https://www.faz.net/-gtm-ad1d4

Jens Lehmann : „Warum verwendete ich den Begriff ’Quotenschwarzer’?“

  • Aktualisiert am

„Wäre ich ein Rassist, hätte das nicht funktioniert“: Jens Lehmann Bild: dpa

Erstmals seit dem Wirbel um seine rassistische Whatsapp-Nachricht an Dennis Aogo meldet sich Jens Lehmann zu Wort. Er erklärt, wie er sich mit seinem Verhalten auseinandergesetzt hat und dabei lernte.

          1 Min.

          Der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann hat sich nach dem Aufruhr um seine rassistische Whatsapp-Nachricht an Dennis Aogo in den letzten Wochen mit seinem Verhalten auseinandergesetzt und viel über Diskriminierung gelernt. Das sagte der frühere Fußball-Profi in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit: „Ich muss zugeben, so tiefgreifend habe ich mich vorher nie mit dem Thema beschäftigt. Mit Diskriminierung. Mit systemischem Rassismus und Kolonialismus.“

          Wissen war nie wertvoller

          Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Er habe sich hinterfragt, wie oft er Sachen gesagt haben könnte, mit denen er unabsichtlich andere Gruppen getroffen haben könnte? „In London, beim FC Arsenal, war ich manchmal der einzige weiße Spieler im Team. Wäre ich ein Rassist, hätte das nicht funktioniert“, sagte Lehmann. Als Fußballer lebe man Inklusion, Respekt und Toleranz.

          Er habe danach Gespräche mit vielen schwarzen Mitspielern von damals geführt. „War da was? Eine Geste? Ein dummer Spruch? Alle haben mir bestätigt, dass das nie der Fall gewesen ist. Eher das Gegenteil, Respekt und Unterstützung. Deswegen geht es mir auch gut“, sagte Lehmann, der nochmals für seinen Fehler um Entschuldigung ba. „Ich kann jeden verstehen, der das Wort als respektlos empfunden hat.“

          Lehmann (51) hatte im Mai in einer WhatsApp-Nachricht an den TV-Experten und früheren Profi Aogo diesen als „Quotenschwarzen“ bezeichnet. Er bat bei Aogo um Entschuldigung, der nahm die Entschuldigung an. „Und mich hat auch die Frage beschäftigt: Wie komme ich dazu, den Begriff 'Quotenschwarzer' zu verwenden? Ich schaffe ja nachts um zehn Uhr kein neues Wort“, sagte Lehmann.

          Zum Beispiel wollten letztes Jahr im Rahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung „Firmen wie Adidas, Nike und Levi’s die Schwarzenquote in ihren Belegschaften in Amerika erhöhen und haben das genau so kommuniziert – ohne Aufschrei in den Medien aufgrund der Wortwahl, sondern mit Lob aufgrund des Vorhabens.“

          Nach seiner Äußerung hätten sich „binnen Stunden“ viele seiner Geschäftspartner von ihm getrennt: „Die Laureus-Stiftung von Daimler. Charity-Veranstalter. Aber ich tue alles dafür, das Vertrauen der Partner zurückzugewinnen.“ Die Nachricht, dass er nicht mehr Aufsichtsratsmitglied beim Bundesligaverein Hertha BSC ist, habe Lehmann entgegen anders lautenden Berichten erst „in diesen Tagen“ erhalten, „also sieben Wochen später“. Er habe eine Liste erhalten, „auf der mein Name nicht mehr stand“, sagte Lehmann.

          Weitere Themen

          „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“ Video-Seite öffnen

          Olympia-Video aus Tokio : „Wie ist man mit 13 schon auf Weltniveau?“

          Die ersten Olympia-Tage in Tokio sind vorbei. Die F.A.Z.-Reporter sprechen über die Eindrücke. Wie groß ist die Begeisterung vor Ort? Wie sind die neuen Sportarten? Und wie schlagen sich die Deutschen?

          Topmeldungen

          Eine Schülerin einer Abschlussklasse wird im Impfzentrum an der Messe München geimpft.

          Leopoldina-Forscher Falk : „Klappe halten, impfen lassen“

          Spitzenforscher Armin Falk fordert eine Impfpflicht und findet, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen sollte. An Politiker, die sich nicht impfen lassen, hat er eine klare Ansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.