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Kießlings Phantomtor : Hoffenheim will Fairplay statt Bürokratie

Der Knoten von Hoffenheim: Dieses Bild ist für die Geschichtsbücher der Bundesliga Bild: dpa

An diesem Montag verhandelt das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes über den Einspruch von Hoffenheim gegen das Phantomtor von Stefan Kießling. Die TSG appelliert an das Fairplay. Doch die Chancen auf Spielwiederholung stehen eher schlecht.

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          Dietmar Hopp hat noch Hoffnung. „Vielleicht sagen die Leverkusener ja, dass sie ein Wiederholungsspiel gegen uns wollen.“ Ob der Milliardär aus Hoffenheim mit diesem Angebot des Gegners rechnen kann, darf jedoch bezweifelt werden. Außerdem verhindern wohl die Regularien des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine solche bilaterale Einigung zwischen den Kontrahenten, geht es doch bei der Verhandlung in Frankfurt an diesem Montag (10.30 Uhr) wegen des sogenannten Phantomtors des Bayer-Stürmers Stefan Kießling ganz penibel um die Umsetzung von Verbandsparagraphen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weil auch die entsprechenden Regeln des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) auf Basis der sogenannten Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gegen eine Wiederholung der Partie sprechen, wird der Einspruch der Hoffenheimer gegen den 2:1-Sieg des Werksklubs aus dem Westen kaum von Erfolg gekrönt sein. Trotzdem geht die Diskussion um die Torentscheidungen weiter.

          Der Hoffenheimer Trainer Markus Gisdol spitzte noch mehr zu als sein Vereinspatron Hopp. Er sagte am Sonntag im Fernsehsender „Sport1“, dass sich viele hinter den Äußerungen der Fifa zur Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters verstecken würden. „Tatsache ist, dass dieser Ball neben das Tor ging.“ Er appellierte an den DFB und sein Sportgericht, doch auf ein Wiederholungsspiel zu setzen. „Wir haben jetzt die große Chance auf eine Entscheidung mit großer Strahlkraft für das Fairplay. Wenn die Wertung dieses Spieles bleibt, sind die Spieler doch dazu aufgerufen, bei Fehlentscheidungen weiterhin nichts zu sagen. Wenn das Spiel wiederholt würde, wäre fortan jeder Spieler zur Fairness aufgefordert“, sagte Gisdol.

          Beim DFB-Bundestag in Nürnberg hatte Ehrengast Michel Platini, der Präsident des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), sich ebenfalls für ein Wiederholungsspiel stark gemacht. „Es wäre ein großartiges Zeichen von Fairplay“, sagte der Franzose. Zugleich sprach er sich gegen die Einführung der Torlinientechnologie aus. Bei Uefa-Veranstaltungen kommt sie im Gegensatz zur Fifa nicht zum Einsatz, dafür versuchen zusätzliche Assistenten hinter den Toren, strittige Szenen aufzulösen.

          Frühestens 2015 Technikeinsatz in der Bundesliga

          Aber auch das ging in der Vergangenheit daneben. Der Weltverband vermeldete unterdessen vergangene Woche einen technischen Fortschritt. Das zuständige International Football Association Board hatte entschieden, den Systemen nur noch eine Fehlerquote von 1,5 statt bisher drei Zentimetern zuzugestehen. „Das ist eine sehr positive Entscheidung“, sagte Ligapräsident Reinhard Rauball.

          Die deutschen Klubs hatten beschlossen, frühestens zur Saison 2015/2016 über die Einführung zu befinden, und dies mit der aus ihrer Sicht zu hohen Fehlertoleranz von drei Zentimetern begründet. Die neue Situation würde an der abwartenden Haltung aber nichts ändern, meinte Rauball. „Ich möchte dem Eindruck entgegentreten, dass die Einführung der Torlinientechnologie bei uns in den nächsten Tagen zu Entscheidung kommt. Wir lassen uns nicht treiben“, sagte der Ligapräsident. Die englische Premier League benutzt schon das englische System „Hawk Eye“. Bei der WM in Brasilien wird die Fifa das deutsche System „Goal Control“ einsetzen. Darüber hinaus gibt es auf dem Markt zwei weitere deutsche Systeme, die jeweils mit einem Chip im Ball und Sensoren am Tor funktionieren.

          Mit der Chip-Lösung verändern sich die Bälle

          Dass die Bundesliga eine hierzulande entwickelte Technologie einsetzen wird, steht bei den Funktionären außer Frage. Der für den Spielbetrieb zuständige Liga-Geschäftsführer Andreas Rettig weist im Hinblick auf die Entscheidungsfindung darauf hin, dass mit der Chip-Lösung das Flugverhalten der Bälle überprüft werden müsste. Das nähme gewisse Zeit in Anspruch. Die Liga erhält jedes Jahr vom Sponsor Adidas 10.000 Bälle für die Vereine - noch ohne integrierten Mikroelektronik-Splitter. Die Ausrüstung pro Stadion mit Torlinientechnologie beläuft sich nach Informationen der Liga auf 150.000 bis 200.000 Euro.

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