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Im Gespräch: Uwe Seeler und Rafael van der Vaart : „Unser Ausländer kam aus Buxtehude"

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Uwe Seeler gegen Frankfurts Verteidiger Friedel Lutz (r.) in einem Pokalspiel 1961 Bild: picture-alliance/ dpa

„Uns Uwe“ und der fliegende Holländer: Uwe Seeler und Rafael van der Vaart verkörpern Hamburger Fußball gestern und heute. Im Interview sprechen sie über alte und moderne Zeiten, Wechsel ins Ausland und Spielerfrauen - mit interessanten Erkenntnissen.

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          „Uns Uwe“ und der fliegende Holländer: Uwe Seeler und Rafael van der Vaart verkörpern Hamburger Fußball gestern und heute. Im F.A.Z.-Interview sprechen sie über alte und moderne Zeiten, Spielerfrauen und Wechsel ins Ausland.

          Herr Seeler, für welchen Verein sollte Rafael van der Vaart in der kommenden Saison spielen?

          Uwe Seeler: Wir wären alle froh, wenn er bleibt. Am besten noch zehn Jahre. Aber die Entscheidung muss er selbst treffen. Fußball ist immer mehr ein Geschäft geworden, bei dem man gut verdienen kann. Deshalb ist es nur legitim, dass ein Spieler hin und wieder den Verein wechselt. Damit müssen wir leben. Ich weiß nicht, warum man da rumlamentieren soll.

          Rafael van der Vaart nach seinem Tor im vergangenen Bundesligaspiel gegen Rostock

          Rafael van der Vaart: Jeder Spieler hat heute einen Karriereplan. Ich habe in Holland gespielt, bin nun in der Bundesliga, aber mein Traum ist noch immer, irgendwo anders bei einem Topverein zu sein. In Deutschland ist der HSV für mich top. Aber jeder weiß, dass meine Familie in Spanien wohnt - also kann das ein Plan sein.

          Seeler: Wenn das passiert, muss der HSV nach vorn schauen. Dann muss man sehen, dass man einen kriegt, der ihn annähernd ersetzt. Der Spieler wäre doch blöd, wenn er das, was er kriegen kann, nicht nimmt. Das würde wohl jeder von uns so machen.

          Van der Vaart: Es kommt erst mal darauf an, ob mich ein anderer Verein haben will. Aber vielleicht sage ich auch, dass ich noch ein Jahr bleibe. Das wird eine Bauchentscheidung. Nach der Europameisterschaft weiß man, wohin es geht.

          Würden Sie denn einen Ratschlag von Uwe Seeler annehmen?

          Van der Vaart: Natürlich. Er hat mir oft gesagt, wie er die Dinge so sieht. Uwe ist immer positiv, er redet nie schlecht über die Mannschaft. Das beeindruckt mich.

          Und er war mit der Einzige, der Verständnis hatte, als Sie Anfang der Saison nach Valencia wollten.

          Van der Vaart: Ich fand das ganz cool. Mir hat das ein gutes Gefühl gegeben, und es zeigt, welche Persönlichkeit dieser Mann hat.

          Seeler: Ich kann mir eben vorstellen, was in einem Spieler vorgeht. Dass Rafael auch einen Fehler gemacht hat, weiß er selbst. Als er sagte, dass er seinen Rücken verknackst hat, weil er sein Söhnchen hochgehoben hat - das war zu viel des Guten. Vielleicht bin ich zu gutmütig. Aber man kann nicht gleich mit dem Knüppel draufschlagen, wenn jemand mal einen Fehler macht.

          Inzwischen müssten Sie froh sein, nicht in Valencia zu sein. Sie hätten gegen den Abstieg gespielt.

          Van der Vaart: Ja, das ist dort jetzt eine Katastrophe. Ich bin in Hamburg geblieben, am Ende ist das wirklich besser gewesen.

          Seeler: Du brauchst bei deinen Entscheidungen eine glückliche Hand. Hier in Deutschland weißt du zumindest, dass das Geld pünktlich kommt.

          Sie wollten nie weg aus Hamburg.

          Seeler: Das war damals eine andere Zeit. Ich hatte in Hamburg alles, was ich brauchte. Meine Familie und einen Beruf, mit dem ich ganz gutes Geld verdient habe. Es gab ja noch keinen Berufsfußball.

          Van der Vaart: Wo hast du gearbeitet?

          Seeler: Ich war Vertreter bei Adidas, 60.000 bis 80.000 Kilometer im Jahr unterwegs. Das hat mir Sicherheit gegeben. Ich hätte ja nach Italien gehen können, dort hätte ich nur Fußball gespielt und viel Geld verdient.

          Van der Vaart: Bei welchem Verein?

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