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Boateng in Frankfurt : „Ich bin ein Chamäleon“

Der „Prince“ ist wieder in Deutschland: Kevin-Prince Boateng hält den Ball in Zukunft in Frankfurt hoch. Bild: dpa

Kevin-Prince Boateng ist zurück in der Bundesliga. Warum wechselt er nun nach Frankfurt? Bei der Vorstellung verrät er, warum seine Wahl auf die Eintracht fiel.

          So viel Trubel war lange nicht mehr. 15 Fotografen und Kameraleute balgen um die besten Plätze. Wer macht das Bild des Tages von Kevin-Prince Boateng? Der neue Eintracht-Star wandelt auf des Trainers Spuren. Niko Kovac ist stets pünktlich, also ist es der zuletzt auf Gran Canaria beschäftigte Boateng auch. Um Punkt 16 Uhr öffnet sich die Tür zum Pressekonferenzraum in der Frankfurter Arena, und Boateng, von zwei, ganz in schwarz gekleideten Beratern begleitet, nimmt unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen an der Seite von Sportvorstand Fredi Bobic Platz. „Du bist der Prince“, sagt der Medienchef der Frankfurter Eintracht. „Nicht Kevin.“

          Boateng also ist tatsächlich da. Zurück in Deutschland, zurück in der Bundesliga. Warum Frankfurt? „Weil es ein spannender Traditionsverein ist und weil es zu mir nach Hause gleich um die Ecke ist. Der Flug nach Mailand dauert nur fünfzig Minuten.“ Während andere mit der S-Bahn abends nach der Arbeit nach Hause in den Taunus oder in die Wetterau fahren, wird Boateng zukünftig fliegend seine Liebsten in Italien aufsuchen. Zwischendurch soll er Fußball spielen „und der Mannschaft helfen“. Einen seiner zukünftigen Mitspieler hat er schon kennengelernt: Jan Zimmermann. Der Torhüter ist die zweite Kraft bei der Eintracht und hat das, was Boateng bis Freitag noch nicht hatte: die Trikotnummer 17. „Das ist meine Lieblingszahl“, sagt Boateng. „Ich habe Jan gefragt, ob er sie mir gibt.“ Natürlich hat Zimmermann sie dem 30-Jährigen gegeben, und nun muss Boateng ihn zum Essen einladen.

          Zwischen Abflug in Las Palmas und ersten Eindrücken in Frankfurt ging alles ganz flott. Der Medizincheck? Reine Formsache. „Test, Blut abnehmen, Pipi machen, Fahrrad fertig – ich bin froh, dass alles so schnell geklappt hat.“ Ob es auch so schnell auf dem Platz klappt? An diesem Sonntag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) will sich die Eintracht anschicken, die schwarze Serie von Bundesligaspielen in Freiburg zu beenden. „Ich will Präsenz zeigen“, sagt Boateng. „Wenn der Trainer mich denn spielen lässt.“ Kovac hat sich öffentlich noch nicht geäußert. Sollte Boateng zunächst zuschauen müssen, wäre dies kein Beinbruch für ihn. „Ich bin voll im Saft, aber ich rechne erst einmal mit nichts. Ich muss die Mannschaft und die Spieler kennenlernen.“ Ein Prozess, der schnell vonstatten gehen dürfte. „Ich bin in Berlin geboren. Ich bin ein Chamäleon, ich kann mich anpassen.“

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          Anpassen, das will sich Boateng sofort. „Ich spiele da, wo mich der Trainer aufstellt. Professionell gesagt, oder?“ Boateng, ganz der Anführer, der er sein soll, gibt die Richtung vor. „Wir wollen das ganze Jahr über konstant spielen. Niemand weiß, was passieren kann. Man kann auch Europa spielen.“ Nach Europa, das wollten die Spieler des Gegners SC Freiburg. Doch sie sind gescheitert. Nach Frankfurt, das wollte Boateng. Und dies aus gutem Grund. „Fredi kennt mich, Niko kennt mich, Robert kennt mich“, sagt Boateng über die schon lange funktionierenden Verbindungen zu Bobic und den Kovac-Brüdern. „Zu Niko wollte ich schon immer. Als er Trainer wurde, habe ich ihm gesagt: Eines Tages möchte ich bei dir spielen. Ich kenne ihn aus Berlin. Ich habe ihn als Vorbild gesehen. Und heute ist es soweit.“

          Die beiden Berliner Jungs, vereint und zusammengeführt in Frankfurt, können ab sofort bei der Eintracht gemeinsame Sache machen. Unabhängig voneinander haben die beiden Fußballfreunde vor den gefährlichen Freiburgern gewarnt. Von dem Platz aus, von dem Kovac um 13.30 Uhr die Qualitäten des Sportclubs rühmte, sagt Boateng gut zweieinhalb Stunden später: „Es ist schwer, in Freiburg zu spielen. Das Stadion ist eng, und man hört immer das Hecheln.“ Andererseits, und hier zeigt sich wieder der „Leader“, den sich Kovac für seine Mannschaft wünscht: „Wir sind Eintracht Frankfurt. Wir fahren da hin, wir werden gewinnen – dann fahren wir wieder nach Hause.“ Und dann kann Boateng, sollte er nicht gleich mal schnell „um die Ecke“ nach Mailand fliegen, vielleicht zum Einstieg das tun, was er angekündigt hat: „Ich will Äppelwoi probieren.“

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