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SV Darmstadt 98 : Vorreiter bei der Inklusion

  • -Aktualisiert am

Fans schwenken die Fahne des SV Darmstadt im Mai 2017: Vielleicht bekommen die intellektuell beeinträchtigen Fußballer der „Lilien“ ja auch mal eine solche Unterstützung wie die Profis. Bild: dpa

Ob Menschen mit Down-Syndrom oder einem geringen IQ durch geistige Behinderungen: Der SV Darmstadt hat jetzt ein Team für intellektuell Beeinträchtigte und ist damit der erste Profiklub.

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          Der neue Vereinsname verpflichtet. Wenn die Fußballmannschaft von Trainer Ruben Döring demnächst mit dem Training beginnt, dürfen seine Spielerinnen und Spieler keine Eintracht- oder OFC-Trikots mehr tragen. Ihre Lieblingsvereine müssen in diesem Moment in den Hintergrund treten, denn sie spielen in Zukunft für einen anderen prominenten Klub in der Region: den SV Darmstadt 98. Der Fußball-Zweitliga-Verein ist der erste Profiklub in Deutschland, der eine Mannschaft für intellektuell beeinträchtigte Personen (Fußball-ID) bei sich integriert. Dafür haben die „Lilien“ eine neue Behinderten- und Rehabilitations-Sportabteilung gegründet.

          Antreten wird das Darmstädter Fußball-ID-Team in der vom Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. (HBRS) organisierten Hessenliga. Dort nimmt der SVD vom Bekanntheitsgrad her die Rolle des neuen Zugpferds ein. „In Zukunft wird uns noch ein bisschen mehr Ehrgeiz der gegnerischen Mannschaften erwarten. Die anderen Teams wollen gegen Darmstadt 98 gewinnen“, sagt Döring.

          2. Bundesliga

          Der 27-Jährige, der im Hauptberuf Tanzlehrer ist, ist seit fünf Jahren Trainer von Fußball-ID-Teams. Die neue „Lilien“-Mannschaft soll rund 30 Spielerinnen und Spieler umfassen. Ihr werden Menschen mit Down-Syndrom angehören. Menschen, die eine intellektuelle Beeinträchtigung oder geistige Behinderung mit einem IQ von unter 75 haben.

          Training beim TSV Eschollbrücken

          Döring und ein Teil seiner Spieler sind vom FCA Darmstadt zum SVD gewechselt. „Das war aber keine feindliche Übernahme des SVD“, betont er. Je nachdem, wie die Corona-Vorgaben lauten, werden die „Lilien“ wahrscheinlich zunächst ein Mal wöchentlich in Kleinstgruppen trainieren. Später dann in Mannschaftsstärke zwei Stunden lang auf dem Vereinsgelände des TSV Eschollbrücken, einem Ortsteil von Pfungstadt. Geplant sind auch Sondertrainingseinheiten.

          Der Spielbetrieb in der Hessenliga, der im Juli starten soll, umfasst etwa vier Spieltage im Jahr. Alle Teams – aktuell sind es acht – treffen sich am gleichen Ort und tragen dann jeweils mehrere Begegnungen aus. Die jeweilige Mannschaftsstärke hängt vom zur Verfügung stehenden Personal ab. Im besten Fall wird neun gegen neun von Sechzehner zu Sechzehner gespielt. Die Spielzeit variiert zwischen zweimal 15 und zweimal 20 Minuten. Abseits- und Rückpassregeln gibt es keine, weil diese für den einen oder anderen nicht so leicht zu verstehen wären. Gespielt werde mit einer „gesunden englischen Härte“, sagt Döring und grinst. „Es gibt auch mal eine Rote Karte.“

          Frankfurt gegen Wiesbaden seien früher immer hitzige Duelle in der Hessenliga gewesen. Das Gleiche gelte für Darmstadt gegen den VfB Offenbach. „Über ein Derby von Darmstadt 98 gegen die Eintracht oder den OFC“ würde sich Döring in Zukunft „auch freuen“. Dazu müssten es die Eintracht und die Kickers den „Lilien“ aber nachmachen und ebenfalls ein Fußball-ID-Team gründen. Getreu dem Inklusions-Gedanken kann im Training jeder mitmachen. Wer jedoch an den offiziellen Spielen teilnehmen will, braucht eine Klassifizierung vom Deutschen Behindertensportbund.

          Für sich selbst weiterentwickeln

          Die „Lilien“ stünden für „Offenheit, Toleranz und ein gutes Miteinander. Wir freuen uns sehr darauf, die vielen fußballbegeisterten Frauen und Männer schon bald im Lilien-Trikot spielen zu sehen“, sagt SVD-Vizepräsident Markus Pfitzner. Drei Spieler von Döring gehören zur Hessenauswahl, die aktuell deutscher Meister ist. Als Trainer reizt ihn immer aufs Neue die Herausforderung, „die Spieler so anzuleiten, dass sie sich für sich selbst weiterentwickeln“. Dazu müsse das Training „klar strukturiert sein und ein System zu erkennen sein. Die Übungen müssen für jeden verständlich gestaltet werden, sonst wird es zu kompliziert“, sagt Döring.

          Es funktioniere zum Beispiel nicht, wenn er für die Spieler auf dem Platz „ein Meer von Hütchen mit unterschiedlichen Farben aufstellt“ und ihnen sage, „da sollst du links und da rechts und da vor- und da zurücklaufen. Ich werde auch nicht in jedem Training neue Übungen machen, das funktioniert nicht.“ Mit großer Begeisterung verfolgt Döring die Weiterentwicklung seiner Spieler über einen „längeren Zeitraum.

          Das Passspiel klappt auf einmal nicht mehr nur über zwei Meter, sondern über fünf bis zehn Meter. Und es wird plötzlich aus Bereichen aufs Tor geschossen, aus denen das vorher nicht möglich war. Oder die Spieler gehen mit neuem Selbstvertrauen in die Zweikämpfe.“ Der Ansporn seiner Spieler sei so groß wie in jeder Mannschaft. Und er ist noch mal gewachsen. „Jeder von uns hat jetzt auch den Ehrgeiz, für die Lilien die entsprechenden Siege einzufahren. Jeder ist stolz, dieses ,Lilien‘-Trikot zu tragen“, sagt Döring.

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