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Joshua Kimmich im Interview : „Mehr geht fast nicht“

Ein Gesicht des Fußballjahres 2016: Joshua Kimmich vom FC Bayern. Bild: Picture-Alliance

In einem Jahr wurde aus dem Bundesliga-Newcomer Joshua Kimmich ein Stammspieler im DFB-Team. Im F.A.Z.-Interview spricht er über bayerische Lektionen, Wutausbrüche und eine Liebe in Leipzig.

          7 Min.

          Joshua Kimmich hat ein besonderes Jahr hinter sich. Vor zwölf Monaten war er noch ein Bundesliga-Newcomer bei den großen Bayern, jetzt ist er fester Bestandteil des deutschen Fußball-Nationalteams und einer der Aufsteiger der Saison. Nach dem Sieg über Leipzig kurz vor Weihnachten gingen die Münchner als Erster der Bundesliga-Tabelle in die Winterpause, bevor es im Januar weitergeht.

          Sind Sie erleichtert, dass mit dem Sieg gegen Leipzig die Verhältnisse wieder zurechtgerückt sind?

          Wenn man die erste Halbzeit gesehen hat, freut man sich einfach mit und ist ein Stück weit stolz, wie wir den Tabellenzweiten dominiert haben und in welcher Art und Weise wir auch in der Höhe verdient gewonnen haben. Wir hätten ja noch das eine oder andere Tor mehr schießen können.

          Vor dem Spiel gab es von außen durchaus Zweifel, wie die Bayern mit diesem Gegner klarkommen würden, jetzt war es die beste Saisonleistung, oder?

          Es war sogar in den anderthalb Jahren, die ich hier bei Bayern bin, sicherlich eines der besten Spiele, die wir gemacht haben. Viele haben ja Leipzig einiges zugetraut und vielleicht sogar gehofft, dass wir verlieren. Dass wir dann so dominant, souverän und selbstsicher gewinnen, ist nicht selbstverständlich.

          War es ein Musterbeispiel für die Ancelotti-Bayern?

          Natürlich ist es für uns einfacher, wenn du gegen einen Gegner spielst, der auch mitspielen möchte, wenn die Kette etwas höher steht und dadurch größere Räume hinter der Abwehr des Gegners sind. Da profitieren vor allem unsere Außenbahnspieler oder auch Lewy (Robert Lewandowski), die ihre Stärken dann besser ausspielen können.

          Hat die Mannschaft das erste Mal so richtig gemerkt, was mit diesem Stil möglich ist?

          Das Spiel muss auf jeden Fall für die Zukunft der Maßstab sein, daran müssen wir uns orientieren.

          Sie selbst hätten gegen die alten Kollegen vermutlich gern noch ein bisschen mehr gezeigt.

          Sehr gerne, ja! Ich war froh, dass ich dann noch reingekommen bin (in der 75. Minute, d. Red.). Aber natürlich würde man da gern von Anfang an spielen, gerade wenn man gesehen hat, wie wir gespielt haben. Da hat jeder richtig Lust, auf dem Platz zu stehen.

          Sie hätten noch einen ziemlich guten Draht nach Leipzig, heißt es.

          Ja. Meine Freundin wohnt dort, weil sie in Leipzig studiert und arbeitet. Deswegen bin ich häufiger mal da. Und mit ein paar von den Jungs bin ich auch noch ganz eng befreundet.

          Und: Was können Sie mit diesem Insiderwissen über das Leipziger Erfolgsrezept sagen?

          Viele junge Spieler, die noch viel erreichen wollen, alle an einem Strang ziehen und alle richtig Gas geben. Und ich weiß, dass da auch eine sehr gute Kameradschaft herrscht.

          Im Angriffsmodus: Joshua Kimmich hat sich, anders als von vielen erwartet, bei den Bayern etabliert - zuletzt jedoch blieb öfter nur ein Platz auf der Bank.

          Glauben Sie, dass Leipzig bis zum Schluss ein Meisterschaftsrivale sein wird?

          Die Tabelle lügt nicht, heißt es, sie stehen zu Recht da oben. Aber es wird etwas anderes sein, wenn sie nach der Winterpause als Favorit in die Spiele gehen. Wenn sie das Spiel machen müssen. Unsere Mannschaft kennt das seit Jahren, daher sehe ich natürlich schon einen Vorteil für uns.

          Xabi Alonso hat gegen RB auffällig und gut gespielt, der Mann, den Sie vielleicht irgendwann mal ablösen sollen. Ist er so etwas wie ein Vorbild für Sie?

          Man hat ja gesehen, welche Qualitäten er hat, was er für Diagonalbälle gespielt hat, wie er das 2:0 macht. Er ist für uns ein sehr wichtiger Spieler. Das ist natürlich jemand, an dem man sich orientiert. Ich bin 21, Xabi 35. Es ist klar, dass ich noch nicht die Erfahrung auf den Platz bringen kann wie er, aber natürlich ist es irgendwann das Ziel, mehr Einsatzzeiten auf dieser Position zu bekommen. Den Anspruch habe ich an mich selbst - auch wenn die Konkurrenz bei uns natürlich groß ist.

          Zu Beginn der Saison haben Sie mehr oder weniger durchgängig gespielt, haben auch eine Reihe von Toren geschossen. Zuletzt sind Sie eher von der Bank gekommen. Ist das im Rahmen der normalen Schwankungen in so einem Kader, oder haben Sie schon das Gefühl, sich Ihren Status in der Rückrunde zurückholen zu müssen?

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