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Bayerns Last-Minute-Sieg : „Was für ein Abend für Joshua Zirkzee“

Märchenhafter Einstand: Joshua Zirkzee trifft 104 Sekunden nach seiner Einwechslung. Bild: Reuters

Wieder droht den Münchnern im Titelrennen der Bundesliga ein Rückschlag. Dann kommt in Freiburg ein junger Stürmer ins Spiel – und trifft sofort. Dabei hat Joshua Zirkzee im Drittliga-Team der Bayern eine kuriose Bilanz.

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          Das Treffen übernahm er selbst, das Loben überließ er anderen. Nach seinem späten Tor für den FC Bayern beim 3:1-Sieg in Freiburg am Mittwochabend sagte der gerade 18 Jahre alte Joshua Zirkzee öffentlich nichts. Dafür fassten die Münchner selbst kurz und prägnant die märchenhafte Geschichte in den sozialen Netzwerken zusammen: „Bundesliga-Debüt. Eine Minute auf dem Platz. Entscheidet das Spiel mit dem ersten Ballkontakt. Was für ein Abend für Joshua Zirkzee!“ Das kann man auch ohne die bayrische Vereinsbrille so stehenlassen.

          Bundesliga
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Im Kampf um die besten Plätze drohte den Bayern beim Überraschungsteam aus dem Breisgau der nächste schmerzhafte Punktverlust. Robert Lewandowski hatte sie in Führung gebracht (16. Minute). Es war das 221. Bundesliga-Tor des Polen, der damit Jupp Heynckes überholte (220). Nur noch Gerd Müller (365) und Klaus Fischer (268) stehen vor ihm. Vincenzo Grifo glich für Freiburg aus (58.). Und dann kam Zirkzee. Erst kurz zuvor für Philippe Coutinho eingewechselt spitzelte er den Ball in der zweiten Minute der Nachspielzeit ins Tor. Serge Gnabry legte sogar noch einen Treffer nach (90.+5).

          „Joshua ist seit einigen Wochen bei uns und macht es auch im Training sehr gut“, sagte Trainer Hansi Flick über den Torschützen. „Die Entwicklung ist schon bemerkenswert. Heute hat er sich selbst, aber natürlich auch die Mannschaft, belohnt.“ Es war das traumhafte Ende der Partie, das die Bayern auf Platz drei der Bundesliga-Tabelle hievte, punktgleich mit Borussia Dortmund und je vier Zähler hinter Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Nach dem 6:1 gegen Bremen war es der nächste Haken hinter dem Neun-Punkte-Plan. Zum Abschluss der Hinrunde geht es am Samstag noch gegen Wolfsburg.

          „Ich habe mir einfach gedacht: Wenn noch eine Flanke kommt, kann er die eventuell reinmachen“, sagte Flick beim TV-Sender Sky über seine Gedanken zur Einwechslung von Zirkzee. Schließlich ist der junge Stürmer 1,93 Meter groß. „Er ist ein Stürmer, er macht das vor dem Tor eigentlich sehr gut.“ 104 Sekunden, nachdem Zirkzee den Platz betreten hatte, drückte er eine Kopfballvorlage von Gnabry im Strafraum am Freiburger Torwart vorbei über die Linie. „Geil, das hat er sich wirklich verdient“, sagte David Alaba. „Es ist schön, mit was für einer Überzeugung der Trainer ihn einwechselt.“

          Dass Zirkzee überhaupt in Freiburg dabei war, liegt auch am Verletzungspech der Münchner. Sieben Ausfälle spülten den Niederländer in den Kader, wie auch Lars Lukas Mai (20 Jahre), Sarpreet Singh (19) und Leon Dajaku (18). Bei den Heimspielen gegen Köln und Bremen war Zirkzee schon im Aufgebot, kam aber nicht im Einsatz. Kurios: Sein Debüt in der Champions League gab er eher als das in der Bundesliga. Zuletzt, beim 3:1 gegen Tottenham, wurde er schon für vier Minuten eingewechselt, hatte aber keine auffällige Szene. Das holte er nun in Freiburg auf gewinnbringende Weise nach.

          Das Happy End überstrahlte aber nicht gänzlich die Schwächen, die die Bayern beim letzten Auswärtsspiel des Jahres zeigten. „Es war ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten. Vor der Pause haben wir es sehr gut gemacht. Dann wurde Freiburg besser“, sagte Flick. „Wir haben diese Phase überstanden. Natürlich hatten wir auch das Quäntchen Glück. Die Jungs haben viele Spiele in den Beinen, da ist klar, dass irgendwann die Körner ausgehen.“ Torwart Manuel Neuer sprach von einem „Sieg des Willens. In einer Verletzungspause haben wir uns eingeschworen, das hat gewirkt.“

          Differenziert sah es auch der Sportdirektor. „Wir haben am Anfang wieder nicht die Tore gemacht. Wir haben gut gespielt, aber dann nachgelassen und die Spielanteile aus der Hand gegeben“, sagte Hasan Salihamidzic zur mangelnden Chancenverwertung, die zu Niederlagen gegen Leverkusen und in Gladbach führten. Wie beim Spitzenreiter kam in Freiburg ein Einbruch. „In der zweiten Halbzeit waren wir etwas müde, da hat man auch gesehen, dass es schwierig war. Dass es in der letzten Minute so ausgeht und uns der junge Spieler Joshua Zirkzee den Sieg noch schenkt, war schon toll.“

          Zirkzee kam 2017 von Feyenoord Rotterdam nach München und begann bei den B-Junioren. Schnell ging es für den niederländischen Jugend-Nationalspieler weiter. In dieser Saison gehört er fest zum Stamm der zweiten Bayern-Mannschaft in der dritten Liga. Erstaunlich: Dort kommt er zwar auf viele Spiele, in dieser Saison in 13 Einsätzen aber auf kein einziges Tor. Das schoss er nun dafür mit dem ersten Ballkontakt auf der großen Bühne für die Profis in Freiburg. Abheben sollte Zirkzee, der einen Vertrag bis Mitte 2023 hat, dennoch nicht. „Jetzt bleiben wir mal schön auf dem Boden“, sagte Flick.

          Ein möglicher Wechsel von Nationalspieler Leroy Sané zum FC Bayern schon im Winter beschäftigt den Trainer Hansi Flick derweil nicht. „Das ist ein Spieler, der bei Manchester City unter Vertrag ist. Von daher ist das für mich jetzt kein Thema“, er in Freiburg. Zuvor hatte die „Sport Bild“ berichtet, dass Sané Manchester am liebsten bereits in der Winterpause verlassen wolle, um nach München zu wechseln. „Ich konzentriere mich auf unser nächstes Spiel gegen Wolfsburg am Samstag“, sagte Flick. Dann ist Sané so oder so noch keine Option. Dafür aber, falls nötig, wieder Joshua Zirkzee.

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