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Bayer-Verteidiger Tah : Ein neuer Mann für die Nationalmannschaft?

  • Aktualisiert am

Starke Leistung gegen Bayern: Jonathan Tah (l.) setzt sich in dieser Szene gegen Bayerns Coman durch Bild: Reuters

Beim 0:0 in Leverkusen verzweifeln die Bayern an der starken Bayer-Defensive. Dass der Rekordmeister kein Tor schoss, lag vor allem an Jonathan Tah. Der Verteidiger könnte bei der EM ausgerechnet von der Verletzung eines Münchners profitieren.

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          Bei der Nullnummer im Bundesliga-Topspiel gegen Bayern München hat bei Bayer Leverkusen vor allem das Innenverteidiger-Duo Ömer Toprak und Jonathan Tah gepunktet. „Was die Beiden abgeliefert haben, war schon erste Sahne“, urteilte Vereinschef Michael Schade. Weltklassestürmer wie Arjen Robben und Robert Lewandowski ließen die beiden Abwehrspieler keinen Raum zur Entfaltung. „Unsere letzte Linie hat hervorragend agiert“, lobte auch 04-Coach Roger Schmidt seine beiden Mann nach dem Spiel am Samstagabend.

          Besonders im Fokus stand dabei Jonathan Tah, den Bundestrainer-Assistent Thomas Schneider in der BayArena beobachtete. Nach der schweren Verletzung von Bayern-Abwehrchef Jerome Boateng ist er ein Nationalmannschafts-Kandidat für die Europameisterschaft in Frankreich. „Ich freue mich. Es ist eine Ehre für mich“, sagte der 19-Jährige, den im Bayer-Team alle „Big Mike“ nennen.

          Immer bis zur letzten Sekunde

          Den Spitznamen hat der 1,92 Meter lange Jungprofi erhalten, weil er dem bulligen Hauptdarsteller des Films „Blind Side“ ähnelt. Tah ist seit Saisonbeginn in Leverkusen und hat alle 31 Pflichtspiele bis zur letzten Sekunde mitgemacht. „Da konnte man sich ein gutes Bild machen, was wir für ein großes Innenverteidiger-Talent hier haben“, sagte Schmidt. Ob es reiche, in das A-Nationalteam eingeladen zu werden, müsse der Bundestrainer entscheiden. „Dass Jonathan das Potenzial hat, dort irgendwann mal hinzukommen, wissen wir.“

          Die Spieler hatten sich einiges zu erzählen auf dem Spielfeld. Bilderstrecke

          Bei den Bayern hingegen verpasste Thomas Müller die erste Stunde, verkniff sich nach der Partie aber jede Kritik am Trainer. Obwohl der Weltmeister erst in der 60. Minute eingewechselt wurde, stand er Pep Guardiola demonstrativ zur Seite. Jüngste Schlagzeilen über die schlechte Stimmung im Kader wertete Müller vielmehr als gezielte Kampagne: „Es wird zurzeit versucht, Unruhe zu stiften. Die Medienlandschaft versucht, ein bisschen was zu inszenieren.“ Schelmisch lächelnd fügte er an: „Ich verstehe ja auch, dass Restdeutschland sich vielleicht die Bundesliga mit einem kleineren Punktabstand wünscht zwischen Platz eins und zwei.“

          Ein eindeutiges sportliches Signal, das zum Ende der Spekulationen über die schwierige Restsaison des im Sommer scheidenden Fußball-Lehrers hätte beitragen können, blieben die Münchner in Leverkusen jedoch schuldig. Erst nach der Einwechslung von Müller für den schwachen Arturo Vidal war Torgefahr erkennbar. Abwehrchef Holger Badstuber verwies zwar auf das noch immer komfortable Acht-Punkte-Polster, machte aus einem Frust aber keinen Hehl. „Ich bin schon etwas enttäuscht, weil wir einen Big Point hätten machen und die Führung ausbauen können.“

          Doch die Steilvorlage der Dortmunder, die in Berlin wenige Stunden zuvor ebenfalls nicht über ein 0:0 hinausgekommen waren, blieb ungenutzt. Die Gelb-Rote-Karte für Xabi Alonso (84.) nach einem taktischen Foul trug ebenfalls nicht zur Aufheiterung bei. „Sein zweites Foul ist keine Gelbe Karte“, beklagte Guardiola die Entscheidung von Schiedsrichter Knut Kircher, die er zuvor am Spielfeldrand mit höhnischem Applaus bedacht hatte.

          Die Leistung seines Teams bewertete der Spanier jedoch weniger kritisch. „Kompliment an die Spieler. In Leverkusen hat München nur einmal gewonnen“, sagte er mit Verweis auf die bescheidene Bilanz der Bayern mit nur einem Erfolg in den vergangenen sieben Partien. Eine Begründung für die Maßnahme, seinen zweitbesten Torschützen erstmals seit dem 11. Spieltag nicht in die Startelf zu beordern, blieb Guardiola jedoch schuldig. Müller selbst sah es gelassen: „Bei unserem Kader ist es nichts Neues, dass auch mal Spieler draußen sitzen, die sich vielleicht gern in der ersten Elf sehen.“ Von atmosphärischen Störungen könne deshalb aber keine Rede sein: „Ich sehe keine Anzeichen, dass es in der Mannschaft schlecht aussieht. Wir kämpfen auf dem Platz füreinander.“

          Am Einsatz mangelte es in Leverkusen wirklich nicht. Dafür sank die Spielkultur unter das übliche Niveau. So entwickelte sich vor allem in der ersten Halbzeit eine für Fußball-Ästheten wenig ansehnliche Partie. Nur ein Torschuss hüben wie drüben bedeuteten Negativrekord seit Einführung der Datenerfassung 1992. Doch damit konnte Roger Schmidt bestens leben. Voller Stolz verwies er auf die große Kampfbereitschaft und taktische Disziplin seiner Mannschaft: „Ich bin sehr zufrieden, insgesamt war es großartig. Wir haben gegen einen Gegner, was Ballsicherheit angeht, Maßstäbe gesetzt, trotzdem früh gestört und Druck ausgeübt.“

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