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Jaroslav Drobny : Der Schweiger von Nienstedten

  • -Aktualisiert am

Flugeinlage: Jaroslav Drobny ist begehrter denn je Bild: dpa

Jaroslav Drobny bringt gilt für HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer als der ideale Profi. Er bringt allerdings nur die Mannschaftskameraden zum Lachen. Der Medienskeptiker steht trotzdem so hoch wie nie im Kurs.

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          Es war ein Termin des Plauderns und der Anekdoten. Da fragte man sich schon, was Jaroslav Drobny damit zu tun haben sollte. Könnte es vielleicht eine Überraschung geben? Der Hamburger SV hatte Ende November vergangenen Jahres eingeladen, um vom Abschiedsspiel des ehemaligen Profis David Jarolim im März zu berichten. Weil sich die Landsleute kennen und mögen, saß plötzlich Drobny auf der Ledercouch im Foyer zum Pressekonferenzraum, trank ein Wasser, plauderte tschechisch mit Jarolim. Plötzlich stand Drobny auf und begrüßte nickend die umstehenden Journalisten. Sollte man Zeuge eines Wunders werden? Sollte der große Schweiger im Tor des HSV tatsächlich reden? Drobny sagte: „Hallo Jungs! Ich sage nichts.“

          So kennt man den 35 Jahre alten Ballfänger. Einen Drobny in Redelaune haben seit seinem Wechsel von Hertha BSC zum HSV im Sommer 2010 nur Vereinsangestellte und Kollegen in der Kabine oder in Bus, Bahn und Flugzeug erlebt. Da allerdings soll Drobny zu großer Form auflaufen und Entertainment-Qualitäten aufbieten, die man ihm nun gar nicht zugetraut hätte. „Allein sein Deutsch bringt uns zum Lachen“, verriet jüngst Kapitän Rafael van der Vaart dem „Kicker“.

          Drobny ist beim HSV begehrter denn je

          Viereinhalb Jahre Hamburg und kein relevantes Interview, kein Stopp in der Mixed-Zone, keinerlei Aktivitäten in den sozialen Medien: Diese Haltung hat sich Drobny auch jetzt bewahrt, wo er René Adler längst verdrängt und allseits akzeptierte Nummer eins im Hamburger Tor ist - und für sein ruhiges Torwartspiel (garniert mit exzellenten Reflexen) dergestalt belohnt wurde, dass Sportchef Peter Knäbel seinen Vertrag am vorvergangenen Mittwoch bis 2017 verlängerte. Sogar eine Anschlussverwendung als Torwarttrainer der Jugend hat er sich in den Kontrakt schreiben lassen. Keine Frage, Jaroslav Drobny ist im Spätherbst seiner Karriere begehrter und beliebter denn je. Dementsprechend gutgelaunt ist er ins Wintertrainingslager nach Dubai gereist. Bis Sonntag bereitet sich sein Klub dort auf die Rückrunde vor.

          Das Gefühl kennt Drobny: Gegentor für den HSV

          Es gebe folglich genug zu erzählen - doch Drobny schweigt. Warum eigentlich? Dem „HSV-Magazin“ hat er diese Frage in einem seltenen Moment der Gesprächigkeit ebenfalls im November beantwortet: „Wenn ich etwas sage, dann möchte ich, dass nur das da steht. Und das passiert nicht, was mein größtes Problem ist. Gerne beantworte ich den Medienvertretern ihre Fragen - aber nur per E-Mail über die HSV-Presseabteilung. Dann müssen sie es eins zu eins drucken, was ich geschrieben habe, und können es nicht so drehen, dass es interessanter klingt.“

          Für Beiersdorfer der „ideale“ Bundesliga -Profi

          Da spricht der Medienskeptiker Drobny. Aber eben auch der Familienvater und Mann von nebenan, der die ganze Aufregung um sich und den Berufsfußball nicht nachvollziehen kann - und in diesem Zirkus der Selbstdarsteller in seiner Unaufgeregtheit deswegen eine Sonderrolle einnimmt. Im Vergleich zu exaltierten Schauspielern mit Brillanten im Ohr wie Cristiano Ronaldo oder stillen Kindsköpfen im bordeauxfarbenen Samtanzug wie Messi jüngst beim „Ballon d’Or“ wirkt Drobny wie der Hausmeister im blauen Kittel. Seinen Vorgesetzten hingegen erscheint er wie der ideale Profi: „Die Kollegen und Anhänger spüren, dass er Leistung ohne Nebeneffekte bringt“, sagt Vereinschef Dietmar Beiersdorfer.

          Dabei ist der Sauna-Liebhaber Jaroslav Drobny (heiß muss es sein!) keinesfalls profillos. Im Sommer machte er in der tschechischen Heimat sein Abitur nach. Im Dezember legte er dort seine Abschlussprüfung zur Trainer-A-Lizenz ab. Vom Hamburger Kollegen und Nachbarn im Stadtteil Nienstedten Petr Jiracek lässt er sich in Sachen Angeln beraten. Ein echter Schweiger wäre ja ohne Rute und Rolle auch kaum vorstellbar. Geangelt wird dann auf Karpfen in einem kleinen See nahe der eigenen Hütte in den tschechischen Wäldern. Auch die hiesigen Gewässer kennt Drobny: Er besitzt einen Bootsführerschein und schippert gern in der Lübecker Bucht. Da sind dann auch seine griechische Frau und der gemeinsame kleine Sohn mit an Bord.

          In Aktion: Drobny strahlt beim HSV Ruhe aus

          Nach Jahren der Wanderschaft ist Jaroslav Drobny in der Bundesliga und speziell in Hamburg heimisch geworden. Panionios Athen, FC Fulham, Ado Den Haag und Ipswich Town hießen seine Klubs zwischen 2005 und 2007. Dann griff der VfL Bochum am 22. Januar 2007 zu. Der bis dato hierzulande unbekannte Tscheche sollte mithelfen, den Abstieg zu verhindern: Unternehmen geglückt. Er bestritt alle 17 Partien. Bochum wurde Achter, und Drobny machte den nächsten Schritt zu Hertha BSC Berlin. Kurios dann der Wechsel zum HSV im Sommer 2010. Der stille Drobny sollte den Lautsprecher Frank Rost ersetzen. Doch Rost hielt und setzte sich durch. Zur Nummer eins wurde Drobny erst, als Rost seine Laufbahn beendete.

          Von langer Dauer war das Hamburger Glück nicht, denn im ablösefreien René Adler kam 2012 der nächste höher eingestufte Rivale. Drobnys professionelle Hinnahme der Rückstufung brachte ihm viele Fürsprecher im Klub ein. Zwei Jahre als Ersatzmann nahm Drobny hin und war doch immer da, wenn man ihn brauchte - wie in der Relegation 2014, als er seinen taumelnden HSV in Fürth vor dem Sturz in die zweite Liga bewahrte. „Der Abpfiff dort war mein emotionalster Moment als Profi“, hat Drobny gesagt, nicht geschrieben. Bemerkt haben den Gefühlsausbruch nur Insider.

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