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Im Gespräch: Louis van Gaal : „Ich passe besser in die deutsche Kultur“

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„Ich bin ein Verfechter des offensiven, dominanten Fußballs. Deshalb bin ich hier.” Bild: AFP

Der FC Bayern hat 14 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus Dortmund. Im FAZ.NET-Interview spricht Trainer Louis van Gaal über das Comeback von Arjen Robben, Neuverpflichtungen in der Winterpause und seine vier Optionen.

          Inter Mailand ist Ihr Gegner in der Champions League. Gelegenheit zur Revanche für das verlorene Finale im Mai. Damals sagten Sie: Nicht das bessere Team hat gewonnen. Werden Sie es nun anders versuchen? Ist der typische Van-Gaal-Fußball gegen Italiener zu gefährlich?

          Das ist gefährlich. Wir spielen so, wie italienische Teams es gern haben. Aber ich bin ein Verfechter des offensiven, dominanten Fußballs. Deshalb bin ich hier - und bin glücklich, dass es Klubs gibt, die das wollen. Den meisten geht es nur um Resultate. Die Italiener spielen das so. Trotzdem habe ich gegen Italiener in meiner Karriere mehr gewonnen als verloren.

          Nach Franck Ribéry kehrt zur Rückrunde auch Arjen Robben zurück. Damit ist die Erfolgself der letzten Saison wieder komplett. Was erwarten Sie?

          Wir werden natürlich stärker mit Robben und Ribéry. Aber beide müssen spielfit sein.

          „Wir werden natürlich stärker mit Robben und Ribéry. Aber beide müssen spielfit sein.”

          Robben gilt als jemand, der vor Energie sprüht und den ein Trainer oft bremsen muss.

          Es ist unglaublich, wie er trainiert hat. Jeden Tag, jede Übung hundert Prozent. Aus jeder Übung macht er einen Wettkampf. An einer Kraftmaschine, an der nur die Arme trainiert werden, stellte er einen neuen Rekord auf. Alaba übertraf ihn, Robben holte sich den Rekord sofort zurück. Er trainiert wie ein phantastischer Profi.

          Fängt die Saison jetzt richtig an?

          Nein, leider nicht. Sie hat schon im Juli angefangen. Ich wusste, dass es schwer würde nach der WM. Wir hatten keine gute Vorbereitung. Noch bis vor ein, zwei Monaten waren wir physisch nicht stark genug. Erst jetzt sind wir voll da.

          Rätselhaft ist, wie oft Ihre Mannschaft in der zweiten Halbzeit einbrach - während sie in der letzten Saison dann meistens aufdrehte.

          Im letzten Jahr haben wir in der ersten Halbzeit meist nicht gut gespielt. Dann korrigierte ich das in der Pause, danach spielten wir besser. Jetzt sind wir meistens in der ersten Halbzeit besser als der Gegner. Da kann ich in der Pause nichts sagen. Außer: gut gemacht, weiter so. Aber dann ändert der Gegner vielleicht etwas, und plötzlich verlieren wir die Linie.

          War es ein Fehler, im Sommer keine neuen Spieler zu holen?

          Das finde ich noch immer nicht. Wir haben 24 Spieler, es gab nie ein Problem, eine bestimmte Position zu besetzen. Und nicht viele Gegner waren besser als wir.

          Sind Sie gegen Spielerkäufe?

          Nein, ich will auch kaufen. Ich will uns verbessern. Aber dann müssen die Neuen besser sein als die, die wir haben.

          Wird es Neue im Januar geben?

          Das geht nur, wenn Spieler weggehen.

          Geht Kapitän van Bommel?

          Tut mir leid, das kann ich nicht mit Ihnen besprechen. Nur mit meinem Vorstand. Die Reihenfolge hat sich geändert. Als ich sagte, dass man Schweinsteiger verkaufen muss, wenn er nicht verlängert, wurde das von den Medien in einen anderen Kontext geworfen, und mein Vorstand war böse, zu Recht. Wir werden uns jetzt nicht mehr auseinanderspielen lassen. Wir sind ein Block.

          Angeblich kommt Leighton Baines als linker Verteidiger.

          Ja, wie vorher schon Criscito, Bosingwa und Coentrao und andere, die alle in den Medien waren. Warum? Weil ihre Agenten diese Namen in den Ring werfen. Wir halten unseren Mund geschlossen, das ist besser.

          Sie stellen Spieler oft um, wie Kroos, Müller oder Schweinsteiger, im Spiel wollen Sie keine Positionswechsel. Weichen Sie damit von Ihrem Vorbild Barcelona ab?

          Nein, auch in Barcelona hält jeder seine Position. Mehr noch als bei Bayern. Sie spielen immer dasselbe System. Sie wirbeln nur mehr als wir. Auch Messi macht, was der Trainer sagt. Natürlich hat er mehr Freiheiten. Aber Ribéry hat bei mir auch mehr Freiheiten, Robben auch. Das ist auch eine Gefahr. Wenn ein Spieler diese Freiheit hat, muss ein anderer einspringen, muss die Mannschaft ihm den Rücken freihalten. Das macht Barcelona sehr gut. Wir aber auch.

          Dann verlangen Sie also, wenn die beiden Flügelspieler zurück sind, von den anderen neun noch mehr Disziplin?

          Wenn Robben und Ribéry spielen, dann ist das so. Aber das ist gut, weil sie kreativ sind. Das ist sehr wichtig für die Mannschaft, und die Mitspieler wissen das auch. Ich liebe diese Kreativität.

          Ihr Vorbild Rinus Michels sagte in einem seiner letzten Interviews: Die Perfektionierung der Defensive nimmt die Zeit und den Raum für schönen Fußball.

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