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Entlassung von Trainer Titz : Ärger beim HSV nach Instagram-Post

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Jann-Fiete Arp (links) sorgt mit einem Post bei Instagram für Aufregung. Bild: Picture-Alliance

Der Hamburger SV wechselt mal wieder seinen Trainer. Hannes Wolf soll es nun richten, Christian Titz muss gehen. Für viel Aufregung nach der Verkündung sorgt Sturm-Talent Jann-Fiete Arp.

          Sportchef Ralf Becker vom Fußball-Zweitligaverein Hamburger SV hat ein Gespräch mit Sturm-Talent Jann-Fiete Arp wegen dessen Instagram-Eintrags nach der Trennung von Trainer Christian Titz angekündigt. „So eine Meinungsäußerung nach außen ist nicht zu akzeptieren“, sagte Becker am Dienstagnachmittag bei der Vorstellung des neuen HSV-Cheftrainers Hannes Wolf. Das werde „intern besprochen“, sagte Becker.

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          Der Traditionsklub hatte am Mittag überraschend die Freistellung von Titz als Trainer bekanntgegeben. Der 18 Jahre alte Arp hatte kurz darauf ein Foto mit ihm und Titz gepostet, versehen mit einigen wütenden Emojis und Ausrufezeichen. Dies wurde als Kritik an der Entscheidung des Vorstandes gewertet. Wenig später wurde der Eintrag gelöscht. Stattdessen veröffentlichte Arp eine Erklärung. Es sei „an keinen anderen gerichtet als Christian Titz, ich will damit keine Entscheidung kommentieren, kritisieren oder sonst was, nur meine Gefühle über das Ende unserer Zusammenarbeit ausdrücken“. Arp und dem 47 Jahre alten Titz war ein enges Verhältnis nachgesagt worden. Der Trainer hatte den Jung-Stürmer gefördert. Der Coach war ein Grund dafür, dass Arp seinen Vertrag beim HSV trotz anderer Angebote nach dem Bundesliga-Abstieg bis Juni 2020 verlängert hatte.

          Zuvor ging beim HSV alles ganz schnell. Schon am Abend nach dem enttäuschenden 0:0 am Sonntag gegen den VfL Bochum reifte bei Sportchef Becker die Erkenntnis, dass die Tage von Titz als Trainer des HSV gezählt sind. Rasch streckte der Sportvorstand des Traditionsklubs die Fühler nach Hannes Wolf aus. Titz wurde am Dienstag über seine Beurlaubung informiert, der frühere Coach des VfB Stuttgart mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet. Es war die fünfte Trainer-Trennung in dieser Zweitliga-Saison. „Vollgas voraus“, beschrieb der 37-Jährige bei seiner Präsentation am späten Dienstagnachmittag das Tempo, mit dem er die Mission Wiederaufstieg angehen will. „Wir werden uns in die Gespräche stürzen und die Fähigkeiten der Spieler auf den Platz bringen.“ Zu konkreten Maßnahmen äußerte Wolf sich nicht. Das soll zuerst mit der Mannschaft besprochen werden, die er am Mittwoch das erste Mal um sich versammelt.

          Die Verantwortlichen halten auf den 14. Cheftrainer (ohne Interimstrainer) des HSV seit 2008 große Stücke. Er stehe zu „120 Prozent“ hinter der Entscheidung für Wolf, sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann. Und Becker ergänzte: „Hannes weiß, wie man aufsteigt. Er steht wie kein Zweiter für die Entwicklung junger Spieler, und er ist eines der größten Trainertalente in Deutschland.“ 226 Tage durfte sich Christian Titz mit seiner riskanten Jugendstil-Philosophie versuchen - dann war die Geduld der HSV-Oberen am Ende. Nur ein Sieg aus den vergangenen fünf Zweitliga-Partien und Platz fünf nach zehn Spieltagen waren zu wenig. Am Montag hatte zu allem Überfluss Stadtrivale FC St. Pauli den HSV überflügelt. Becker: „In dieser Konstellation waren unsere Saisonziele gefährdet. Deshalb habe ich Bernd Hoffmann vorgeschlagen, diese Entscheidung zu treffen.“ Der bei der Mannschaft und den Fans beliebte Titz habe seinen Rauswurf professionell aufgenommen: „Man kann nur den Hut vor Christian ziehen.“


          Wolfs Mission ist klar. Nur der Wiederaufstieg mit dem teuersten Kader der 2. Liga zählt - und er hat direkt eine Englische Woche vor sich: Am Freitag spielt der HSV in Magdeburg, es folgt der Pokalauftritt bei Wehen Wiesbaden und das Top-Duell gegen Mitabsteiger 1. FC Köln am 5. November. Sportchef Becker selber wusste, dass die kurze Frist zwischen der Verpflichtung von Wolf und dem ersten Spiel „nicht optimal ist. Aber wir werden das Beste daraus machen.“ Der Wiederaufstieg ist nicht nur erklärtes Ziel der Norddeutschen, sondern angesichts der hohen Verbindlichkeiten auch wirtschaftliche Notwendigkeit. In Wolf holen sie nun einen Übungsleiter der jungen Garde. Er war am 28. Januar beim Bundesligaverein VfB Stuttgart beurlaubt worden zuvor hatte er die Schwaben in die Bundesliga zurückgeführt. Trotz der Trennung wurde er vom DFB im März als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet. Damit wurde vor allem seine Arbeit im Nachwuchsbereich bei Borussia Dortmund gewürdigt.

          Zuletzt war Wolf unter anderem beim FC Liverpool und dessen Coach Jürgen Klopp im Trainingslager. „Das Feuer brennt zu 100 Prozent„, sagte Wolf. Über die Schwierigkeit seiner Aufgabe ist er sich bewusst: „Wir werden nicht aufsteigen, wenn wir heute darüber reden, sondern wenn wir intensiv arbeiten und diese Liga und jedes Spiel annehmen.“ Vor allem in den Heimspielen fehlte dem HSV um die schwächelnden Stützen Aaron Hunt, Lewis Holtby und Gotoku Sakai zuletzt die Durchschlagskraft. In den sechs Saison-Begegnungen vor eigenem Publikum holten die Hanseaten nur acht Punkte. Der mit über 50.000 Fans pro Spiel höchste Zuschauerschnitt in Europas zweiten Ligen scheint nicht unbedingt zu beflügeln. Besonders prekär waren die Auftritte zum Start gegen Holstein Kiel (0:3) und Jahn Regensburg (0:5). In den vergangenen drei Begegnungen erzielten die Hamburger im Volkspark kein Tor.

          Titz war seit der Saison 2015/16 zunächst als Nachwuchstrainer bei den Hanseaten beschäftigt, am 12. März 2018 stieg er zum Cheftrainer des damaligen Bundesligisten auf. In seiner Amtszeit holte er viele junge Spieler in den Profikader und überraschte in der Schlussphase der vergangenen Saison mit frischem Offensivfußball. Zudem gelange es ihm, die Fans wieder hinter die Mannschaft zu bringen. Mit dem hohen Torwartspiel und vielen Wechseln in der Aufstellung sorgte Titz aber auch für Verunsicherung - und erntete dafür heftige Kritik: „Es ist ja gerade die Zeit der Märchenerzähler. Titz ist ein Mann, der gut erzählen kann. Der HSV muss eigentlich einen anderen Anspruch haben, als einen Unbekannten aus der Jugend zu holen und ihm dann so eine Aufgabe anzuvertrauen“, hatte HSV-Legende Felix Magath jüngst moniert.

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