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Kevin de Bruyne : Next Exit Schlaraffenland

Wohl bald ein Wolfsburger: Kevin de Bruyne noch im Shirt von Chelsea Bild: AFP

Kevin de Bruyne wechselt offenbar von Chelsea nach Wolfsburg. Der Krösus von Volkswagens Gnaden macht es möglich.

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          Die Bestätigung des Wechsels und der Ablösesumme fehlen noch, aber die Reflexe der Konkurrenz funktionieren schon wieder wie auf Knopfdruck. Kaum hatte die Ankündigung die Runde gemacht, der im vergangenen Saison allseits umworbene Kevin De Bruyne werde für angeblich rund zwanzig Millionen Euro vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg wechseln, hob in der Liga wieder die Klage vom Krösus von Volkswagens Gnaden an. Am Horizont der niedersächsischen Fußball-Tiefebene tauchte wieder das altbekannte Schreckensbild des bei Traditionalisten ebenso unbeliebten wie gefürchteten Klubs auf.

          Jürgen Klopp ließ angesichts des bevorstehenden Bruyne-Deals (mit dem sich der BVB im Sommer schon fast einig wähnte) umgehend wissen, dass Wolfsburg „Macht“ hat. „Das ist ein mehr als ernstzunehmender Konkurrent.“ Es sei völlig klar gewesen, so der Dortmunder Trainer, dass der VW-Konzern großzügig sein würde, wenn es beim VfL wieder gut laufe. Genau das war in der Hinrunde beim Tabellenfünften der Fall – und genau so ist es jetzt gekommen.

          Geld ausgeben reicht nicht

          Beim VfL Wolfsburg hört man auf dem Weg in Richtung Champions League die immergleichen Hinweise auf das viele Geld im Hintergrund nicht gerne. Das klingt in Konzernklub-Ohren immer so, als könnte Geld die Dinge im Fußball alleine regeln. Das stimmt natürlich nicht – aber es vereinfacht die Sache enorm. Klaus Allofs, der in der Vorsaison neben Fachkompetenz aus Bremen den Kontakt zu De Bruyne und auch sein für den VfL wohltuendes und bisher unbekanntes Image als Manager zum Werksklub mitgebracht hat – nämlich mit begrenzten Mitteln auskommen zu können –, schlüpfte wieder in seine alte Lieblingsrolle als vernünftiger Fußball-Kaufmann, der seine Investitionen genau zu wägen weiß. Der VfL, so Allofs, habe zuletzt seinen Kader reduziert (was stimmt), was es dem Klub möglich gemacht habe, wieder zu investieren (was nicht zu übersehen ist). In Wolfsburg hätten sie jedoch keine „unbegrenzten finanziellen Ressourcen“. Wolfsburg läge nicht im „Schlaraffenland.“

          Aber die Ausfahrt dorthin ist von Wolfsburg nicht weit – zumindest wenn man annimmt, dass man es im Fußball-Schlaraffenland mit einem Ort zu tun hat, wo das Lebenselixier des Profifußballs üppig fließt. Tatsächlich gibt es in der Bundesliga nur wenige Klubs, die ein solches Winter-Engagement wie von De Bruyne überhaupt nur zu erwägen wagen; und nur eine Handvoll, die sich den belgischen und früheren Bremer Mittelfeldspieler auch tatsächlich leisten können: Bayern, Dortmund, Leverkusen, vielleicht Schalke und eben Wolfsburg. Für die anderen Klubs liegt der „Next Exit Schlaraffenland“ in unerreichbarer Ferne. Aber es stimmt schon: Geld ausgeben reicht nicht – nicht einmal im Fußball-Schlaraffenland. Man muss das Geld schon richtig ausgeben. Allofs fängt gerade damit an.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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