https://www.faz.net/-gtm-a04ex

Borussia Dortmund : Immer wieder Ärger mit Sancho

  • Aktualisiert am

Jadon Sancho sorgt nicht nur auf dem Rasen für Aufsehen. Bild: Reuters

Jadon Sancho ist jung und begabt. Er soll den BVB in die Champions League führen. Der Dortmunder Fußballstar aber sorgte schon öfter mit Eskapaden für Aufsehen – wie bei der Friseur-Affäre. Auf die Strafe dafür reagiert er mit heftigen Worten.

          3 Min.

          Von einfachen Arbeitsbedingungen kann man bei Borussia Dortmund in dieser Saison wahrlich nicht sprechen. Gerade erst ist der Wirbel um Trainer Lucien Favre abgeflaut, da gibt es mal wieder Ärger um Top-Scorer Jadon Sancho. In turbulenten Zeiten muss der BVB gegen die Mannschaft der Stunde siegen.

          Bundesliga

          Gegen Hertha BSC und seine neuen Erfolgstrainer Bruno Labbadia muss Favre das neue Saisonziel Platz zwei festigen, sonst dürfte die Stimmungsmache gegen den Schweizer sogleich wieder aufkommen. „Wir sind aktuell Zweiter und würden auch ganz gerne am Ende dort einlaufen“, sagte Sportchef Michael Zorc vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky).

          Schon ein Punkt gegen die formstarken Berliner, die unter der Verantwortung von Labbadia noch unbesiegt sind und aus vier Spielen zehn Punkte mit 11:2 Toren holten, könnte zu wenig sein. Mit einem klaren Sieg zuvor über den Letzten Paderborn könnte Leipzig sonst am BVB vorbeiziehen. Schon vorsorglich, so scheint es, bekommt Favre vor dem Spiel Unterstützung von Labbadia. „Lucien Favre macht einen überragenden Job“, sagte der neue Hertha-Coach. „Wenn man den Punkteschnitt sieht – aber auch, wie sie Fußball spielen.“

          Das sehen im BVB-Umfeld nicht alle so. Dass die Meisterschaft nach dem 0:1 gegen den FC Bayern auch nach Meinung der BVB-Führung quasi entschieden ist, nagt an den Verantwortlichen. Bis zum 6:1 an Pfingsten in Paderborn kamen Gerüchte auf, dass Favre nach dem Saisonende nicht zu halten sei. Ein weiterer Sieg gegen die Hertha würde zumindest in diesem Punkt weiter Ruhe bringen.

          Labbadia, der als Coach bei bislang sieben Versuchen noch nie in Dortmund gewinnen konnte, macht sich trotz des Laufs seines Teams klein. „Borussia ist mit Einzelkönnern bestückt, die etwas Außergewöhnliches haben. Viele können ein Spiel über eine einzelne Aktion entscheiden“, lobte der 54-Jährige.

          Allerdings bereiten diese Einzelkönner in Dortmund mal wieder Kummer. In dieser Woche sorgten Fotos bei Instagram für Wirbel, die ein Star-Friseur dort gepostet hatte. Offensichtlich bekamen unter anderen Jadon Sancho, Thorgan Hazard, Manuel Akanji und Axel Witsel Besuch von einem Friseur und verstießen dabei gegen die Hygienemaßnahmen der Deutschen Fußball Liga. Auf den Fotos posierten sowohl Spieler als auch der Szene-Coiffeur ohne Schutzmaske.

          „Wir haben noch einmal mit den Spielern ganz deutlich darüber gesprochen und ihnen ganz klar erklärt, wie sie sich zu verhalten haben. Mit dem Friseur haben wir auch gesprochen. Warum man davon auch noch Fotos machen muss, verstehe ich überhaupt nicht“, schimpfte Zorc. Ihm hätten die Spieler und der Friseur allerdings im Gespräch bestätigt, alle Vorschriften eingehalten und die Masken nur für die Fotos abgenommen zu haben. In der Defensive war der Klub vor allem aber wegen der Beteiligung Sanchos.

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL) belegte Akanji und Sancho am Freitag mit Geldstrafen in nicht bekannter Höhe. Die beiden hätten „bei häuslichen Friseurterminen offenkundig gegen allgemeine Hygiene- und Infektionsschutzstandards sowie insbesondere gegen das medizinisch-organisatorische Konzept der DFL-Taskforce“ verstoßen, teilte die DFL mit. Dies sei auf Fotos, die in Medien und in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, erkennbar gewesen.

          Es stehe „außer Frage, dass auch Profi-Fußballer ihre Haare schneiden lassen müssen. Dies muss derzeit jedoch im Einklang mit dem medizinisch-organisatorischen Konzept erfolgen“, hieß es weiter. Akanji und Sancho können innerhalb von fünf Tagen Beschwerde einlegen. Die Strafen richten sich laut DFL „ausdrücklich nicht gegen den Klub, bei dem kein „Organisationsverschulden“ erkennbar ist.“ Sancho zeigte daraufhin großes Unverständnis: „Absoluter Witz DFL!“, schrieb der Engländer nur kurze Zeit nach Bekanntwerden der Strafe auf seinem Twitterprofil. Nach rund einer Stunde löschte er den Tweet wieder.

          Immer wieder Sancho. Im Oktober beachtete der 20 Jahre alte Engländer nach einer Länderspielreise eine Terminänderung nicht und kam einen Tag zu spät wieder. Dies brachte ihm eine teaminterne Suspendierung für das Hinspiel gegen Borussia Mönchengladbach ein. „Es geht um die Hygiene in der Mannschaft“, sagte Zorc damals.

          Ende November verpasste Sancho dann wohl eine Besprechung und musste in der Champions League beim FC Barcelona zunächst nur auf die Bank – nach seiner Einwechslung traf er zum 1:3. Seine Verfehlungen erinnern an die Eskapaden der früheren BVB-Stars Pierre-Emerick Aubameyang (jetzt beim FC Arsenal) oder Ousmane Dembélé (FC Barcelona).

          In Dortmund ist man indes nachsichtiger mit Sancho. Wegen seines Alters. Und wegen seines Könnens. „Ich kann nicht alles kontrollieren“, sagte Favre zum neuerlichen Friseurvorfall. „Er ist jung, wir waren alle mal jung, 18, 19 oder 20 Jahre alt. Aber er sollte das nicht machen, das ist klar.“ Dass Sancho auch anders kann, zeigte sein Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus in den Vereinigten Staaten. Beim Torjubel in Paderborn am vergangenen Sonntag zeigte er ein T-Shirt mit der Aufforderung: „Gerechtigkeit für George Floyd“.

          Bundesliga-Tippspiel 2019/2020
          Bundesliga-Tippspiel 2019/2020

          Jetzt anmelden und gewinnen

          Sancho ist drittbester Torjäger der Liga mit 17 Treffern und bester Scorer (34) – noch vor Bayerns Superstar Robert Lewandowski (33). Einfach so auf Sancho zu verzichten, verbietet sich daher, so lange er sich nicht wirklich Gravierendes leistet. Zumal könnte der Jungstar den Dortmundern auch noch eine riesige Ablösesumme bescheren. Gerade erst kamen Gerüchte über das Interesse von Real Madrid am Bundesliga-Toptalent auf.

          Weitere Themen

          Die lauten Geister von Leverkusen

          DFB-Pokalfinale : Die lauten Geister von Leverkusen

          Die Niederlagen der Vergangenheit und Begriffe wie „Komfortzone“ und „Vizekusen“ prägen Bayer bis heute. Jetzt hofft Leverkusen im Pokalfinale auf ein Erlebnis, das die alten Geschichten vergessen lässt.

          Topmeldungen

          Eine Razzia in einer Shisha-Bar in Bochum

          Aussteigerprogramm : Raus aus dem Clan

          Nordrhein-Westfalen will den Ausstieg aus kriminellen Großfamilien erleichtern. Das Programm läuft gut an, doch die Erfahrungen lehren auch: Wer den Ausstieg wagt, wird meist brutal zurück gezwungen.
          Ein provisorisches Krankenhaus für die Corona-Infizierten in der Stadt Lleida.

          Corona- und Wirtschaftskrise : Spaniens Kampf ums Überleben

          Das südeuropäische Land muss wegen des heftigsten Corona-Ausbruchs seit der Öffnung neue Ausgangssperren verhängen. Und auch wirtschaftlich sieht es düster aus: Ministerpräsident Sánchez kämpft um die Kredite und Zuschüsse der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.