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Frankfurter Personalien : Fakten und Gerüchte bei der Eintracht

Jesper Lindström kommt aus Kopenhagen zur Eintracht nach Frankfurt. Bild: Imago

Die Frankfurter verpflichten mit dem Dänen Jesper Lindström ein weiteres Talent. In der Personalie Filip Kostic kann Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche nichts ausschließen.

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          Oliver Glasner ging lieber auf Nummer sicher. Man weiß nie, schien sein Blick zu signalisieren, die Fußballzeiten sind ja auch schnelllebig geworden. Also drehte der Coach der Eintracht den Kopf noch einmal und schaute hinüber vom Trainingsplatz, an dem sich die Seinen bis wenige Minuten zuvor vergeblich gegen den SV Wehen Wiesbaden gemüht hatten, in Richtung Stadion. Dorthin also, wo noch für ein paar Tage, ehe die Umzugskartons gepackt werden, die Geschäftsstelle der Eintracht Frankfurt Fußball AG ihren Sitz hat.

          Bundesliga
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Auch Glasner hat rasch mitbekommen, dass Neuzugänge von den klubeigenen Medien der SGE am liebsten vor allen anderen abgelichtet und interviewt werden, gerne auf der Balustrade, mit schöner Aussicht oder Blick hinab ins formidable Rund. Doch er konnte am frühen Samstagabend niemanden dort entdecken. Insofern spielte Glasner auf Zeit, wie sich tags darauf herausstellte, als er für den Moment um Nachsicht bat, dass er hier und jetzt nichts Näheres zur Personalie Jesper Lindström sagen werde. Stattdessen setzte er ein entspanntes Lächeln auf, was so viel ausdrücken sollte wie: Wartet mal ab!

          Und lange musste sich auch tatsächlich niemand mehr in Geduld üben. Rund 17 Stunden später, am Sonntagvormittag, wurde die Verpflichtung des Dänen offiziell verkündet: Auf einem Foto vor dem Adler-Emblem strahlte der Profi dazu zusammen mit Sportvorstand Markus Krösche in die Kameras. Der 21-Jährige kommt von Bröndby IF. Über die Ablösesumme hüllten sich alle Beteiligten in Schweigen. Die Deutsche Presse-Agentur nannte 6,5 Millionen Euro als Bezugsgröße.

          Erheblichen Anteil am Meistertitel

          Der Mittelfeldspieler, der sowohl als zentraler Zehner etwas mit dem Ball anzufangen weiß, sich aber auch auf den Außenbahnen wohl fühlt, band sich gleich für fünf Jahre bis Mitte 2026 an die Eintracht – er soll ganz offenbar zu einem festen Bestandteil in den Zukunftsplanungen von Glasner und Ben Manga, dem Direktor Profifußball, werden. Lindström ist bereits der sechste Zugang und dürfte die Variabilität in der Offensive erhöhen. Er entstammt der Nachwuchsabteilung der Bröndby Idrætsforening.

          Nach seinem Erstliga-Debüt im Juli 2019 gelang ihm in der vergangenen Runde der Durchbruch. In der dänischen Superliga kam er auf 22 Einsätze, in der Endrunde um die Meisterschaft auf sieben weitere; nur in einer der Partien stand er nicht in der Startelf. Mit insgesamt zehn Toren und elf Vorlagen hatte Lindström, der im November 2020 seine Premiere in der A-Nationalmannschaft gegen Schweden absolvierte, erheblichen Anteil am ersten Meistertitel von Bröndby seit 2005.

          „Ich bin sehr froh, jetzt bei den Adlern zu sein“, sagte Lindström auf einem von der Eintracht veröffentlichten Video, das er selbst vor dem Rasen im Hintergrund des Stadions am Wochenende aufnahm und mit dem er sich direkt an die Fans richtete: „Ich will euch auf diesem Platz zeigen, was ich kann.“ Krösche begrüßte ihn mit Vorschusslorbeer: „Lindström bringt unheimlich viel mit für unser Spiel und wird uns mit seinen Qualitäten sicher weiterhelfen können. Er ist sehr schnell und hat in Dänemark gezeigt, dass er ein enormes Potential hat“, sagte der Sportvorstand.

          Dass sich aus Lindströms Hinzunahme der unmittelbare Abschied von Filip Kostic ableiten lässt, der seit 2018 mit großen Schritten und heißem Herzen den linken Flügel beackert, ist Krösches Worten zufolge nicht zu erwarten. Der 40-Jährige nutzte die Gelegenheit, um rund um die Partie gegen den bereits erstaunlich widerstandsfähigen Drittliga-Nachbarn, der durch die Treffer von Kevin Lankford (50. Minute) sowie Amin Farouk (52. und 73.) zum Sieg kam, Stellung zu beziehen, zu den anhaltenden Spekulationen, der Serbe stünde alsbald vor dem Verkauf.

          Vertraglich ist Kostic jedenfalls noch für zwei Jahre an die Eintracht gebunden – und doch könnte der serbische Nationalspieler die SGE in diesem Sommer wohl verlassen, sofern sich ein Abnehmer findet, der ganz tief in die Tasche greift. Mit dem 28-Jährigen werden vor allem immer wieder Klubs aus der italienischen Serie A in Verbindung gebracht, unter anderem der AS Rom und Inter Mailand.

          „Ich glaube, dass das mehr Gerüchte sind als wirkliche Fakten“, sagte Krösche dazu vor der Kamera bei Sky: „Filip fühlt sich wohl, er weiß, was er an uns hat. Er ist auch für die nächste Saison ein extrem wichtiger Teil.“ Die Theorien, der sportlich über jeden Zweifel erhabene Spieler könne zu einem Klub wechseln, der in der Champions League dabei ist, kämen aber nicht überraschend, stellte Krösche klar: „Wenn du so gute Leistungen erbracht hast, ist das normal.“

          Eine Garantie, dass Kostic tatsächlich in den nächsten Monaten fester Bestandteil in Glasners Gruppe ist, konnte und wollte Krösche nicht abgeben. „Stand jetzt bleibt er, aber man kann nie etwas ausschließen“, sagte der 40-Jährige und betonte: „Wir würden ihn sehr, sehr gerne behalten und sind froh, dass er da ist. Er ist extrem wichtig, deswegen werden wir alles dafür tun, dass er bleibt.“

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