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Jürgen Klopp im F.A.Z.-Gespräch : „Für uns gibt es eine historische Chance“

  • Aktualisiert am

Meistertrainer Klopp: „Im Leben ist es manchmal nur wichtig, im richtigen Moment am richtigen Platz zu sein“ Bild: dapd

Der Trainer von Borussia Dortmund strebt das Double an: Nach der Meisterschaft will er auch das Pokalfinale gegen Bayern München gewinnen. Für die nächste Saison sieht er sich wieder in der Rolle des Herausforderers.

          9 Min.

          Nach der Meisterschaft das Pokalfinale: Jürgen Klopp im Gespräch über das Berliner Endspiel, die kommende Bundesliga-Saison und das internationale Auftreten der Borussia.

          Momentan prasseln wieder die Lobeshymnen auf Sie ein. Der Stern hat Sie gar als den Super-Motivator ausgemacht, von dem alle etwas lernen könnten. Finden Sie sich da wieder in all den Texten?

          Ich habe null Komma null Tendenzen, meinen Einfluss auf die ganze Geschichte zu überschätzen. Ich empfinde es als meine Aufgabe, den Jungs den Raum zu geben, sich entfalten zu können, und für eine Atmosphäre zu sorgen, in der sich Leistungsbereitschaft lohnt - indem ich das im Training sehe und honoriere. Es gibt Kollegen, ohne dass ich mich mit denen vergleichen will, weil die unendlich viel mehr gewonnen haben, Kollegen wie Mourinho, da denke ich: Boah, die haben so richtig Einfluss. Aber bei mir selbst kann ich das nicht greifen.

          Außer den Bayern hat seit 1996 kein Meister den Titelgewinn wiederholt.

          Das kann man ja erklären. Es haben ja nur wenige geschafft, ihre Mannschaft danach zusammenzuhalten. Wir hatten eine Mannschaft mit außergewöhnlicher Qualität, und die ist praktisch zusammengeblieben. Natürlich ist Nuri Sahin weggegangen, was uns richtig wehgetan hat, menschlich sowieso und sportlich auch. Aber wir haben immer noch hohe Qualität gehabt. Normalerweise werden dir ja die besten Spieler weggekauft, und du fängst quasi bei null an und hast noch den Rucksack der Meisterschaft auf. Und neben dem ganzen Talent, das diese Mannschaft hat, ist es wirklich unser Hauptcharaktermerkmal, dass wir brutal Lust darauf haben, alles rauszuhauen auf dem Platz. Das ist tatsächlich so. Was im Vorbeigehen zu kriegen ist, interessiert uns nicht.

          Es gibt zwei Thesen im Zusammenhang mit Erfolg. Die eine heißt, Erfolg macht satt, die andere behauptet, Erfolg sei wie Meerwasser - je mehr man davon trinke, desto durstiger werde man . . .

          Oh, das ist ein geiles Sprachbild. Das kann schon so sein. Du spielst ja, um zu gewinnen. Das ein bisschen klarer herauszustreichen und für eine Atmosphäre zu sorgen, in der das besonders greifbar erscheint, finde ich jetzt nicht so wahnsinnig schwer. Es fällt mir relativ leicht, komplett zielorientiert zu arbeiten.

          Und wenn der Erfolg dann da ist?

          Ich hatte am Montagmorgen nach der Meisterschaft dieselben Probleme wie am Samstagmorgen vor der Meisterschaft. Und mein Aufschlag auf den Boden der Realität war überaus drastisch. In der Nacht von Sonntag auf Montag war ich viermal mit unserem Hund im Garten und habe mich nassregnen lassen. Denkt man ja auch nicht, dass man gerade den Titel verteidigt hat und in der zweiten Nacht danach seinem durchfallkranken Hund zuschaut. Es war ein richtiges Zurückholen und hat gezeigt, es verändert sich einfach wenig.

          Klopp und seine Jungs: „Es ist völlig jenseits von jeder Selbstverständlichkeit, was diese Jungs hier machen“
          Klopp und seine Jungs: „Es ist völlig jenseits von jeder Selbstverständlichkeit, was diese Jungs hier machen“ : Bild: dpa

          Es heißt aber doch auch, Erfolg verändert die Menschen . . .

          Möglicherweise dämliche Menschen, ja. Es verändern sich sicher die Dinge um einen herum, und man muss sein Verhalten anpassen. Mein Gesicht ist mittlerweile einfach so bekannt, dass ich nicht einfach machen kann, was ich will. Aber meine Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung der Menschen mir gegenüber, die mir wichtig sind, ändern sich nicht. Ich glaube, eine gewisse Intelligenz reicht aus, um komplett klar zu bleiben, aber ein paar Maßnahmen muss man schon ergreifen, um von der Öffentlichkeit nicht erdrückt zu werden. Man schottet sich ein bisschen ab. Meine Hoftüre ist schon höher als Ihre.

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