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Karl Allgöwer im Gespräch : „Eigentlich wird in Stuttgart schon gefeiert“

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„Im Erfolg macht man die größten Fehler”: Karl Allgöwer Bild: picture-alliance/ dpa

Deutscher Meister und Pokalsieger: Die Möglichkeit zum Double gab es für den VfB Stuttgart noch nie. Mit der F.A.Z. spricht Klub-Legende Karl Allgöwer über Jürgen Klinsmann, Versteckspiele vor der letzten Partie und reiche Schwaben.

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          Deutscher Meister und Pokalsieger: Die Möglichkeit zum Double gab es in Schwaben noch nie. Jetzt ist sie da und der VfB Stuttgart möchte sie mit aller Macht ergreifen. Der frühere Stuttgarter Mittelfeldstar und deutsche Nationalspieler Karl Allgöwer war 1984 dabei als der VfB seine dritte Meisterschaft holte. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über seinen ehemaligen Mitspieler Jürgen Klinsmann, Versteckspiele vor der letzten, entscheidenden Partie und reiche Schwaben.

          Zweifeln Sie noch daran, dass der VfB Stuttgart nach 1950, 1952, 1984 und 1992 morgen zum fünften Mal deutscher Fußballmeister wird?

          Ein bisschen Zweifel muss sein, weil das Ergebnis gegen Cottbus ja noch nicht feststeht. Aber die Vorbereitungen für die Meisterfeier laufen. Eigentlich wird schon gefeiert. In Stuttgart ist die Meisterschaft seit Tagen Thema Nummer eins. Für die Spieler ist das nicht einfach, denn das entscheidende Tor muss noch fallen.

          Es gibt eine Parallele zu 1984, als Sie der Mannschaft angehörten. Auch damals hatte der VfB am vorletzten Spieltag mit einem Auswärtssieg (in Bremen) bei gleichzeitiger Heimniederlage des Konkurrenten Hamburger SV den Grundstein für die Meisterschaft gelegt. Wie ging die Mannschaft mit dem Vorgefühl des Triumphes um?

          Der HSV hätte im letzten Spiel bei uns im Neckarstadion mit fünf Toren Unterschied gewinnen müssen: reichlich unrealistisch. Also gab es einige Spieler, die sich sicher waren, dass wir Meister werden. Die Trainer haben gegengesteuert. Es war vor allem Psychologie gefragt, für die Fitness braucht man vor dem letzten Spiel nichts mehr zu tun. Die Devise lautete: Bloß nicht zu locker werden, sondern die Sache ernst und konzentriert anpacken.

          Sie waren damals siebenundzwanzig Jahre alt, zumal wegen Ihrer Fernschüsse und Freistöße so gefürchtet wie gefeiert - und Sie bildeten mit den Brüdern Bernd und Karlheinz Förster, mit Hermann Ohlicher, Guido Buchwald und dem Isländer Asgeir Sigurvinsson den Kern der Mannschaft. In wenigen Tagen zum ersten Mal die Meisterschale in Händen zu halten: Was war das für ein Gefühl?

          Ich war nervös, vor allem aber habe ich mich - wie übrigens auch viele der Mitspieler - versteckt. Für die Öffentlichkeit war ja bereits alles klar, vorauseilendes Schulterklopfen wäre die Folge gewesen. Als Spieler aber weiß man, dass - es ist eine Floskel, aber sie ist nur zu wahr - im Fußball jederzeit fast alles passieren kann. Deshalb der Rückzug vor dem letzten Spiel. Wie war die Lage? Wir hatten in der Vorsaison den dritten Platz belegt, unsere Zielsetzung für 1984 war in der Tat die deutsche Meisterschaft. Und die hatten wir zwischendurch eigentlich schon verspielt. Anfang März verloren wir in Gladbach gegen einen direkten Mitkonkurrenten. Ganz ähnlich wie die heutige Mannschaft kamen wir im vorletzten Moment dann wieder nach vorne.

          Die Geschichte des VfB seit der ersten Meisterschaft im Jahr 1950 ist eine permanente Berg-und-Tal-Fahrt. Auf jeden großen Erfolg folgten, wenn schon nicht der Niedergang, so doch das Mittelmaß und die Krise. Eine Spitzenmannschaft auf Dauer war der VfB nie.

          Im Erfolg macht man bisweilen die größten Fehler. Wenn es nun mit der Meisterschaft klappt, sollte man die Gründe dafür genau analysieren. Lag es am Zusammenhalt der Mannschaft, war es das Werk von Individualisten? Deutscher Meister wird man nicht nur durch Können, es gehört auch Glück dazu - und das hat man nicht in jeder Saison. Zudem: Eine perfekte Mannschaft gibt es nie, es gibt immer etwas zu verbessern - und zu verstärken. Kurzum, im Erfolg muss man auch das Defizit erkennen. Und dann kluge Personalpolitik betreiben: Nicht immer ist der teuerste Neueinkauf auch der beste. Der Manager und der Trainer müssen eben „ein Händchen“ haben, um die Mannschaft punktuell richtig zu verstärken.

          Wo muss sie vor allem verstärkt werden?

          Der VfB braucht noch einen erfahrenen Mann im Sturm.

          Im reichen Stuttgart müsste es doch möglich sein, so zu investieren, dass die Mannschaft auf Dauer zur Spitze gehört.

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