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Im Gespräch: Mainz-Manager Heidel : „Was der HSV macht, ist grundfalsch“

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Während Mainz 05 als ganz klassischer eingetragener Verein seit 25 Jahren mit nahezu unverändertem ehrenamtlichem Vorstand arbeitet, ist der HSV mit einem Aufsichtsrat über dem Vorstand aufgestellt. Wie sehr ist die Vereinsstruktur schuld an der Misere?

Die Struktur ist daran nicht schuld. Wenn der Aufsichtsrat mal ein Konzept für den Verein erarbeiten würde, das über Jahre verfolgt wird, dann ist das auch in diesem Konstrukt machbar. Es braucht eine Spielidee, die trainerunabhängig verfolgt wird. Dann sucht man den Trainer, der diesen Weg mitgeht und die passenden Spieler dazu. Aber der HSV agiert nicht, er entwickelt nichts selber, er gibt nichts vor, sondern stellt sein Konzept immer wieder nach dem Personal um, das gerade dort arbeitet. Aber am wichtigsten ist die Entwicklung einer Vereinsphilosophie. Für was will der HSV stehen? Nur die Raute im Herzen reicht da nicht.

Die hat ja auch Felix Magath zwischenzeitlich als Bewerbungskriterium angeführt...

Ich schätze Felix Magath sehr und respektiere seine Leistungen. Aber über seine Facebookseite die Entlassung eines Kollegen und des Sportchefs zu fordern und sich die Zustimmung von ein paar hundert Followern zu suchen, fand ich schon sehr grenzwertig und habe ich in der Art noch nicht gekannt. Wie wichtig die Raute dann war, hat man dann einen Tag später gesehen.

„Kloppo war noch nie zu spät beim Training“

Einst hat der HSV einmal mit eigenem Konzept einen Trainer gesucht und Jürgen Klopp nicht verpflichtet, weil er in Mainz unpünktlich auf dem Trainingsplatz war und auf dem Weg zum Training zerrissene Jeans trug. Ist dieses Laisser-faire das Mainzer Erfolgsgeheimnis?

Kloppo war noch nie zu spät beim Training. Wahrscheinlich kam der Hamburger Scout im Smoking zu unserem Training. (lacht) Die Schlagwörter unseres Weges sind eindeutig Kontinuität und Berechenbarkeit. Wir verändern unsere Philosophie nicht, wenn wir viermal in Serie verlieren, weil wir davon überzeugt sind. Wir fragen niemanden, auch nicht einen Geschäftsführer, wenn wir ihn einstellen, ob er uns mal sein Konzept vorstellen kann. Ich stelle unser Konzept vor und will raushören ob er zu unserer Idee passt. Der Nachfolger von Jürgen Klopp, Jörn Andersen, wollte nach dem Aufstieg den Weg von Mainz 05 verlassen. Das hat dann auch geklappt, allerdings musste er Mainz 05 verlassen. Trotz Aufstieg. Fünf Tage vor dem Bundesligastart. Der Verein und seine Identität stehen aber über allem, insbesondere über Personen. Da wir mit Thomas Tuchel einen Trainer im Jugendbereich hatten, der für unseren Weg steht, ging das ganz schnell mit Beurlaubung und Einstellung. Damit haben wir es dann sogar bundesweit in die Schlagzeilen und Kolumnen geschafft. Ich wurde medial geschlachtet und Mainz 05 war ein Chaosclub. Keiner hat es damals verstanden. Heute werden wir dafür gelobt.

Wir haben damals Ihren Mut zur unkonventionellen Handlungsweise schon damals gelobt...

Dann waren Sie aber die einzigen, die uns verstanden haben.

Vor einem Jahr hatten Sie mal im Scherz die Ablösesumme für Thomas Tuchel auf 70 Millionen Euro festgesetzt, als er bei Schalke 04 im Gespräch gewesen sein soll. Kann ein Trainer tatsächlich den Etatunterschied erklären zwischen Mainz 05 und dem HSV, der eine ähnliche Dimension beträgt?

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