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Eintracht-Neuzugang Caio : Kanonenschläge für die neue Welt

Auch beim Jonglieren für die Fotografen konzentriert am Ball: Caio Bild: dpa

Der Transfer von Caio zu Eintracht Frankfurt weckt Erwartungen. Doch der Neuzugang bekommt alle Zeit der Welt, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Trainer Funkel erwartet Geduld.

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          Das Klicken der Objektive kommt fast in Millisekundenschnelle. Lange schon sitzt Caio auf dem Podium des Presseraums in der Frankfurter Arena, doch die Hatz nach den besten Fotos geht unvermindert weiter. Erst als der 21 Jahre alte Brasilianer mit leiser Stimme die ihm gestellten Fragen beantwortet und vom Dolmetscher Marcio da Silva übersetzen lässt, kehrt Ruhe ein. Dabei ist es zuletzt höchst turbulent gewesen bei der Eintracht. Finanzvorstand Thomas Pröckl, der Verhandlungsführer vor Ort in São Paulo, hat wenig geschlafen und nur Hotel und Flughafen der brasilianischen Millionenmetropole gesehen. Doch der Aufwand soll sich lohnen.

          „Geben Sie Caio und auch unserem zweiten jungen Spieler Martin Fenin Zeit zum Akklimatisieren“, bittet Pröckl die versammelten Journalisten. „Jeder Arbeitnehmer bekommt eine Eingewöhnungszeit. Wir sollten zunächst nicht zu hohe Erwartungen haben, sondern die Sache behutsam angehen. Schließlich haben beide Spieler einen Viereinhalbjahresvertrag unterzeichnet.“ Trainer Friedhelm Funkel betont, was er schon vor einer Woche in Portugal zur Maxime seiner Arbeit erhoben hat: „Caio und Fenin bekommen alle Zeit der Welt, um sich hier in Frankfurt wohl zu fühlen. Beide sind Investitionen für die Zukunft.“

          „Ich habe noch einiges zu lernen“

          Caio, der torgefährliche Mittelfeldspieler aus dem Land des Fußball-Rekordweltmeisters, lächelt freundlich, blickt hin und wieder zu seiner Freundin Bruna und sagt, „dass ich mithelfen will, damit Eintracht Frankfurt erfolgreich sein kann. Ich habe noch einiges zu lernen“, fügt er höflich an. Das Leben in Europa ist schließlich Neuland für ihn. Die kalte Jahreszeit Winter kennt er nur vom Hörensagen. „Zehn Grad, das ist das Kälteste, was ich bisher in Brasilien erlebt habe.“

          Ein knappes halbes Jahr, so sein ehrgeiziger Anspruch, gibt er sich, um sich in der noch unbekannten deutschen Sprache verständlich zu machen. „Ich denke, das ist ohne Probleme zu schaffen“, sagt er und lächelt wieder. Früher, viel früher schon wird Funkel entschieden haben, wo Caio spielt. Im offensiven Mittelfeld auf zentraler Position? Hinter den Spitzen? Oder vielleicht ganz woanders? „Die nächsten Wochen werden es weisen“, sagt der Eintracht-Coach. „Ich werde Caio dort einsetzen, wo es für uns am besten ist.“ Selbst einen Platz auf der Bank hält Funkel nicht für ausgeschlossen. „Wenn andere stärker sind, kann es durchaus sein, dass Caio und Fenin zunächst auf der Bank sitzen. Die von vereinzelten Medien ins Spiel gebrachte Erwartungshaltung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wir haben mit Streit, Takahara und Thurk drei erfahrene und gute Bundesligaspieler verloren und dafür zwei jüngere geholt. So muss man es sehen. Ich gehe realistisch an die Sache, so wie ich es immer tue.“

          „Frankfurt ist eine ganz neue Welt für mich“

          Caio César Alves dos Santos, der Millionenmann aus Südamerika, hat schnell begriffen, dass es vorteilhaft ist, zum Auftakt Nettes zu sagen. So behauptet er: „Die Fans hier in Frankfurt, habe ich gehört, sind noch lauter als in Brasilien. Zudem hat der Verein Eintracht eine super Struktur. Frankfurt ist eine ganz neue Welt für mich. Daher ist es wichtig, dass Bruna bei mir ist.“

          Keine Frage: Caio wird ebenso wenig von den Eintracht-Verantwortlichen alleingelassen wie Martin Fenin, der zweite Millionenmann. Beide Transfers, die den Aufbruch in eine neue Zeitrechnung darstellen, unterstreichen den Plan der Eintracht, langfristig zum Kreis der etablierten Bundesligakräfte zu gehören. Mit Caio und Fenin kann und soll die Eintracht stärker werden. Doch Trainer Funkel sagt auch: „Keiner hat einen Freibrief.“ So will Funkel im Fall Caio beobachten, ob sich der Brasilianer in der Spielweise von dem nach Schalke abgewanderten Streit unterscheidet. „Möglicherweise kann er noch nicht die Konstanz an den Tag legen wie Albert. Aber er will lernen, und seine Standards sind, was wir bislang gehört und auf Videos gesehen haben, brandgefährlich. Das sind richtige Kanonenschläge.“

          Mantzios weiter im Gespräch

          Einen weiteren Schlag, so Funkels Wunsch, soll es bis zum Ende der winterlichen Transferperiode am 31. Januar noch in der Offensive geben, „denn ich brauche noch einen Stürmer“. Ob es Evangelos Mantzios werden könnte, ist ungewiss. Am vergangenen Sonntag, als Funkel in der griechischen Hauptstadt gewesen ist, um sich das prestigegeladene Derby zwischen Panathinaikos und Olympiakos anzuschauen, hat Mantzios überhaupt nicht gespielt. Vielleicht auch deshalb hat der Eintracht-Trainer seine zweite geplante Flugreise nach Athen am Mittwoch abgesagt. „Eine Person meines Vertrauens ist vor Ort. Mantzios ist weiter im Gespräch.“

          Dass Caio schon vor den ersten offiziellen Ballkontakten in und um Frankfurt groß im Gespräch ist, zeigt das durch die Millionentransfers entfachte, sprunghaft gestiegene Interesse an der Eintracht. An diesem Donnerstag will Caio erstmals mit seinen neuen Kameraden Fußball spielen. Gut möglich, dass die Objektive wieder zahlreich klicken werden.

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