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Jupp Heynckes im Gespräch : „Junge Trainer sind gute Verkäufer ihres Jobs“

  • Aktualisiert am

Gefragter Mann: Jupp Heynckes Bild: ddp

Aus dem Ruhestand zurück auf die Bundesliga-Trainerbank: Leverkusens Jupp Heynckes spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über die Generation Klinsmann, Vorzüge der alten Garde und die Spuren, die er nun bei Bayer hinterlassen will.

          6 Min.

          Josef Heynckes gehört zu den erfolgreichsten Protagonisten des deutschen Fußballs. Als Stürmer der Mönchengladbacher Borussia wurde er viermal deutscher Meister. In 369 Bundesligapartien für Gladbach und Hannover gelangen ihm 220 Treffer; zweimal wurde er Torschützenkönig der Liga. Mit der Nationalelf gewann er den Europa- und den Weltmeistertitel. Auch als Trainer fing Heynckes in Mönchengladbach an. Er zeichnete sich früh dadurch aus, junge Spieler zu fördern. Zu seinen Entdeckungen gehört der spätere Weltstar Lothar Matthäus.

          Mit dem FC Bayern München gewann Heynckes zweimal die deutsche Meisterschaft. Bei verschiedenen Klubs in Spanien und Portugal profilierte er sich auch international. Er führte CD Teneriffa ins Halbfinale des Uefa-Pokals und gewann 1998 mit Real Madrid die Champions League. Bei Eintracht Frankfurt, Schalke 04 sowie abermals in Mönchengladbach war Heynckes weniger erfolgreich und wurde jeweils vor Ablauf seines Vertrags entlassen. Dennoch hat ihn die Bundesliga nicht losgelassen.

          Im vergangenen Frühjahr erhielt Heynckes von seinem Freund Uli Hoeneß, dem Manager des FC Bayern, das Angebot, für die letzten fünf Spiele den entlassenen Trainer Jürgen Klinsmann zu ersetzen. Die Bayern erreichten den zweiten Platz in der Meisterschaft, gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Champions League. Seitdem ist der 64 Jahre alte Fußball-Lehrer wieder gefragt. Für die nächsten zwei Jahre steht er beim rheinischen Klub Bayer Leverkusen unter Vertrag. Jupp Heynckes will Bayer aus dem Mittelmaß zurück in die Spitzengruppe der Bundesliga führen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über die Generation Klinsmann, die Vorzüge der alten Garde und die Spuren, die er nun bei seinem neuen Arbeitgeber hinterlassen will.

          Leverkusener Duo: Heynckes und Sportdirektor Rudi Völler

          Herr Heynckes, nach einem Noteinsatz beim FC Bayern sind Sie in Leverkusen gelandet. Hätte Rudi Völler Sie auch ohne das Münchner Fünf-Wochen-Intermezzo als neuen Bayer-Trainer engagiert?

          Um ganz ehrlich zu sein: Das glaube ich nicht. Auch ohne ein zweites Mal bei Bayern München gewesen zu sein, wäre ich natürlich der gleiche Mensch und der gleiche Trainer. Aber die fünf Wochen in München waren die Initialzündung. So ist das nun mal in diesem Geschäft, in dem alles vom Moment abhängig ist. Wenn ein Klub wie Bayern so kurz vor dem Saisonende die Reißleine zieht und einen jungen Trainer durch einen erfahrenen ersetzt, ist das ein Novum, aber kein Zufall. Dann werden auch andere Klubs aufmerksam.

          Was reizt Sie mit 64 Jahren noch an Ihrem Beruf?

          Ich hatte keinen Gedanken daran verschwendet, wieder einzusteigen und einen neuen Job anzugehen. Der Anruf von Rudi Völler kam überraschend. Aber in München habe ich gemerkt, dass es mir ungemein Spaß macht, mit einer guten Mannschaft zu arbeiten, und umgekehrt, kann ich wohl sagen, war es genauso der Fall. Ich will nicht sagen, dass mir das gefehlt hat, aber es war schon richtig gut, sehr harmonisch und auch erfolgreich. Ich habe die Spieler in einer schwierigen Situation ja nicht nur motiviert, sondern auch auf dem Trainingsplatz einiges mit ihnen erarbeitet. Beim FC Bayern kamen am Schluss nicht nur Führungsspieler zu mir, um sich zu bedanken, sondern auch Reservisten. Dann kann man als Trainer nicht viel falsch gemacht haben.

          Geht es Ihnen nicht auch darum, zu zeigen, dass die alte Garde der Trainer sich gegen die als innovativ geltende Generation Klinsmann behaupten kann?

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