Werder Bremen ist oder woanders.“ Der nierentransplantierte Stürmer des Bundesligaklubs verhandelt derzeit um einen neuen Vertrag, doch nach seinen Vorwürfen gegen den Bremer Mannschaftsarzt Götz Dimanski, er habe seine Niereninsuffizienz über Jahre trotz alarmierender Blut-Werte übersehen, kann man sich eine weitere Zusammenarbeit von Werder und Klasnic kaum vorstellen - es sei denn, die Bremer Geschäftsführung trennt sich von dem Arzt, der in der Fernsehsendung am Montagabend mit Vorwürfen überhäuft wurde.

          „Meine Meinung zu Dimanski ist sicher nicht positiv“, sagte Klasnic, dem man anmerkte, dass er vor laufenden Kameras nicht so viel sagen wollte wie in den Tagen zuvor, als er angekündigt hatte: „Die Ärzte werden büßen!“, und damit die Schlagzeilen bestimmte.

          Schlechte Werte seit 2001

          Klasnic und sein Anwalt werfen Dimanski vor, dass die beiden Nierentransplantationen (eine Spenderniere kam von seiner Mutter, sie wurde abgestoßen, die im März 2007 von seinem Vater dann angenommen) zumindest hätten verzögert werden können, wenn vernünftig und sachgerecht auf die schlechten Kreatininwerte reagiert worden wäre, die seit 2001 festgestellt worden und für einen Mediziner nicht zu übersehen waren.

          Seine Frau Patricia kritisierte den Verein harsch: Werder in Person von Allofs und Trainer Thomas Schaaf habe sich in keinem Anruf, keinem Gespräch nach Klasnic erkundigt, für den es seit 2005 gesundheitlich bergab ging. „Es kam gar nichts von Werder“, sagte sie. Klasnic berichtete unterdessen von dem großen Druck, den die Medien erzeugt hätten, als er sich im Krankenhaus befand: „Ich habe mich wie ein Terrorist beobachtet gefühlt. Der Druck war riesig, ob die OP klappt. Ich dachte, wenn ich aus dem Fenster gucke, steht da jemand und macht einen Schnappschuss von mir im Schlafanzug.“ Deswegen habe er sich entschieden, die zweite und erfolgreiche OP nicht in Bremen, sondern in Hannover vornehmen zu lassen.

          Allofs: „Keine Hinweise“, dass fehlerhaft gearbeitet worden ist

          Zu seinen Äußerungen vom Wochenende sagte er: „Ich war ein bisschen lauter in den Medien“, sagte Klasnic, „meine Wut war sehr groß. Ich wollte ein bisschen Luft rauslassen.“ Auf rund 1,5 Millionen Euro Schadenersatz hat nun Klasnics Anwalt Matthias Teichner den Bremer Arzt Dimanski und die behandelnde Kardiologin Manju Guha verklagt. Klasnic sagte, die Bremer Geschäftsführung um Sportdirektor Klaus Allofs habe ihm zugesichert, dass die Vertragsverhandlungen unabhängig von der Klage gesehen würden.

          Auch Dimanski kam in der Sendung zu Wort. Er sagte: „Ich sehe der Klage gelassen entgegen, weil ich weiß, dass mein ärztliches Verhalten nicht nur in diesem Falle von A bis Z korrekt war.“ Allofs sagte, es gebe „keine Hinweise“, dass fehlerhaft gearbeitet worden sei.

          Treffen mit Allofs

          Neben dem Schicksal Klasnics, der als erster Fußballprofi mit einer Spenderniere spielt und sich aktuell einmal in der Woche im Krankenhaus zur Kontrolle melden muss und diverse Medikamente einnimmt, weist der Fall auf ein weit verbreitetes Phänomen im Berufssport hin - den sorglosen Gebrauch von Schmerzmitteln über einen langen Zeitraum hinweg. Auch Klasnic hat über Jahre ein schmerz- und entzündungshemmendes Mittel mit dem Wirkstoff Diclofenac eingenommen. Es wurde in der Sendung zumindest suggeriert, dass Dimanski es ihm verschrieben habe. Auch davor noch in Diensten des FC St. Pauli (bis 2001) waren Klasnics Blutwerte schlecht, so dass in seinem Falle ein längerer Gebrauch dieses Mittels vorliegen könnte - Klasnic sagte dazu kaum etwas. Das Medikament habe das Nierenversagen eventuell beschleunigt, sagte ein Hamburger Nierenspezialist.

          Am Dienstag morgen traf sich Klasnic zusammen mit seinem Anwalt in der Geschäftsstelle von Werder Bremen mit der Geschäftsführung. Unter großem Medieninteresse wurde auf den Ausgang des Gesprächs gewartet.

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