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Jörg Radek im Gespräch : „Polizeipräsenz ist durch nichts ersetzbar“

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Nicht nur beim Duell zwischen Schalke und Dortmund ist Polizeipräsenz gefragt Bild: dpa

Jörg Radek ist Vorstand der Polizei-Gewerkschaft GdP. Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht er über die Schalker Einigung, DFB und DFL sowie das Geld vom Steuerzahler.

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          Wie gefährlich ist es, dass die Sicherheitsbehörden wie jetzt im Fall von Gelsenkirchen überlegt haben, sich aus dem Innenraum von Fußballstadien zurückzuziehen?

          Diese Entscheidung wäre nur für Schalke getroffen worden. Wenn ein Verein wie Schalke wie im Saloniki-Spiel nicht den Ordnerdienst in Anzahl und Qualität zur Verfügung stellt, anschließend die Polizei ruft und diese dann für ihren Einsatz kritisiert, ist das nicht in Ordnung. Natürlich müssen auch wir als Polizei Kritik aushalten. Die Einigung in Schalke ist aber ein Zeichen des aufeinander Zugehens.

          Wo liegt das Problem bei Schalke?

          Es gibt Vereine, die sehr wohl ihrer Verantwortung als Hausherr gerecht werden und wissen, was die zahlenden Zuschauer von ihnen für einen gefahrfreien Aufenthalt erwarten. Auch wenn bisher nicht geklärt ist, wer den Einsatz im Saloniki-Spiel angefordert hat: Ein Verein ist nach dem Hausrecht verantwortlich. Wenn sich herausstellt, dass er dieser Verantwortung nicht gerecht wird, weil er auf Ordnerdienste verzichtet und Geld sparen will, sich dann aber der Polizei bedient, geht das nicht. Wir wollen nicht die Planungsreserve für die Vereine sein. Aber wir brauchen auch im Stadion weiter die Polizei.

          Deutscher Fußball-Bund und Deutsche Fußball Liga haben sich in der Schalke-Diskussion zurückgehalten. Das geht doch nicht ...

          Ich möchte den großen Verbänden nicht sagen, wie sie ihre Öffentlichkeitsarbeit machen sollen. Offensichtlich sahen sie es aber nicht als generelles Problem, sondern eher als eines am Spielort Gelsenkirchen. DFB und DFL wissen genau, dass sie auf eine gute Kooperation mit der Polizei angewiesen sind.

          Provozieren die Sicherheitsbehörden durch die Schalke-Diskussion Reibereien mit gewaltbereiten Fangruppen, die nach neuen Anlässen für Konflikte suchen?

          Wir müssen aufpassen, dass der Dialog nicht verlorengeht. Da sind alle Beteiligten gut beraten, sich gesprächsbereit zu zeigen. Wir müssen als Gewerkschaft der Polizei immer wieder anmahnen, dass wir den Dialog mit den Fans brauchen, auch wenn ich weiß, dass dies bei manchem Kollegen umstritten ist. Wenn man jedes Wochenende in Auseinandersetzungen gerät, bei denen die Menschenwürde leidet, will man eigentlich nicht mehr reden. Dennoch mahne ich eine differenzierte Betrachtungsweise an. Es gibt aber immer noch Vereine, die nicht den gewünschten Einfluss auf ihre Fans haben - wie Dynamo Dresden oder Eintracht Frankfurt.

          Andererseits hätte man im Fall Schalke sagen können, dass der Rückzug der Polizei den Steuerzahler entlastet hätte, weil der Verein selbst für die Sicherheit im Stadion zuständig gewesen wäre.

          Polizeiliche Arbeit unter dem monetären Aspekt zu betrachten wird der Einsatzsituation der Kollegen nicht gerecht. Innenminister Jäger hat stets betont, dass er die Polizeikräfte im Stadionumfeld bereitgehalten hätte. Ich möchte nicht, dass über eine Finanzierungsdebatte die Entscheidungsfreiheit des Einsatzleiters beeinflusst wird. Nach dem Motto: Dafür bezahlen wir nicht. Die Polizei handelt nach Recht und Gesetz, nicht nach Gutdünken. Unsere Einsatzleiter haben eine große Erfahrung, weil sie solche Spiele in Serie begleiten. Die wissen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit einzusetzen und haben ein Auge drauf, ob genügend Kräfte da sind. Es geht nicht, das Stadion dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen. Diese Autarkie braucht die Polizei. Massenpanik, Randale, Knallkörper, Rauchbomben - wir brauchen Experten, die Gefahren frühzeitig erkennen. Polizeipräsenz ist durch nichts ersetzbar.

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