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Im Gespräch: Trainer Jörn Andersen : „Mainz 05 kam zur richtigen Zeit für mich“

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Unvollendet in Oberhausen: Jörn Andersen scheiterte bei seiner ersten Station knapp am Aufstieg Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Vom Bieberer Berg an den Bruchweg: Für Jörn Andersen ist die Umstellung groß; genauso groß aber ist der Optimismus, mit dem der Fußballtrainer ans Werk geht. Jörn Andersen im FAZ.NET-Gespräch.

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          Hat sich bei Mainz 05 bisher für Sie alles so dargestellt, wie Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz den Klub vor Ihrer Unterschrift angepriesen haben?

          Was vor einem Amtsantritt gesagt und gesprochen wird, ist immer relativ. Erst einmal muss man den Verein und die wichtigsten Leute kennenlernen. Dafür habe ich jetzt Zeit gehabt. Aber wenn ich bei Mainz 05 mit drei verlorenen Spielen begonnen hätte, wäre ganz sicher keine Zeit dagewesen. Aber wir hatten einen guten Start. Und Punkte sind sowieso das Einzige, was zählt, so einfach ist das.

          Wenn Sie also nach dem Remis gegen Kaiserslautern nicht zweimal gewonnen hätten, würde schon der Baum brennen?

          Es wäre auf jeden Fall keine einfache Sache. Nicht für mich, nicht für den Klub. Glücklicherweise ist es anders gekommen. Natürlich werden wir Spiele verlieren, aber grundsätzlich sind wir schwer zu schlagen. Davon bin ich überzeugt.

          In Offenbach scheiterte Andersen im Mai bei der Mission Klassenerhalt
          In Offenbach scheiterte Andersen im Mai bei der Mission Klassenerhalt : Bild: picture-alliance/ dpa

          Wie bewerten Sie die Defizite in Ihrer Abwehr bei bereits sechs Gegentoren?

          Die bekommen wir schnell in den Griff, da bin ich sicher. Aus Erfahrung weiß ich: Defensive Schwächen abzustellen ist einfacher als die Offensive zu verbessern. Es sind in der Abwehr nur Kleinigkeiten, die wir hätten besser machen können. Und es ist auch eine Sache der Konzentration. Meine Spieler müssen mehr aufpassen.

          Wie nachhaltig war Ihr Wunsch, noch einen neuen Verteidiger zu verpflichten?

          Wir haben lange versucht, einen Innenverteidiger zu bekommen. Einen, der uns sofort hilft. Manager Christian Heidel hat sehr hart gearbeitet, um einen zu finden. Aber die Qualität des Geldes hat nicht gestimmt. Alle wussten: Mainz 05 hat für Neven Subotic mehr als vier Millionen Euro von Borussia Dortmund bekommen, da wollen wir auch eine Million mehr. Zunächst hatten wir zehn Kandidaten auf dem Zettel, dann fünf, am Ende noch zwei. Aber für beide war das Gesamtpaket viel zu teuer.

          Wie viel Druck bringt das klar formulierte Saisonziel Aufstieg mit sich?

          Druck? Den gibt es im Aufstiegskampf, im Mittelfeld, im Abstiegskampf. Ganz egal. Jeder Trainer hat Druck auf seine Weise, egal, in welcher Situation er arbeitet. Friedhelm Funkel bei Eintracht Frankfurt hat Druck, obwohl der Klub das vermeintlich leichte Ziel Mittelfeld hat. Sackt er vom Mittelfeld nach unten ab, geht's schon los. Bei mir gab es zuletzt in Offenbach Druck in der Form: Nur nicht absteigen! Dann ist es doch passiert.

          Vergleichen Sie doch bitte mal das Offenbacher und das Mainzer Publikum.

          Mainz ist anders. Die Menschen sind positiver, irgendwie fröhlicher. Vielleicht liegt das am Karneval.

          Kleine Korrektur: Es heißt Fastnacht in Mainz.

          Okay, aber auch Fastnacht habe ich noch nie erlebt. Und ich bin sicher kein Fastnachtstyp. Mainz ist klein, da kriegt man viel mit. In Hamburg kannst du durch die Stadt gehen, und niemand kennt dich. Oder in München. In Mainz ist der Spitzenfußball nicht mal zehn Jahre auf der Landkarte präsent, und die Menschen sind nicht so verwöhnt wie in anderen Städten. Hier werde ich angesprochen, und 99,9 Prozent der Leute wünschen mir Glück und alles Gute.

          Im „Kicker-Sonderheft“ 2008/2009 steht geschrieben: Mainz 05 könnte die letzte Chance für Jörn Andersen im deutschen Profifußball sein.

          Es ist absolut lächerlich, was der Kicker da schreibt. Das ist reiner Boulevardstil, und diese These ist einfach falsch. Ich habe als Trainer doch bereits etwas geleistet, was soll das also? Ich war bei Rot-Weiß Oberhausen in der zweiten Liga tätig, und der Verein ist tot gewesen, als ich kam. Und dann sind wir in der Saison 2003/2004 beinahe in die Bundesliga aufgestiegen. Wir lagen nur einen Punkt hinter dem Aufsteiger Mainz 05 und hatten eine bessere Saison gespielt. Später begann der Präsident zu spinnen und hat mich kurzfristig beurlaubt. Das hatte aber nichts mit meinem Job zu tun.

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