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Jupp Heynckes : Alter Kumpel in der neuen Welt

  • -Aktualisiert am

Jupp Heynckes im neuen Trainingsanzug Bild: ddp

Jupp Heynckes hat seinen Dienst als neuer Trainer des FC Bayern München angetreten: Vor dem ersten Training gab er die Qualifikation für die Champions League als Ziel an. Und anschließend wolle er wieder sein Leben genießen.

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          Eigentlich wollte sich Uli Hoeneß wieder zurückziehen in sein für nur einen Tag unterbrochenes Schweigeseminar, das er seit ein paar Wochen belegt. „Ich finde, wir haben gestern genug gesagt.“ Aber dann ließ der Manager des FC Bayern München den neuen Trainer Jupp Heynckes doch nicht allein, als der seinen ersten Auftritt an der Säbener Straße hatte.

          Anders als in den vergangenen Wochen schien Hoeneß die Öffentlichkeit wieder zu genießen, und solange es bei den Fragen nicht um die Vergangenheit sondern um die Zukunft des Vereins ging, gab er sich redselig wie schon lange nicht mehr. Er rühmte das neue Trainergespann, den „alten Kämpen“ Hermann Gerland, und seinen „alten Kumpel“ Jupp Heynckes. „Wir fühlen uns alle in Aufbruchstimmung“, verkündete er.

          Kein Beifall, aber Neugier für Heynckes

          Die Aufmerksamkeit gehörte an diesem Dienstag allerdings dem neuen Assistenten und vor allem dem neuen Cheftrainer, der seinen Vorruhestand als „reinen Freundschaftsdienst für Uli und für den FC Bayern“ vier Wochen lang unterbricht. Schon am späten Montagabend war Heynckes nach München zurückgekehrt, hatte sich von den Verantwortlichen das neue Leistungszentrum zeigen lassen. Anschließend gab es einen Dienstwagen, den der FC Bayern schnell noch beim Sponsor besorgt hatte. Am Dienstagnachmittag um 16 Uhr betrat Heynckes dann das Terrain, auf dem er sich noch immer wohl fühlt: den Fußballplatz. Rund tausend Zuschauer verfolgten das erste Training der Mannschaft mit ihrem neuen Übungsleiter. Beifall für Heynckes und Gerland war nicht zu hören, doch die Neugier auf das, was kommen sollte, schien groß unter den tausend Schaulustigen.

          Der Interimsmann: Jupp Heynckes
          Der Interimsmann: Jupp Heynckes : Bild: AP

          Die neue Welt des FC Bayern, die Welt des modernen Profifußballs ist allerdings nicht mehr die von Heynckes, wie er bei seinem ersten Auftritt schnell zu verstehen gab: „Es war in meiner Lebensplanung auch nicht mehr vorgesehen, noch einmal beim FC Bayern auszuhelfen, aber meine Frau hat mir geraten, es zu tun“ - nachdem er am Sonntagabend vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge angerufen worden war. Dem 63 Jahre alten Heynckes fehlt noch immer die Leichtigkeit des Seins, die Fähigkeit, nicht nur ein guter Fußballlehrer zu sein, sondern auch die medialen Bedürfnisse zu stillen.

          „Es ist schwer, in vier Wochen Grundlegendes zu ändern“

          Er ist kein Mann für die große Bühne, das war er noch nie, aber darum geht es bei seinem Kurzeinsatz in München ebenso wenig wie um die Weiterentwicklung der Mannschaft. „Es ist schwer, in vier Wochen Grundlegendes zu ändern“, sagt Heynckes. „Aber ich denke, ich kann die Spieler schon erreichen. Meine Aufgabe ist es, dass sie frei werden, dass sie wieder Spielfreude haben und sie von den Fesseln zu befreien, die sie haben“, um das Minimalziel Champions-League-Qualifikation zu erreichen.

          Auf radikale Veränderungen wird er wohl verzichten. Torhüter Hans-Jörg Butt soll wohl die Nummer eins bleiben in den letzten fünf Spielen der Saison, denn es sei „ja bekannt, dass Michael Rensing verletzt ist“, und Mark van Bommel der Kapitän. „Ich schätze ihn sehr, er ist ein Leader.“ Heynckes hat in seiner langen Trainerkarriere viel erlebt: ein paar vorzeitige Entlassungen wie die in Schalke 2004, die in München 1991 oder die kuriose bei Real Madrid nach dem Gewinn der Champions League 1998, aber noch nie zuvor hatte er einen Verein mitten in der Saison übernommen. „Das ist ungewohnt, aber ich denke, ich habe so viel Erfahrung, dass ich die Situation nüchtern analysieren kann.“

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