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Im Gespräch: Ruud van Nistelrooy : „Jedes Tor ist wie ein Rausch“

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„Ein Tor kann mich in eine andere Welt katapultieren”: Van Nistelrooys Siegtreffer gegen Schalke 04 am ersten Spieltag Bild: Bongarts/Getty Images

Vor dem Hamburger Derby gegen den FC St. Pauli spricht HSV-Stürmer Ruud van Nistelrooy über seine unglaubliche Karriere, seine Zweifel vor dem Neuanfang in der Bundesliga und die ewige Gier nach Leistung.

          Ein Weltstar, der keine eigene Homepage hat – wie passt das im heutigen Fußballzeitalter überhaupt noch zusammen?

          Wofür soll ich eine haben? Was ich auf dem Platz anstelle, steht in den Zeitungen. Ich brauche so etwas nicht, ich hätte darin nichts mitzuteilen.

          In Hamburg haben sich anfangs viele darüber gewundert, wie normal Sie trotz Ihrer beeindruckenden Karriere geblieben sind.

          Ich bin nicht geboren worden und habe gleich bei einem großen Verein gespielt. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich neben dem Fußball meine Ausbildung an der Mittleren Handelsschule beende. Ich war immer einer von den normalen Menschen. Erst mit 19 habe ich mich ganz auf den Fußball konzentriert, das ist eigentlich ein bisschen spät. Ich spielte beim FC Den Bosch in der zweiten Liga, da gab es keinen Glamour, keinen Medienrummel und auch nicht so viel Geld, obwohl ich für mein persönliches Gefühl natürlich richtig gut verdient habe.

          „Ich habe keine Idee, wie lange ich noch spiele”: Van Nistelrooy plant seine Karriere nur noch Jahr für Jahr

          Aber es war kein Vergleich zu dem, was danach passiert ist.

          Nein, damals habe ich mir nicht vorstellen können, was mich alles noch erwarten würde: Manchester United, Real Madrid – ich finde das noch immer unglaublich. Aber ich bin froh, dass sich meine Karriere langsam entwickelt hat, und ich nicht gleich an die Spitze geschossen bin. Als Mensch und als Fußballer hat mir das sehr gut getan.

          Heute geht es bei vielen weitaus schneller.

          Ja, das ist eine andere Generation. Ich weiß nicht, ob ich mit 20 schon dafür bereit gewesen wäre. Es ist kaum zu beschreiben, was die jungen Spieler heute alles aushalten und verarbeiten müssen. Die Aufmerksamkeit und der Druck sind gewaltig. Es ist wichtig, dass diese jungen Leute vom Verein gut begleitet werden.

          Wie haben Sie den Hype um Ihre Person nach dem Wechsel zum HSV im Januar dieses Jahres erlebt?

          Er hat mich überrascht. Ich war verletzt, hatte vierzehn oder fünfzehn Monate so gut wie nicht mehr gespielt. Und ich war 33. Dann kam ich nach Hamburg und wurde empfangen wie der beste Spieler der Welt. Sie haben nur meinen Namen gesehen: Ruud van Nistelrooy und das, was dieser Mann mal geleistet hat. Aber das war Vergangenheit, und die Frage lautete: Was gibt es noch? Die Erwartungen waren riesig. Das war sehr wichtig für mich, denn so bist du wieder voll konzentriert und motiviert, dich auf das alte Niveau zu bringen. Dafür habe ich alles getan. Ich wollte den Leuten beim HSV etwas zurückgeben, weil sie mir von Anfang an vertraut hatten. Manchmal fühle ich mich, als ob ich nach Hause gekommen wäre. Ich hätte auch nach England gehen können, aber dort wollte man mir nur einen Vertrag über ein halbes Jahr geben und mich nur bezahlen, wenn ich auch spiele. Das Risiko war ihnen wohl zu groß.

          Hatten Sie Angst, dass der Körper nicht mehr will?

          Ich hatte nie zuvor eine Verletzung nach der anderen. Natürlich habe ich mir deshalb Sorgen und Gedanken über meine Zukunft gemacht. Es hätte alles zu Ende sein können. Andere Spieler haben mir erzählt, dass man es als älterer Spieler ganz genau fühlt, wenn es nicht mehr geht. Aber das habe ich nicht gespürt. Es hat mich nur sauer gemacht, die anderen spielen zu sehen. So wollte ich nicht aufhören, auf keinen Fall. Ich bin sehr froh, dass alles so gut geklappt hat. Momentan fühle ich mich wirklich gut.

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