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Champions League : FC Bayern wehrt sich gegen neues Format

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„Repariere nicht, was nicht kaputt ist“: Karl-Heinz Rummenigge zur Champions League Bild: dpa

Pläne sehen vor, dass 16 Topklubs aus Europa im Sommer in Amerika eine „Champions League on Tour“ spielen. Der FC Bayern stemmt sich dagegen. Ein anderes neues Format indes gefällt Karl-Heinz Rummenigge viel besser.

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          Der FC Bayern stemmt sich gegen ein Sommerturnier der Champions League in den Vereinigten Staaten und eine weitere Aufblähung der europäischen Fußball-Königsklasse. „Repariere nicht, was nicht kaputt ist. Und die Champions League ist alles, nur nicht kaputt“, sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch beim Branchentreffen Spobis in Düsseldorf. Einer Teilnahme des deutschen Rekordmeisters an einer „Champions League on Tour“ durch Amerika in der Sommerpause erteilte der 64-Jährige eine deutliche Absage. Ein solches Turnier mache „keinen Sinn“.

          Der FC Bayern habe „überhaupt kein Interesse“ daran, versicherte Rummenigge. Zuletzt waren Pläne für ein Sommerturnier mit 16 Topvereinen aus Europa bekanntgeworden, das in den Vereinigten Staaten gespielt werden soll. Diese Idee habe Andrea Agnelli, Chef von Juventus Turin und der European Club Association, laut „Bild am Sonntag“ gemeinsam mit dem amerikanischen Milliardär Stephen Ross kürzlich mehreren europäischen Spitzenklubs präsentiert. „Unsere Trainer, unsere Spieler würden uns ins Kreuz reinspringen, wenn wir daran teilnehmen“, sagte Rummenigge.

          Auch die höchst umstrittenen Pläne für eine Reform der Champions League lehnen die Münchner ab. „Kein deutscher Klub ist mit dem derzeitigen Format unzufrieden, und es gibt auch keinen Bedarf für Veränderungen. Der Radikalismus geht mit mittlerweile zu weit“, sagte Rummenigge. ECA-Chef Agnelli hatte zuletzt für ein Format mit vier Achtergruppen statt acht Vierergruppen und womöglich deutlich mehr Spielen am Wochenende geworben. Dies war auf große Kritik aus Ligen und Vereinen gestoßen.

          Rummenigge verwies auf einen bereits jetzt übervollen Spielkalender und bezweifelte, dass darin Raum für zusätzliche Partien der Champions League sei. Zudem kreiere man mit diesem Format weitere langweilige Partien ohne größere Bedeutung. „Die Spieler haben kaum noch Luft zum Atmen, zur Regeneration. Wir sind an einem Punkt, an dem etwas weniger etwas mehr ist“, sagte Rummenigge. Eine Entscheidung über eine Reform fällt wohl frühestens Ende des Jahres.

          „Spieler und Trainer müssen aufstehen und sagen, dass es reicht“, sagte Rummenigge zu den Belastungen. Für den ehemaligen Nationalmannschaftskapitän, dessen Klub für die vergangene Saison einen Rekordumsatz von rund 750 Millionen Euro vermeldet hatte, „ist der Fußball zu politisch und zu finanziell geworden“. Man müsse sich mittlerweile fragen, „ist das alles noch gut für den Fußball oder nur noch für die Kasse“. Rummenigge betonte ungeachtet auch Münchner Bemühungen um immer neue Möglichkeiten zur Steigerung von Einnahmen, dass „inzwischen zu wenig über das Wohl des Fußballs gesprochen wird“. Aus seiner Sicht ist „das größte Problem des internationalen Fußballs, dass die Verbände immer neue Wettbewerbe entwickeln“.

          Deutlich positiver steht Rummenigge dem neuen Format für die Klub-WM des Weltverbands Fifa gegenüber. „Das ist total sinnvoll“, sagte der Bayern-Chef. Das bisherige Mini-Turnier kurz vor Heiligabend sei „Nonsens“. Vom Sommer 2021 an soll mit 24 statt nur sieben Mannschaften in China um den WM-Titel der Vereine gespielt werden. Noch nicht endgültig klar ist, welche Teams bei dem Turnier starten werden und wie der Qualifikationsmodus sein wird. Die Fifa und vor allem ihre Geldgeber dürften aber daran interessiert sein, vor allem Europas Top-Teams dabei zu haben. Acht sollen es mindestens sein. Das hatte zuletzt beim europäischen Dachverband Uefa für Ärger gesorgt.

          Für die Vergabe der Medien-Rechte an der Bundesliga ab 2021 hofft Rummenigge auf eine abermalige Einnahmensteigerung. „Ich hatte vor einigen Monaten noch Bedenken, auch weil wir schon auf einem ordentlichen Niveau sind, aber inzwischen bin ich optimistisch, dass wir noch einen Schritt nach oben machen können“, sagte er. Rummenigge begründete seine Zuversicht mit dem unerwarteten Aus für den Pay-TV-Sender Sky im Bieterverfahren für den nächsten Champions-League-Zyklus: „Dadurch ist Sky für die Bundesliga-Rechte dramatisch unter Druck geraten.“

          Derzeit kassiert der Profifußball 1,2 Milliarden Euro pro Saison aus den nationalen Rechten (inklusive Zusammenfassungen im Free-TV), dazu kommen ein paar hundert Millionen aus der ganzen Welt. Für den nächsten Vierjahreszeitraum ab der übernächsten Saison gilt der erstmalige Durchbruch der Schallmauer von fünf Milliarden Euro als Ziel der Verhandlungen zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und interessierten Sendern sowie Streamingdiensten.

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