https://www.faz.net/-gtm-83q1z

Karlsruhe provoziert HSV : „Es ist Zeit, dass wir die Uhr abstellen“

  • Aktualisiert am

Noch läuft die Bundesliga-Uhr des Hamburger SV – aber wie lange noch? Bild: dpa

Ganz Fußball-Deutschland blickt auf die Relegation zwischen Hamburg und Karlsruhe. Der KSC heizt das Duell mit frechen Sprüchen an – und baut vor allem auf einen Mann, der beim HSV seine Karriere startete.

          2 Min.

          Ein kämpferischer Karlsruher SC sieht die Relegation als historische Chance und will die Ära des Bundesliga-„Dinos“ Hamburger SV beenden. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass wir die Uhr abstellen“, meinte Verteidiger Philipp Max in Anspielung an die digitale Anzeige im Stadion der Hanseaten, die auf über 50 Jahre Erstliga-Zugehörigkeit verweist. Mit Wucht und Wille räumte der KSC am letzten Spieltag der Zweiten Liga 1860 München bei Seite und verteidigte mit dem 2:0 (1:0)-Sieg den dritten Tabellenplatz.

          Nach sechs Jahren winkt den Nordbadenern nun die Rückkehr ins Oberhaus. Zwischendurch war der Traditionsclub sogar in die Dritte Liga abgestürzt und stand vor der Zahlungsunfähigkeit. „Vor drei Jahren waren wir eigentlich klinisch tot“, sagte Präsident Ingo Wellenreuther vor den Entscheidungsspielen am Donnerstag und kommenden Montag (jeweils 20.30 Uhr / Live in derARD und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) gegen den Drittletzten der Bundesliga und ergänzte entschlossen: „Wir wollen jetzt mit aller Macht unsere Chance wahrnehmen. Es ist ein sehr gutes Gefühl, weil wir jetzt im Fokus von ganz Deutschland stehen.“

          Pflicht erfüllt: Hennings (rechts) trifft für Karlsruhe, Valentini und Torres gratulieren Bilderstrecke

          Markus Kauczinski, ein anpackender, kompromissloser und auch offener Trainertyp, hat den KSC wieder nach oben geführt. Schon gegen die „Löwen“ zeigten seine Profis nicht den Hauch von Nervosität, sondern ähnlich wie Direktaufsteiger SV Darmstadt 98 eine wilde Entschlossenheit und körperliche Präsenz, die dem HSV zu denken geben muss. „Das werden zwei Highlights für uns, die wir gern annehmen“, sagte der 45 Jahre alte Chefcoach und versprach: „Wir werden voll da sein.“

          Am Sonntag vibrierte das veraltete Wildparkstadion – die neue, mehr als 80 Millionen Euro teure Arena soll erst bis 2019 stehen – wie zu besten Uefa-Cup-Zeiten unter Winfried Schäfer. Vor 27.771 Zuschauern trafen Kai Bülow mit einem Eigentor für die Münchner (9. Minute) und Manuel Torres (70.).

          Bis kurz vor 17.00 Uhr war der KSC sogar Zweiter, musste Darmstadt aber in der Tabelle noch vorbeiziehen lassen. Den Siegtreffer für die „Lilien“ gegen den FC St. Pauli erzielte ausgerechnet Tobias Kempe, der Bruder von KSC-Profi Dennis Kempe. „Wenn er anruft, dann sage ich Glückwunsch – mit ein bisschen Wehmut“, meinte der Karlsruher.

          Der Stolz, nach einer starken Saison auch noch den unbeliebten Südwestrivalen 1. FC Kaiserslautern hinter sich gelassen zu habe, überwog jedoch. Mit breiter Brust geht der KSC nun die Herausforderungen gegen den HSV an. „Zu verlieren haben wir sowieso nichts“, meinte Innenverteidiger Daniel Gordon. Rouwen Hennings, der mit 17 Treffern auch noch Torschützenkönig der Liga ist und einst beim HSV seine Karriere startete, betonte: „Wir sind nicht unbedingt der Favorit, aber wir sind auch kein Kanonenfutter und fahren da nicht zum Besichtigen hin.“

          Der HSV kann sich vor den beiden Duellen zumindest auf seine Fans verlassen. Innerhalb von 40 Stunden waren sämtliche 57.000 Tickets für das Heimspiel gegen Karlsruhe am Donnerstag vergriffen. „Ihr seid der Wahnsinn“, teilte der in 52 Jahren noch nie aus der 1. Liga abgestiegene HSV am Pfingstmontag via Twitter mit. Wenige Stunden später gab der HSV bekannt, dass das Kontingent von rund 3500 Karten
          für das zweite Duell innerhalb von etwa einer Stunde vergriffen war. Erst am Samstag hatte der Nordklub dank des eigenen 2:0-Erfolgs über den FC Schalke 04 und der Schützenhilfe von Hannover 96 gegen den SC Freiburg (2:1) noch den Sprung auf den Relegationsplatz geschafft.

          Weitere Themen

          Siegesserie von Liverpool und Klopp geht weiter

          Trotz Rückstand : Siegesserie von Liverpool und Klopp geht weiter

          Da waren es nur noch vier. So viele Siege braucht der FC Liverpool noch, um nach 30 Jahren wieder Meister in England zu werden. Gegen den Abstiegskandidaten West Ham benötigt das Team von Jürgen Klopp aber auch ein bisschen Glück.

          Topmeldungen

          Coronakrise : Kein „Tschernobyl-Moment“

          Chinas Führung kämpft gegen unliebsame Informationen über das Coronavirus. Jetzt hat Staatschef Xi gesprochen. Das zeigt, dass die Lage ernst ist. Problem: Wenn Xi im Spiel ist, muss alles besser werden – zumindest offiziell.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.