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Im Gespräch: Trainer Jörn Andersen : „Mainz 05 kam zur richtigen Zeit für mich“

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Wird der Fußballtrainer Andersen unterschätzt?

Unser Geschäft ist schwierig und merkwürdig. Ich habe auch in Gladbach als Assistenztrainer von Hörst Köppel einen guten Job gemacht, wir standen beinahe während der ganzen Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz. Dann kam die Ikone Jupp Heynckes zur Borussia, und wir wurden beide entlassen. Mein Problem war, dass ich damals noch keinen Namen hatte. In Offenbach habe ich in der letzten Saison nach der Winterpause in einer schwierigen Situation so viele Punkte geholt, dass es eigentlich hätte reichen müssen für den Klassenverbleib. Aber die Ausgangsposition war einfach zu schlecht.

Ist das jetzt anders?

Man braucht zur richtigen Zeit die richtige Mannschaft, das ist es. Bisher hatte ich als Cheftrainer eher kleine Mannschaften mit wenig Geld und wenig Potential - Oberhausen und Offenbach. Nun hingegen bin ich bei einem Klub, bei dem die Strukturen passen. Und die Mannschaft ist gut besetzt. Jetzt erst kann man bewerten, wie gut der Trainer Andersen ist. Ich habe das Gefühl, dass es mir bislang ganz gut gelungen ist.

Ist Mainz 05 ein Glücksfall für Sie?

Das kann man so sagen. Ich brauchte einen Job, um mich auszeichnen zu können, und Mainz 05 ist zur richtigen Zeit gekommen. Die Frage ist aber: Warum habe ich Mainz 05 bekommen? Weil die Verantwortlichen gesehen haben, dass ich zuvor gute Arbeit geleistet habe und nicht weil sie mir eine letzte Chance geben wollten.

Was erwarten Sie von dem insgesamt hochwertig besetzten Mainzer Kader?

Das ist eine Forderung von mir gewesen. Ich wollte mehr richtig gute Profis zur Verfügung haben, weil ich letzte Saison gesehen habe, dass die Mainzer viele Probleme mit Verletzungen hatten und deshalb unerfahrene Spieler einsetzen mussten. Aus meiner Sicht war dies der Grund, warum der Klub nicht aufgestiegen ist. Ich wollte keinen größeren Kader, aber die Qualität musste breiter werden.

Warum verzichten Sie weitgehend auf die Dolmetscher für Ihre ausländischen Spieler?

Ich benötige sie nicht.

Sie nicht - aber vielleicht die Spieler?

Die auch nicht. Ich war selbst Profi, kam nach Deutschland und konnte kein Deutsch. Ich ging in den italienischsprachigen Teil der Schweiz und konnte kein Italienisch. Durchgebissen habe ich mich trotzdem. Nur so geht es. Ist immer ein Dolmetscher dabei, werden Spieler faul. Sie hören nicht zu und lassen sich alles erzählen. Wenn etwa Aristide Bancé nicht versteht, was ich sage, muss er Chadli Amri fragen. Wenn Chadli nicht da sein sollte, muss Bancé es eben selbst klären.

Glauben Sie, dass sich angesichts so vieler verschiedener Nationen ein besonderer Teamgeist entwickeln lässt, wie ihn Mainz 05 beim ersten Aufstieg 2004 ausgezeichnet hat?

Mainz 05 hat sich seit 2004 verändert. Das liegt in der Natur der Sache. Im Profifußball kommen heute Spieler zusammen, um Erfolg zu haben. Da verliert der Gruppengedanke sicher an Bedeutung. Ich habe immerhin eine weitgehend bestehende Mannschaft von Jürgen Klopp übernommen, die fast komplett zusammengeblieben ist. Das wird uns helfen, uns auch als Gruppe zu finden.

Werden Sie noch häufig auf Ihren Vorgänger Jürgen Klopp angesprochen?

Immer weniger. Ich habe auch von Beginn an gesagt, dass ich die Vergleiche Andersen/Klopp nicht hören möchte. Auch Jürgen will das nicht. Wir sind zwei unterschiedliche Menschen, wir haben die gleiche Fußballphilosophie, aber arbeiten unterschiedlich.

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