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Im Gespräch: Trainer Jürgen Klopp : „Es geht erst ums Erlebnis statt ums Ergebnis“

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„Dass ich durch meine Popularität weniger kritikfähig bin, ist nicht wahr” Bild: Wonge Bergmann

Als Trainer hat Jürgen Klopp Borussia Dortmund und die Herzen der Menschen im Sturm erobert. Vor dem Spiel gegen Bayern München am Samstag spricht der Fußballlehrer über Sympathiewerte, Selbstkritik und den „kompletten Ausnahmezustand“ an Wochenenden.

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          Als Trainer hat Jürgen Klopp Borussia Dortmund und die Herzen der Menschen im Sturm erobert. Im Interview spricht der Fußballlehrer über seine Sympathiewerte, Selbstkritik und den „kompletten Ausnahmezustand“ an Wochenenden.

          Was ist Ihnen eigentlich unangenehm?

          Wenn ich mich in einer bestimmten Weise verhalte und Sekunden später feststelle, dass sie nicht angemessen war, ist das unangenehm. Zu den meisten Dingen stehe ich aber, weil ich weiß, dass ich alles andere als perfekt bin.

          „Mir geht es richtig gut”
          „Mir geht es richtig gut” : Bild: picture-alliance/ dpa

          Trotzdem genießen Sie in Dortmund enorme Sympathien, sind sofort zum Gesicht dieses Vereins geworden - ist diese Popularität vielleicht manchmal unangenehm?

          Offenbar bin ich nicht wirklich unsympathisch, diesen Eindruck habe ich durchaus auch gewonnen. Aber diese extreme Sympathie - die bekomme ich ja gar nicht mit. Ich glaube, dass sich um mich herum ein nicht ganz unangenehmes Arbeitsumfeld bildet. Das ist das Einzige, was ich wirklich beeinflussen kann. Was darüber hinaus passiert, kann ich nicht steuern. Das habe ich noch nie getan, es passiert einfach. Ich bin, wie ich bin. Wenn die Leute mir freundlich begegnen, dann begegne ich ihnen auch freundlich. Warum soll ich mich auch benehmen wie die Axt im Walde?

          Aber viele Leute im Profifußball sind doch eher unfreundlich, fühlen sich von den Medien unter Druck gesetzt. Diesen Eindruck hat man bei Ihnen nicht.

          Das, was ich mache, empfinde ich als großes Glück. Diese Chance bekommen zu haben, als Trainer arbeiten zu können, das ist für mich noch immer unglaublich. Wie könnte ich das Leben, das ich immer wollte, nicht mehr gut finden? Mir geht es richtig gut. Ich muss relativ viel arbeiten, aber das ist in Ordnung so, weil ich auch recht gut verdiene. Es ist ein fairer Deal, der aber nicht dazu führt, dass man immer allem gerecht wird. Wir schreiben nach jedem Training Autogramme, egal, wie viele Leute da stehen. Mein Rekord liegt bei 47 Minuten. Manchmal habe ich nach der Einheit aber gleich einen Termin, dann muss ich durchlaufen und enttäusche die Leute. Das tut mir leid, weil ich selbst Fußball-Fan war und als kleiner Junge Autogramme gesammelt habe. Die Dinger hängen noch immer zu Hause.

          Wie ist es mit Selbstkritik? Wird diese Fähigkeit erschwert durch die Sympathie, die Ihnen entgegengebracht wird?

          Ich wurde die meiste Zeit meines Lebens für das, was ich am liebsten gemacht habe, unglaublich hart kritisiert: Fußball spielen. Von mir selbst, weil ich es nicht so gut konnte, wie ich wollte, und von der Öffentlichkeit. Wenn mir ein Ball versprungen ist, dann hat mich das innerlich beinahe schon zerrissen, bevor die Leute auf den Tribünen überhaupt stöhnen konnten. Ich habe mich in dieser Beziehung nicht verändert, sehr wohl aber das Leben um mich herum. Vor kurzem hat meine Mutter den siebzigsten Geburtstag gefeiert, da trifft man viele Verwandte, die man lange nicht gesehen hat. Aus meiner Sicht bin ich ein Cousin wie jeder andere. Aus Sicht der anderen bin ich derjenige, der immer im Fernsehen kommt. Das weiß ich, aber ich stelle an mir keine Veränderung fest. Dass ich durch meine Popularität weniger kritikfähig bin, ist nicht wahr. Ich war schon immer der Selbstkritischste von allen.

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