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Kevin de Bruyne : Der begehrteste Spieler der Bundesliga

  • -Aktualisiert am

Effektiv und pflegeleicht: Kevin de Bruyne ist nicht nur beim VfL Wolfsburg beliebt Bild: Imago

Kevin de Bruyne, einem der besten Mittelfeldspieler Europas, schlägt in Wolfsburg nichts als Bewunderung entgegen. Wie lange kann ihn der VfL halten? Ein Treuebekenntnis gibt der Belgier nicht ab – und das hat einen Grund.

          Es sieht immer so niedlich und unbekümmert aus, wenn Kevin de Bruyne Feierabend macht. Ein Spritzer Haargel ordnet die putzige Stoppelfrisur. Seine Hände klammern sich meistens an den Trägern eines stinknormalen Rucksacks fest. Abseits des Rasens wirkt einer der besten Mittelfeldspieler, die Europas Fußball derzeit zu bieten hat, so herrlich normal. „Du darfst dir einfach keinen Stress machen“, sagt de Bruyne, wenn er über sich, die vielen Siege mit dem VfL Wolfsburg und seine Zukunft plaudert.

          Die ersten Gerüchte, ob und wann er dem Lockruf des FC Bayern München folgt, muss er bereits umdribbeln. Es dürfte an seinem bubenhaften Erscheinungsbild liegen, dass sich die grundlegende Frage aufdrängt: Wäre ein introvertierter Typ wie de Bruyne, der lieber schweigt als tönt und sein Rucksäckchen brav schultert, in München eigentlich gut aufgehoben?

          Wer sich als Fußballprofi auf das Wesentliche fokussieren möchte und keinen Wert auf ein Bad in der Menge legt, lebt in Wolfsburg ziemlich entspannt. Staunende Fans, die während einer ganz gewöhnlichen Bundesliga-Trainingswoche für Autogramme von de Bruyne und Co. Schlange stehen, gibt es kaum und taugen nur bedingt als Antrieb. Die Wucht einer Mannschaft, die sich gerade mit Nachdruck um einen Platz in der Champions League bemüht, entsteht nicht aus Begeisterung, sondern in erster Linie aus der Finanzkraft der VfL Wolfsburg Fußball GmbH und der Qualität der aktuellen Belegschaft.

          „Kevin sticht aus einer guten Mannschaft heraus. Wenn er so weitermacht, stehen die europäischen Klubs aus der ersten Reihe bereit. Die stoßen zwangsläufig auf ihn“, befürchtet VfL-Cheftrainer Dieter Hecking. Er spricht von einem Privileg, de Bruyne regelmäßig aufstellen zu dürfen. Denn unter all den Spielgestaltern und Antreibern, die sich der VfL Wolfsburg in den vergangenen Jahren geleistet hat, ist der Belgier der mit Abstand effektivste und pflegeleichteste.

          24 Torvorlagen und 14 Tore in dieser Saison

          Das allgemeine Getöse, das um de Bruyne mit ein wenig Verspätung begonnen hat, erklärt sich durch beeindruckende Fakten. Nach Anlaufschwierigkeiten in Wolfsburg spielt er eine überragende Saison. 24 Torvorlagen und 14 eigene Treffer in Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League sind eine imposante Ausbeute für einen Ehrgeizling, der im Grunde keine Verschnaufpausen benötigt und keinerlei Anfälligkeit für Verletzungen erkennen lässt. Geschäftsführer Klaus Allofs stuft den wichtigsten Spieler im Kader als außergewöhnlich zäh und spielintelligent ein.

          Und er findet, dass all die Kritiker, die de Bruyne nach seiner Verpflichtung im Winter 2014 zunächst als Missverständnis eingestuft haben, für ihre Voreiligkeit gerüffelt gehören. Der fast 25 Millionen Euro teure Transfer hatte nämlich einen Profi vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg geführt, dem es an Fitness, Selbstvertrauen und Spielpraxis mangelte. Was de Bruyne damals nach einer schweren Zeit in der Premier League in Deutschland erleben musste, wiederholt sich gerade im Fall von André Schürrle. „Ich kenne das. Und ich verstehe, dass Andre müde ist“, sagt de Bruyne über den Weltmeister im Team des VfL, der derzeit wenig weltmeisterlich spielt und die hohen Erwartungen nur bedingt erfüllen kann.

          Seine Karriere in der Bundesliga begann er bei Werder Bremen

          De Bruyne und Schürrle ist es beim FC Chelsea schlichtweg nicht gelungen, Trainer José Mourinho voll und ganz zu überzeugen. Sie sind ohne regelmäßige Einsätze Opfer einer Abwärtsspirale geworden, unter der beide nach ihrem Wechsel in die Bundesliga noch zu leiden hatten. Aber in Wolfsburg, wo de Bruyne nahezu jedes Spiel über die volle Distanz bestreiten darf, ergibt sich aus vollem Vertrauen und hoher Einsatzbereitschaft längst eine außergewöhnliche Mischung.

          Auch Schürrle staunt über die Zielstrebigkeit seines Kollegen. Die Pässe von de Bruyne erreichen die Mitspieler so zuverlässig wie Einschreiben mit Rückschein. Stürmer Bas Dost muss nur genau darauf achten, wann die nächste Steilvorlage auf die Reise geht, seine Lauffaulheit besiegen und im richtigen Moment losrennen und vollstrecken. Im Grunde entscheidet de Bruyne darüber, wann und wie sich der Rest des Teams bewegt. Er glänzt als Impulsgeber einer aufbegehrenden Mannschaft, die zum Start in die Rückrunde selbst den FC Bayern München vorgeführt und 4:1 besiegt hatte.

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