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0:0 gegen Bremen : Krisen-Quälerei ohne Tor in Köln

  • -Aktualisiert am

Einsatz unbestritten: Köln und Bremen bleiben aber sieglos Bild: dpa

Schlimmer geht‘s nimmer: Die Kellerkinder Köln und Bremen liefern sich zur besten Zweitligazeit ein Spiel auf niedrigem Niveau. Wenigstens ein FC-Spieler findet einen Trost in der Nullnummer.

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          Sonntagmittag, 13.30 Uhr: Schon die Anstoßzeit hatte etwas Symbolisches. Mittags um halb Zwei schlägt nämlich normalerweise der zweiten Bundesliga die Stunde. Diesmal aber auch jenen zwei Erstligaklubs, die derzeit die tabellarisch schlechtesten sind. Der sieglose 1. FC Köln, Achtzehnter mit einem Punkt und einer Tordifferenz von 3:17, traf auf den sieglosen SV Werder Bremen, Siebzehnter mit vier Punkten und 3:9 Toren. Schlimmer geht‘s nimmer, und deshalb knüpften die vormaligen deutschen Meisterklubs an diese direkte Begegnung zweier sportlich tief gesunkener Traditionsvereine die große Hoffnung auf einen Befreiungsschlag. Doch die Wende lässt weiter auf sich warten, nachdem das über weite Strecken verkrampfte Sonntagsspiel fast erwartungsgemäß 0:0 ausging. Der Kölner Innenverteidiger Dominique Heintz sah darin sogar Tröstliches. „Heute haben wir zumindest einen Punkt geholt und zu Null gespielt“, sagte er in aller Bescheidenheit. „Man hat gesehen“, hob der Bremer Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein hervor, „dass beide Mannschaften unbedingt gewinnen wollten.“

          Bundesliga

          Wirklich? Beim Kölner Stürmer Sehrou Guirassy sah man fast das Gegenteil. Der für den beim Warmmachen am Oberschenkel blessierten früheren Werder-Helden Claudio Pizarro in die erste Elf gerutschte Angreifer brachte eine Minute vor Schluss das Kunststück fertig, eine präzise Vorlage seines Kollegen Tim Handwerker mit der Hacke aus dem Tor zu schlagen. Die Bremer durften das als eine Art erste Hilfe verstehen. Auf der anderen Seite rettete wenig später der Kölner Rausch bei Delaneys Kopfball auf der Torlinie. So blieben beide Teams, die einen mit nun zwei, die anderen mit fünf Punkten, am Ende des Tableaus, ohne irgendein ermutigendes Zeichen ausgesendet zu haben, dass der Umschwung kurz bevorstehe.

          Daran weiter arbeiten dürften die zuletzt ins Gerede gekommenen Trainer Peter Stöger und Alexander Nouri. Der Wiener in Köln genießt nach wie vor Vertrauen nach vier Jahren steter Aufbauarbeit. Er hielt in eigener Sache soviel fest: „Ich kann und werde auch nicht von mir aus den Platz räumen, wenn ich nicht weiß, dass es eine zweite, bessere Lösung für den Klub gibt.“ Die ist derzeit weit und breit nicht zu sehen. Nouri, dessen Kredit knapper bemessen scheint, glaubt, dass sich die Dinge über die seiner Meinung nach am Sonntag sichtbar „positive Grundausrichtung“ seiner Mannschaft zum Positiven wenden können. Voraussetzung dafür seien Tugenden wie „Fleiß, Beharrlichkeit und harte Arbeit“.

          Was ihre Hingabe anging, konnte man beiden Teams keine Vorwürfe machen. Es fehlte aber meistens an der sportlichen Klasse, die Bundesligaspielern abverlangt wird. Nouri vermisste „die Leichtigkeit“ in diesem Krisenduell, das beide Teams mit schweren Beinen und schweren Köpfen zu bestreiten schienen. Kölner wie Bremer mühten sich redlich, ohne sich freispielen zu können. Die Kölner besaßen zumindest ein paar Chancen, die allesamt Pizarro-Vertreter Guirassy ausließ. Der Franzose scheiterte im Abschluss entweder an sich selbst oder am guten Bremer Torwart Pavlenka. Auch Werder brachte bis auf die Schlussphase offensiv kaum Nennenswertes zustande. So war dem FC wie Werder jederzeit anzusehen, dass sie in neun Spielen nur jeweils drei Tore geschossen haben. Eine Quote, die sich sprunghaft verbessern muss, wollen beide Klubs erstklassig bleiben.

          So sahen die 50.000 Zuschauer im ausverkauften Kölner Stadion eine rechte Quälerei, was der Begeisterung der Fans aber keinen Abbruch tat. Sie litten mit den offensichtlich nervlich unter allzu großer Anspannung stehenden Profis. So verrannte sich Pechvogel Guirassy in der zweiten Halbzeit einmal ohne Not in der Bremer Abwehr, als er fast schon freie Schussbahn zu haben schien. Dass der Franzose mit seiner Slapsticknummer kurz vor Schluss auch noch zum Bremer Nothelfer wurde, war wohl seiner instabilen Psyche geschuldet. Die Kaltblütigkeit eines abgebrühten Stürmers wird in Köln wie in Bremen händeringend gesucht. Ein Nachfolger für Anthony Modeste, der in der vorigen Saison 25 Treffer für die Rheinländer erzielte, ist weit und breit nicht in Sicht. Bei Werder meldete sich am Sonntag zumindest der von einem Schlüsselbeinbruch genesene Max Kruse spielfähig zurück. Er durfte in den letzten zehn Minuten dabei sein, als die Begegnung noch einmal anarchisch und wild hin und her wogte. Kruse kann noch zum Pfund für Werder werden. Die Kölner dagegen müssen spätestens zur Winterpause einen Angreifer mit Abschlussqualitäten präsentieren, soll diese Saison nicht im Desaster enden.

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