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Im Gespräch: Mario Basler : „Wir ließen einander einfach in Ruhe leiden“

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Mario Basler (im Bild beim Jubel nach dem Führungstor im Endspiel von 1999): „Auf dieses Spiel werde ich immer wieder angesprochen” Bild: picture-alliance / dpa

Mario Basler verließ 1999 gegen Manchester in der 89. Minute als Matchwinner das Feld - und saß zwei Minuten später als Verlierer in der Kabine. Im FAZ.NET-Interview erinnert er sich vor der Neuauflage an das Schweigen mit Beckenbauer und Trost durch 70 Anrufer.

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          Mario Basler verließ am 26. Mai 1999 bei der legendären Niederlage seiner Münchner Bayern gegen Manchester United im Champions-League-Endspiel in der 89. Minute als Matchwinner das Feld und saß zwei Minuten später als Verlierer in der Kabine von Camp Nou.

          An diesem Dienstag (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker) wird Basler, der im Februar trotz der überraschenden Pokalerfolge im Herbst (siehe: Mario Basler: Die Lokomotive von Trier) von seiner Aufgabe als Trainer des Regionalligaklubs Eintracht Trier entbunden wurde und seither auf einen neuen Trainerjob wartet, in der Münchner Arena das Spiel anschauen. Vorher erinnert sich der 40 Jahre alte Fußballlehrer und Pferdeliebhaber im FAZ.NET-Interview an Kabinenschweigen mit Beckenbauer und den Trost durch 70 Anrufer.

          Herr Basler, Sie haben 1999 gegen Manchester United das vermeintliche Siegtor erzielt und wurden beim Stand von 1:0 ausgewechselt. Fühlen Sie sich noch um Ihren größten Tag betrogen?

          Nein, das ist lange vergessen.

          Final-Torschütze Mario Basler: „Den Schlusspfiff habe ich allerdings nicht mehr am Platz erlebt.”

          Haben Sie eigentlich die Treffer von United gesehen im Siegesrausch?

          Ja, ich saß auf der Bank im Gefühl, Champions-League-Sieger zu sein, als die Gegentreffer fielen. Den Schlusspfiff habe ich allerdings nicht mehr erlebt. Ich bin nach dem 2:1 direkt in die Kabine.

          Sie waren nicht mehr bei der Siegerehrung?

          Nein, ich war zusammen mit Franz Beckenbauer allein in der Kabine. Es herrschte Totenstille. Dann tröpfelten nach und nach die anderen Spieler ein.

          Hat Beckenbauer Sie nicht aufgefordert, aus Anstand zur Siegerehrung zu gehen?

          Nein, ich glaube, dass er totales Verständnis hatte für meine Enttäuschung. Wir ließen einander einfach in Ruhe leiden.

          Verfolgt Sie der Gedanke, dass Bayern mit Ihnen auf dem Feld vielleicht auch die letzten zwei Minuten hätte überstehen können?

          Nein. Es war die richtige Entscheidung von Ottmar Hitzfeld , mit der Einwechslung von Hasan Salihamidzic für mich Zeit zu gewinnen, auch wenn es letztlich nicht geholfen hat. Es schmerzte nach dem Spiel eher sehr, dass wir das Spiel angesichts unserer Überlegenheit nicht viel früher entschieden hatten.

          Ist es ein Trost, dass Sie wenigstens in einem Spiel verloren haben, das in der deutschen Fußballgeschichte ähnlich unvergessen ist wie die WM-Endspielniederlage 1966 mit dem Wembley-Tor?

          Natürlich ist das ein Trost. Auf dieses Spiel werde ich immer wieder angesprochen. Sie sind jetzt ungefähr der siebzigste Journalist, der mich in den vergangenen Tagen befragt hat.

          2001, als die Bayern zunächst Manchester im Viertelfinale ausgeschaltet haben und den Abend von Barcelona schließlich durch den Finalsieg gegen Valencia ein wenig vergessen ließen, waren Sie als einer der wenigen Verlierer von Barcelona nicht mehr dabei. Bedauern Sie das sehr, dass Ihnen die persönliche Wiedergutmachung verwehrt blieb?

          Nein. Ich war dann beim 1. FC Kaiserslautern und das war schon richtig so.

          Haben Sie, anders als die meisten Fußballfans in Deutschland, heute Abend Hoffnung für den FC Bayern?

          Ja. Sie werden sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel erarbeiten und auch in Old Trafford bestehen und das Halbfinale erreichen.

          Wie geht es heute Abend aus?

          Die Bayern gewinnen 2:0.

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