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Aus bei Hertha BSC : Zu viel Getöse von Klinsmann

  • -Aktualisiert am

Durch Jürgen Klinsmann interessierten sich plötzlich viele für Hertha BSC. Bild: dpa

Was bleibt nun nach Jürgen Klinsmanns stillosem und lächerlichem Abgang in Berlin? Es war Getöse und Marketinggeschrei, aber ganz wenig Substanz. Eigentlich schade, dass er bei den Bayern einst so schnell gehen musste.

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          Der Mann hat große Verdienste um den deutschen Fußball, auch wenn das nach dieser Woche doch schwerfällt zu glauben. Er hat ihm zweimal den rechten Weg gewiesen. Denn dass Deutschland 2014 tatsächlich die magische Nacht von Rio feiern durfte, hatte auch viel mit Jürgen Klinsmann zu tun.

          Bundesliga

          2004 nach der verpatzten EM angetreten, die WM im eigenen Land zwei Jahre später zu retten, hatte er damals alle mit seinen Visionen überrascht oder verstört, je nachdem. Er drehte aber wie angekündigt jeden Stein beim verkrusteten Deutschen Fußball-Bund um, beschritt völlig neue Wege. Vieles, was heute ganz normal erscheint, hat Klinsmann damals angestoßen. Und im Sinne seiner Mail an die Hertha-Fans und des Abschiedsgrußes „HaHoHe, euer Jürgen“ darf man ihm da ruhig noch mal zurufen: „Danke, Jürgen“.

          Nicht nur dafür, nicht nur für die Modernisierung des deutschen Fußballs, sondern auch für den Hinweis in dieser Woche, dass es durchaus Gründe gibt, die für die 50+1-Regel im deutschen Fußball sprechen. Verhindert sie doch, dass Egomanen das Sagen übernehmen, einen Verein von links auf rechts krempeln, sich aber von der ganzen Geschichte abwenden, wenn es nicht ganz nach ihren Vorstellungen läuft und sie nichts als Chaos hinterlassen. Klinsmann aber hätte gerne die Position der Trainer in der Premier League gehabt – die tatsächlich mächtiger sind. Doch Alleinherrscher, die sich nur mit dem Vereinseigentümer absprechen, sind sie auch nicht. So verrückt sind nicht einmal die Engländer, auch wenn man das nicht immer glauben mag.

          Das Erstaunliche ist die Strahlkraft, die von Jürgen Klinsmann ausging und mit der er abermals viele in seinen Bann ziehen konnte. Das war schon 2006 so, als er dafür gerühmt wurde, wie sehr er die Nationalmannschaft mit seinen Ansprachen emotional mitreißen könne – bis man dann eine davon im Film von Sönke Wortmann „Deutschland. Ein Sommermärchen“ sah und sich wundern musste. Viel Getöse, noch mehr Marketinggeschrei, aber ganz wenig Substanz – das war so, und das blieb so.

          Trotzdem hatte es ausgereicht, dass sich internationale Sponsoren plötzlich für Hertha BSC interessierten. Sein Abgang in diesem Millionengeschäft, so stillos und lächerlich er via Verkündung über Facebook gewesen ist, hatte immerhin eine Schlusspointe. Die Entscheidung sei kein Kurzschluss, sondern über Wochen gereift, also ungefähr kurz nach dem Dienstantritt vor zehn Wochen. Eigentlich schade, dass er 2009 bei den Bayern so schnell gehen musste. Was hätte er aus dem Verein alles machen können!

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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