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Jovic wechselt zu Real Madrid : Ein gewinnbringender Verlust für die Eintracht

Millionenmann: Der Wechselpoker um Luka Jovic ist beendet. Bild: dpa

Luka Jovics Wechsel zu Real Madrid beschert der Frankfurter Eintracht eine Rekordeinnahme. Ein Teil des frischen Kapitals fließt in die Kaderplanung.

          Dass er ein Hauptdarsteller war, der die Fußball-Bundesliga bereicherte, wurde ihm an diesem Dienstagvormittag aufs Neue bescheinigt. Die Kollegen der Spielergewerkschaft VDV kürten Luka Jovic bei der Abstimmung, in der sie die besten Akteure ihrer Zunft wählten, hinter dem Dortmunder Marco Reus zum verdienstvollsten Akteur der vergangene Saison. Weitere Großtaten sind von dem 21-Jährigen Shootingstar im Trikot der Frankfurter Eintracht fortan nicht mehr zu erwarten. Der Serbe sucht sein Glück als Profi künftig bei einer der Top-Adressen der Branche und schließt sich, wie es seit geraumer Zeit erwartet wurde, Real Madrid an.

          Die Eintracht und der 33malige spanische Meister verständigten sich auf einen Wechsel des Stürmers, der momentan mit der U21 seines Heimatlandes an der Europameisterschaft in Italien teilnimmt. Über die Modalitäten des Geschäfts gaben alle Beteiligten nur das Nötigste preis – und widersprachen sich dabei. Jovic wird „vorbehaltlich des positiven Verlaufs des noch ausstehenden Medizinchecks“ einen Fünfjahresvertrag unterschreiben, hieß es von Seiten der Eintracht, während Real die Übereinkunft über „einen Sechsjahresvertrag“ kommunizierte. Bei der Ablösesumme hielten sich alle Beteiligten bedeckt.

          Die Zeitung „Marca“, die für gewöhnlich rund um die Madrilenen bestens informiert ist, schrieb, dass Real zunächst exakt sechzig Millionen Euro zahlen müsse – wobei der Betrag später durch fünf Millionen in Form von Bonusprämien ansteigen könne. Das Geld wird nicht vollständig bei der Eintracht landen. Stattdessen gehen dreißig Prozent davon direkt an Jovics vorherigen Arbeitgeber Benfica Lissabon, der sich eine Gewinnbeteiligung beim Weiterverkauf gesichert hatte. Bislang war die Veräußerung von Kevin Trapp (2015 zu Paris Saint-Germain) mit 9,5 Millionen Euro der lukrativste Deal der Eintracht.

          „Sportlich gesehen ist Luka Jovic ein großer Verlust für uns“, wurde Sportvorstand Fredi Bobic in einer Mitteilung der Eintracht zitiert. „Aber für uns war klar, dass es eine finanzielle Schmerzgrenze gibt.“ Jovic trug in der abgelaufenen Runde mit 17 Treffern und acht Vorlagen einen großen Teil dazu bei, dass sich die Frankfurter als Tabellensiebter wieder fürs internationale Geschäft qualifizieren konnten; zudem traf er zehnmal bei 14 Einsätzen in der Europa League.

          Das 1,81 Meter große Kraftpaket war 2017 zunächst auf Leihbasis für 200.000 Euro von Benfica zu den Hessen gekommen. Er tat sich zu Beginn schwer, Tritt zu fassen. Unter der Regie von Trainer Adi Hütters wurde Jovic dann neben Ante Rebic und Sebastien Haller, die aktuell nicht viel weniger umworben werden, zu einem bedeutsamen Bestandteil der „Büffelherde“, die bis weit in den Frühling hinein von der Konkurrenz kaum zu bremsen war. Die Eintracht verpflichtete Jovic kurz vor Ostern dank einer Kaufoption für zwölf Millionen Euro und stattete ihn mit einem Kontrakt aus, der auf dem Papier eine Gültigkeit bis Mitte 2023 besaß. Das hat sich jetzt erledigt, wobei der Trennungschmerz durch den wirtschaftlichen Ertrag der Transaktion allenthalben gemindert werden wird. Jovic soll dem Vernehmen nach künftig zehn Millionen Euro verdienen – per annum.

          „Für mich gibt es nur Frankfurt“

          „Für Eintracht Frankfurt ist das ein guter und wichtiger Transfer. Luka wünschen wir für seine Zukunft nur das Beste. Er hat die besten Voraussetzungen für eine großartige Karriere. Und wir sind stolz, dass wir ihn auf diesem Weg begleitend unterstützen konnten“, stellte Bobic fest. Ein Teil des frischen Kapitals wird der 47-Jährige gut gebrauchen können, um die Kaderplanung voranzutreiben.

          Unter anderem ist geplant, Nationaltorwart Trapp (ausgeliehen von PSG) und Martin Hinteregger (ausgeliehen vom FC Augsburg) dauerhaft zu binden. Der österreichische Verteidiger gab am Dienstag so klar wie nie zuvor zu erkennen, dass er seine persönliche Zukunft bei der Eintracht sieht: „Für mich gibt es nur Frankfurt“, sagte der Kärntner in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“: „Ich schau‘ mir demnächst ein paar Wohnungen an.“ Die bisherige von Jovic ist nun auch zu haben.

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