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Im Gespräch: Mainz-Präsident Strutz : „Ich schäme mich nicht für Tränen“

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Mit der Gelassenheit eines Vierteljahrhunderts: Harald Strutz führt Mainz 05 seit 1988 Bild: picture alliance / augenklick/fi

An diesem Donnerstag jährt sich die Wahl von Harald Strutz zum Präsidenten von Mainz 05 zum 25. Mal. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Finanznöte beim Stutzenkauf, Visionen und Weinen mit Jürgen Klopp.

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          Sie haben jetzt nach 25 Jahren Präsidentschaft endlich ein eigenes Büro in der Geschäftsstelle, nachdem Sie vorher immer aus Ihrer Anwaltskanzlei heraus den Verein geführt haben. Zahlt sich die Geduld aus nach einem Vierteljahrhundert?

          Ich hätte natürlich schon früher ein eigenes Büro beanspruchen können, aber wir hatten enge Bedingungen. Mit dem Umzug in eine größere Geschäftsstelle konnte ich dann mit einem Lächeln fordern, dass ich auch mal ein festes Büro bekomme. Aber tatsächlich ist es mit dem Wachsen des Vereins samt Vergrößerung des Mitarbeiterstabes erst in den vergangenen Jahren richtig nötig geworden, noch mehr Präsenz zu zeigen.

          Ist es also entgegen der ersten Vermutung so, dass das Führen von Mainz 05 jetzt mehr Arbeit erfordert, als in den 20, oft schwierigen Jahren des Wachsens?

          Am Anfang ging es bei Schwierigkeiten halt eher um viele tägliche Kleinigkeiten und wirtschaftliche Solidierung. Da mussten wir uns in der Vorstandssitzung mit Themen auseinandersetzen wie der Frage von unserem damaligen Torwart Moppes Petz, ob die Mannschaft sich neue Stutzen kaufen kann. Da kamen wir dann schon mal schnell auf fünf Stunden, in denen wir Geld gesucht haben für jede Kleinigkeit. Das ist heute nicht mehr nötig.

          Weil Mainz 05 etabliert ist?

          Ich spreche da nicht gerne von Etablierung, weil das nach Stillstand klingt. Aber nach den Jahren der Aufbruchstimmung sind wir in der Zeit der Stabilisierung in der Liga. Das ist nicht weniger Arbeit, teilweise auch schwieriger, weil es vielleicht kritischer beäugt wird.  Beispielsweise müssen wir unser Image vom sympathischen, etwas anderen Verein bewahren, auch die Identifikation zwischen Verein und der Stadt und ihren Menschen, was nicht immer einfach ist. Ich habe da aber ein Credo: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Das heißt, dass wir mit der Entwicklung des Vereins beispielsweise nach dem Stadionbau auch von der Mentalität her mitwachsen müssen und auch dafür sorgen müssen, dass wir unsere Anhängerschaft immer mitnehmen, aber die Tradition bewahren und der Verein mit Herz bleiben.

          Mainz 05 ist so etwas wie ein „Hidden Champion“ der Bundesliga. Fast aus dem Nichts hat sich der Verein in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten von einer ganz grauen Maus zu einem Farbtupfer entwickelt. Sie haben aus dem Nachwuchs Nationalspieler wie André Schürrle oder den Bayern-Spieler Jan Kirchhoff sowie die Trainer Klopp und Tuchel produziert. Aus Mainz kamen taktische Impulse beim Pressing. Aber so richtig Anerkennung findet man in der auf Bayern, Dortmund  und Schalke fixierten Medienlandschaft  kaum. Ist das bitter?

          Nein. Wir wissen, was wir erreicht haben. Eine Geschichte wie Mainz 05 wird es nicht mehr geben können. Wir haben das mit einem annähernd unveränderten Vorstand geschafft, ohne Fremdhilfe aus sicher heraus, also nicht mit einem großen Geldgeber, der alles bezahlt, aus einem Verein quasi ohne jede Tradition und Verwurzelung im Profifußball eine Marke zu machen. Wir mussten sogar mit vielen Unwägbarkeiten gerade in den ersten Jahren meiner Amtszeit zurechtkommen, als der Verein keine Anerkennung besaß in der Stadt. Heute bräuchte man einen, der Dir sofort Geld gibt, um ähnliches zu erreichen. Das macht unsere Geschichte besonders toll.

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