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FSV Mainz 05 : Punkte weg, neuer Vorstand da

Neuer Mann in Mainz: Jan Lehmann wird Finanzvorstand Bild: Nielsen Sports

Auf dem Rasen fehlt Mainz gegen Dortmund die Durchschlagskraft. Abseits davon hat der Verein eine wichtige Entscheidung getroffen. Jan Lehmann ist vom Aufsichtsrat in den Vorstand berufen worden.

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          Einfach weitermachen. Nachdem Mainz 05 am Dienstagabend gegen Borussia Dortmund mit 0:2 nach Toren von Sokratis (55. Minute) und Shinji Kagawa (89.) verloren hatte, wollte sich Sportvorstand Rouven Schröder nicht mehr lange mit der Aufarbeitung aufhalten. „Wir haben 16 Punkte, nicht mehr und nicht weniger. Wir fahren jetzt nach Bremen, um dort zu gewinnen“, sagte Schröder. Er wollte erst gar nicht daran denken, dass Mainz 05 im Fall einer Niederlage auch im letzten Hinrundenspiel am Samstag erstmals seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2009 auf dem Relegations- oder gar einem Abstiegsplatz überwintern müsste. Am Samstag kann das Team des Fußball-Bundesligaklubs beim Tabellennachbarn im hohen Norden diesen Absturz noch verhindern.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch den Fans dürfte nach dem Auftritt gegen Borussia Dortmund ein wenig der Glaube an einen Erfolg fehlen. Mainz 05 kommt derzeit flügellahm und ohne echte Waffen und Durchschlagskraft in der Offensive daher. Die Außenbahnen, in der Vergangenheit das Prunkstück des Mainzer Umschaltfußballs mit schnellen Akteuren wie Levin Öztunali, Pablo de Blasis oder Jairo sind derzeit aufgrund von Verletzungen und Formkrisen so verkümmert, dass Trainer Sandro Schwarz zuletzt auch aus der Not eine Tugend machte und statt Außenspielern je einen zusätzlichen Mann für die Sturmspitze und das Mittelfeldzentrum einsetzte. Gegen den BVB ging das einher mit der lange erfolgreichen Taktik, den flinken Dortmunder Angreifern Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic und Andrej Jarmolenko die Pass- und Laufwege im Zentrum zu verbauen, indem zusätzlich eine Abwehr-Dreierkette den eigenen Strafraum gegen gegnerische Einfälle absicherte.

          Das war auch ein Verdienst des überragenden Jean-Philippe Gbamin, der die Rolle des Abwehrchefs so interpretierte, dass man fast geneigt ist, den Begriff Libero aus den Fußballgeschichtsbüchern herauszukramen. Immer wieder kurbelte Gbamin nach Balleroberungen das eigene Spiel mit Alleingängen durchs Mittelfeld oder geschmeidigen 40-Meter-Pässen auf die Außenbahnen an. Zur Pause musste der 22 Jahre alte ivorische Nationalspieler wegen einer Oberschenkelverletzung in der Kabine bleiben, was zu einem Bruch im Spiel führte. Womöglich hatte das Fehlen des kopfballstärksten Mainzers sogar unmittelbar die Dortmunder Führung zur Folge, weil dem Schuss von Sokratis ein Kopfball von Toprak vorangegangen war.

          Nach diesem Treffer fehlten den Mainzern die Ideen, um noch den Ausgleich zu erzwingen, wenngleich der Auftritt bis zum gegnerischen Strafraum recht ansehnlich war. „Wir haben uns gegen Leipzig und Dortmund nichts vorzuwerfen“, sagte Verteidiger Daniel Brosinski im Rückblick auf die beiden jüngsten Spiele. „Aber was wir davor gegen Augsburg und Freiburg von der Einstellung her gezeigt haben, war eine Frechheit. Deswegen hatten wir in der vergangenen Woche auch eine interne Sitzung ohne Trainer angesetzt mit einem super Gespräch, an dem sich alle beteiligt haben.“Der Teamgeist scheint also intakt. Allein die Qualität auf dem Rasen fehlt derzeit, weswegen Sportvorstand Schröder in der kurzen Winterpause nach Verstärkungen für die Flügel und auch das Zentrum schauen wird.

          Einen anderen Transfer hat Mainz 05 derweil abgewickelt. Der Aufsichtsrat hat Jan Lehmann zum zweiten hauptamtlichen Vorstand berufen. Der Finanz- und Marketingfachmann wird ab dem 1. Februar für den kaufmännischen Bereich verantwortlich sein. Wenn bei der Mitgliederversammlung am 21. Januar ein Nachfolger des zurückgetretenen ehrenamtlichen Vorsitzenden Johannes Kaluza gewählt worden sein wird, wäre der Vorstand vorläufig komplett. „Ich möchte meine vielfältigen Erfahrungen sowohl aus dem Fußball als auch aus Unternehmen außerhalb der Sportbranche einbringen.

          Bundesliga

          Das Sportgeschäft verändert sich wie viele Branchen derzeit rasant. Die Chancen, die sich zum Beispiel aus der Digitalisierung ergeben, möchte ich für den Verein nutzbar machen und mithelfen, Mainz 05 für die Zukunft professionell aufzustellen“, sagt Lehmann laut einer Pressemitteilung des Klubs. Beispielsweise soll er dazu beitragen, das im Verein noch weitgehend brachliegende Kundenbeziehungsmanagement auszubauen, womit beispielsweise Dauerkartenbesitzer gezielt per Smartphone angesprochen werden können. Der 47 Jahre alte Lehmann hat langjährige Erfahrungen im Fußball- und Sportbereich. So war er unter anderem sechs Jahre für DFL tätig, bei der er das Strategische Marketing und Produktmanagement verantwortete. Zuletzt arbeitete er beim Marktforschungsunternehmen Nielsen Sports als einer von zwei Geschäftsführern in Deutschland.

          In der Branche gilt er als umgänglicher, eloquenter Stratege und Denker mit einem guten Netzwerk. Nun muss er wohl noch beweisen, dass er die gelegentlich im Haifischbecken des Profifußballs nötige Ellbogenmentalität besitze. Lehmann ist in Bonn und Köln aufgewachsen, kennt somit die rheinische Mentalität. Wenngleich er als Kind vermutlich nicht in Bettwäsche von Mainz 05 geschlafen hat, so kann er sie in Zukunft aber vielleicht gut an den Fan bringen.

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