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BVB-Spieler Jadon Sancho : Lieb, teuer, sprunghaft

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„Er testet die Grenzen aus“: Jadon Sancho. Bild: EPA

Der Engländer Jadon Sancho von Borussia Dortmund ist der erste Spieler, der schon vor seinem 20. Geburtstag 25 Bundesliga-Tore geschossen hat. Was zeichnet ihn aus?

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          Es lässt sich trefflich darüber streiten, welcher Einzelspieler von Borussia Dortmund am Wochenende den beeindruckenderen Rekord aufgestellt hat. Die große Tribüne im Süden des Stadions feierte nach dem 5:0 gegen Union Berlin zuallererst Erling Haaland, der seit diesem Tag der bislang einzige Profi der Bundesliga mit sieben geschossenen Toren nach nur drei Einsätzen ist.

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          Anschließend überschütteten die Menschen in Schwarz-Gelb Neven Subotic mit ihrer Zuneigung; der Berliner Verteidiger spielte während der goldenen Jahre mit Jürgen Klopp für den BVB. Es musste Michael Zorc kommen, um explizit auf eine andere Bestmarke hinzuweisen. Mindestens ebenso beeindruckend wie die unglaubliche Quote des norwegischen Wunderstürmers sei die Effizienz von Jadon Sancho, verkündete der Sportdirektor der Dortmunder Borussia.

          Der Engländer ist nach seinem Treffer zum 1:0 der erste Spieler, der vor seinem 20. Geburtstag 25 Bundesliga-Tore geschossen hat. Er überflügelte am Samstag Bayer Leverkusens Kai Havertz und Horst Köppel, die als Teenager jeweils 24mal trafen. „Ich arbeite weiter, möchte mehr Tore schießen und mehr Rekorde brechen“, sagte Sancho nach dem Spiel, während Zorc die Leistungen des jungen Angreifers während der vergangenen Monate als „unfassbar“ bezeichnete. Ganz ähnlich klang auch Lucien Favre, der seinen unberechenbaren Dribbler schlicht „phantastisch“ fand. Der Trainer ist beeindruckt von dem „enormen Potential, sich weiter zu verbessern“. Allein im laufenden Spieljahr hat Sancho zwölfmal getroffen und 13 weitere Tore vorbereitet; damit ist er auch der erste Profi, der zu diesem Zeitpunkt einer Saison sowohl in der Kategorie Vorlagen als auch in der Kategorie Tore im zweistelligen Bereich angekommen ist. „Vielleicht schafft Erling das auch noch“, sagte Zorc im Scherz.

          Das ist aber eher unwahrscheinlich; Haaland müsste noch 18mal treffen vor seinem Geburtstag im Juli. Hinter Zorcs Aussage schimmerte eine ordentliche Portion Stolz hervor, denn dem BVB gelingt es derzeit besser als jedem anderen Bundesliga-Verein, Spieler unter 20 mit Weltklassepotential unter Vertrag zu nehmen. Zudem schaffen die Dortmunder das Kunststück, den Wahnsinn zu moderieren, dem diese Fußballer ausgesetzt sind. Stars, die in diesem Alter ein Millionengehalt einnehmen, sind oft von schwer durchschaubaren Freunden umgeben. Häufig ist unklar, ob die Leute im privaten Umfeld nicht in erster Linie am Ruhm und am Geld der Profis interessiert sind; immer wieder geraten Fußballer so auf Abwege. In der Winterpause musste Sancho Kritik einstecken, weil er einsogenanntes „Protz-Video“ von einem Urlaub in Dubai mit Privatjet, einer Yacht, einem Sportwagen und einem Gold-Steak veröffentlicht hatte. Sancho geriet somit unter Verdacht, die falschen Dinge wichtig zu finden. Aber mit solchen Geschichten gehen die Verantwortlichen beim BVB erstaunlich gelassen um.

          Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ein erfolgreicher mittelständischer Unternehmer, dessen Firma Arbeitskleidung produziert, hat sich in der vergangenen Woche versucht, sich in Sportler wie Sancho hineinzuversetzen. „Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich mit 19 Jahren fünf Millionen Euro verdient hätte. Das wäre garantiert schiefgegangen und keine Erfolgsgeschichte geworden.“ Bei Sancho geht auch manches schief, aber sie bekommen ihn immer wieder in die Spur zurück. Zweimal wurde der Hochbegabte im laufenden Spieljahr schon aus disziplinarischen Gründen bestraft. Zum Spiel gegen den damaligen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach wurde er im Oktober aus dem Kader gestrichen, Zorc sagte trotzdem immer wieder: „Ich mag den Jungen. Er testet einfach seine Grenzen aus.“ Auf dem Platz ist Sancho einfach viel zu wertvoll, um schwerwiegendere Konsequenzen zu ziehen als mal eine Geldstrafe oder den Rauswurf für ein einzelnes Spiel.

          Alle beim BVB wissen, dass ein gutgelaunter Sancho unverzichtbar ist, um den für diese Saison angestrebten Gewinn eines Titels zu realisieren. Außerdem sind die Verantwortlichen darauf bedacht, den Wert des englischen Nationalspielers möglichst nach oben zu treiben. Beschlossen ist zwar noch nichts, aber es gilt als wahrscheinlich, dass der BVB Sancho im Sommer bei einem entsprechenden Angebot in die Premier League verkaufen könnte. Der Revierklub hofft auf eine Einnahme in einer Höhe von bis zu 130 Millionen Euro. Laut dem Portal „transfermarkt.de“ ist Sancho mit einem geschätzten Wert von 120 Millionen derzeit der teuerste Spieler der Bundesliga. Zum Vergleich: Haaland wird „nur“ auf 45 Millionen taxiert.

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