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Abschiedsworte? Karl-Heinz Körbel (rechts) im Gespräch mit Eintracht-Trainer Niko Kovac. Bild: Wonge Bergmann

Karl-Heinz Körbel im Gespräch : „Wäre ich Bayern, würde ich Niko Kovac holen“

  • -Aktualisiert am

Karl-Heinz Körbel ist eine Legende bei Eintracht Frankfurt. Im Interview spricht er über den möglichen Wechsel des Trainers zum FC Bayern, dessen besondere Fähigkeiten – und ein Argument für München.

          Sie haben gute Kontakte zu den Bayern. In München wird Eintracht-Trainer Niko Kovac mittlerweile als Topkandidat gehandelt. Wie schätzen Sie die Situation ein?

          Schwierig zu sagen, ich bin selbst mal gespannt. Wenn die Bayern in der Sache Druck machen werden, dann kann ich mir schon vorstellen, dass Niko Kovac wackelt. Vor dem Spiel in Bremen habe ich mit ihm gesprochen. Da hatte ich vom Gefühl her den Eindruck, dass er erst mal nicht mit dem Gedanken spielt, zu den Bayern zu gehen. Wäre das anders, wäre Niko ein guter Schauspieler. Ich glaube, dass er jetzt komplett auf die Eintracht und den Erfolg in Frankfurt fixiert ist. Was dann kommt, ob die Bayern Ernst machen und sagen, Niko, wir wollen dich unbedingt haben, und wir zahlen der Eintracht eine Ablösesumme von drei, vier oder fünf Millionen Euro, wird man sehen. Momentan schiebt Niko alles weg. Wenn es so weit ist, würde er sich Gedanken machen. Für Niko werden dann beim Abwägen auch die Perspektiven bei der Eintracht entscheidend sein. Ob Frankfurt international spielen und wie die Mannschaft in der kommenden Saison aufgestellt sein wird.

          Wird es bei der Trainersuche in München auf Kovac hinauslaufen?

           Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef, Anm. der Redaktion) hat gesagt, dass die Bayern einen deutschen Trainer bekommen werden. Viele bleiben da nicht übrig. Ich glaube nicht, dass der Liverpooler Trainer Jürgen Klopp zu den Bayern gehen wird. Niko Kovac würde zu den Bayern passen. Er hat dort gespielt, die Verantwortlichen sind ihm vertraut. Er kennt die Mentalität und weiß genau, wie die Bayern ticken. Wenn ich Bayern München wäre, ich würde den Niko holen. Von der Professionalität, dem Fachlichen und vom Menschlichen her ist Niko ein super Trainer. Er würde in München sicher auch neue Ideen einbringen. Ich bin mir sicher, dass er dort etwas bewegen könnte.

          Könnte Niko Kovac überhaupt ein Angebot der Bayern ausschlagen?

          Niko traue ich alles zu. Er hat Werte wie ganz wenige, mit seinem Vertrag in Frankfurt hat er sein Wort gegeben, bis zum Sommer 2019 Trainer bei der Eintracht zu sein. Er schaut nicht auf das Geld. Müsste Niko eine Entscheidung treffen, glaube ich, dass er das aus dem Gefühl heraus tun würde. Niko ist ein Gefühlsmensch, auch wenn er nichts dem Zufall überlässt. Momentan, glaube ich, wäre es eine Fifty-fifty-Entscheidung. Auch seine Familie, die in Salzburg lebt, könnte dann in seinen Überlegungen eine Rolle spielen, in München wäre er näher dran an seinem Zuhause. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Irgendwann hast du die Schnauze voll vom vielen Hin- und Herpendeln. Und das darf man auch nicht vergessen: Es besteht die Gefahr, dass du deine Familie verlierst.

          Würden Sie Niko Kovac den Trainerjob bei den Bayern zutrauen?

          Natürlich. Niko Kovac ist ein Profi durch und durch. Er weiß sich genau einzuschätzen. Er hat das Format, sich in jeder Situation zurechtzufinden und sich zu behaupten. Er wüsste genau, was wichtig ist, um bei den Bayern Erfolg zu haben. Er hätte in München nichts zu verlieren. Er kennt den Druck, den er hätte, er weiß, wie die Medienlandschaft funktioniert. Ähnlich wie bei Jupp Heynckes würde er sein Team mit seinen Vertrauensleuten mitnehmen.

          In München müsste Niko Kovac anders spielen lassen. Und er müsste mit den vielen Bayern-Stars umgehen können.

          Was kann, wie er das bei uns durchgemacht hat, schlimmer sein als Abstiegskampf mit der entsprechenden Maschinerie. Niko ist hier durch eine Mühle gegangen. Natürlich müsste er die vielen Stars in München bei Laune halten. Er hätte aber sicherlich keine Angst, auch an die Superstars heranzugehen. Niko Kovac zeichnet auch aus, dass er klare Vorstellungen von seiner Arbeit hat, er weicht im positiven Sinne nicht von seinem Weg ab. Er ist taktisch sehr variabel und kennt den internationalen Fußball bestens.

          Wie müsste man sich einen Neuanfang in Frankfurt ohne Niko Kovac vorstellen?

          Für uns wäre sein Weggang eine absolute Katastrophe. Er trägt das Projekt zusammen mit Sportvorstand Fredi Bobic. Niko versteht es hervorragend, mit den Spielern aus vielen verschiedenen Nationen umzugehen. Ich weiß nicht, ob das einem anderen Trainer in dieser Form gelänge und ob dieser das auch wollte. Niko Kovac hat Kevin-Prince Boateng stark gemacht. Ein anderer Trainer würde ihn vielleicht auf die Bank setzen. Niko weiß genau, wie er Boateng oder auch Ante Rebic anpacken muss. Das ist eine riesige Kunst. Es ist nicht einfach, die Stars in einer Mannschaft bei Laune zu halten.

          Welchen Trainer könnten Sie sich als Nachfolger von Kovac in Frankfurt vorstellen?

          Ich wollte nicht in der Haut stecken, den Nachfolger für Niko Kovac suchen zu müssen. Das würde unheimlich schwierig werden. Niko hat hier etwas entwickelt, wir haben wieder eine Struktur. Sein Weggang wäre auch bezogen auf seine positive Außendarstellung ein riesiger Verlust für den Verein. Gemeinsam mit Fredi Bobic sorgt Niko Kovac für eine hohe Glaubwürdigkeit. Niko ist in Frankfurt unantastbar. Bei einem Angebot der Bayern würde ich sofort die Koffer packen und nach München fahren. Ich würde das Niko auch wünschen – aber trotzdem wehre ich mich dagegen. Für uns als Eintracht Frankfurt hoffe ich, dass Niko in Frankfurt bleiben wird.

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