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Im Gespräch: Mainz-Manager Heidel : „Was der HSV macht, ist grundfalsch“

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Seit 1992 Manager: Christian Heidel ist das Erfolgsgeheimnis von Mainz 05 Bild: Wonge Bergmann

Christian Heidel ist seit zwei Jahrzehnten verantwortlich für den sportlichen Aufstieg von Mainz 05. Im Interview spricht der Manager des Europa-League-Kandidaten über Konzepte und fehlende Konzepte, Kontinuität und gefühlte Meisterschaften.

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          Christian Heidel ist der dienstälteste Manager der Bundesliga. Seit 1992 bastelt er an der Weiterentwicklung von Mainz 05 zu einem etablierten Bundesligaklub. Mit der Erfolgsgeschichte und dem Namen Heidel sind dessen Trainerentdeckungen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ganz eng verbunden.

          Wie erfreut haben Sie die Auslosung des DFB-Pokal-Halbfinals in der vergangenen Woche zur Kenntnis genommen?

          Warum sollte ich das?

          Die Halbfinalpartien legen ein Endspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund nahe. Da beide Klubs für die Champions League qualifiziert sind, würde dann Rang sieben für die Qualifikation zur Europa League reichen.

          Ich habe die Auslosung gar nicht gesehen und erst eine Stunde später das Ergebnis erfahren. Ganz ehrlich: Ich habe keine einzige Sekunde darüber nachgedacht, was das vielleicht für denjenigen bedeutet, der am Ende der Saison auf Platz sieben steht.

          Ihre Fans haben aber nach dem jüngsten 2:0-Sieg gegen Hannover schon lauthals vom Europapokal gesungen. Und liegt es angesichts der aktuellen Tabellensituation nicht nahe, dass Augsburg, Berlin und Mainz um Rang sieben spielen?

          Erst einmal: Die Zuschauer dürfen das singen. Sie durften auch vor ein paar Jahren, als wir nach zehn Spieltagen Spitzenreiter waren, von der Meisterschaft singen. Träumen ist doch erlaubt. Verein und Mannschaft bleiben aber schön auf dem Boden. Hier plant keiner Reiserouten durch Europa. Wenn es so kommen sollte, wehren wir uns nicht dagegen. Die Tabelle lesen können wir auch. Aber es ist der 21. Spieltag.

          In einer anderen, sozusagen Ihrer eigenen Tabelle, ist Mainz 05 hinter Bayern, Dortmund, Leverkusen und Schalke sogar Fünfter. Sie rechnen seit geraumer Zeit beständig auch die sogenannte Tuchel-Tabelle mit, die den Zeitraum seit Dienstantritt Ihres Trainers im Jahr 2009 umfasst. Sind Sie davon selbst manchmal überrascht?

          Diese Tabelle spricht eine viel deutlichere Sprache als die Momentaufnahme des heutigen Tabellenplatzes. Wir haben in den vergangenen viereinhalb Jahren kumuliert die fünftmeisten Punkte in der Bundesliga geholt. Das ist eine Auszeichnung für die Trainer, die Mannschaft und auch den ganzen Verein. Das dürfen wir uns auf die Fahnen schreiben als eine für einen Klub wie Mainz 05 mit unseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Möglichkeiten ganz außergewöhnliche Leistung. Diese Tabelle steht aber in keiner Zeitung.

          Fehlt Ihnen die Anerkennung für diese Leistung?

          Wir sind nicht erpicht darauf, von irgendjemandem Anerkennung zu bekommen. Ich weiß doch zu gut, wie dieses Fußballgeschäft abläuft: 50 Prozent in der Wahrnehmung ist Bayern München, 30 Prozent Borussia Dortmund, dann kommt ein bisschen Schalke 04, dann der HSV als Spezialfall, wenn er als Traditionsverein für Schlagzeilen sorgt wie im Moment. Aber schon ab Leverkusen ist nichts mehr. Die anderen Vereine finden in der Öffentlichkeit doch so gut wie nicht statt. Aber das ist nicht ein Problem der Öffentlichkeit, sondern ein Problem derjenigen, die Informationen in die Öffentlichkeit transportieren, also der Medien. Es ist offenbar hundertmal interessanter, nach einem Mainzer Sieg in Hamburg darüber zu schreiben, wie schlecht der HSV gewesen sein muss statt zu hinterfragen, wie Mainz so gut sein kann, dort zu gewinnen.

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