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Im Gespräch: Jürgen Klinsmann : Hoeneß hätte sich auch verabschieden müssen

  • Aktualisiert am

Jürgen Klinsmann geht zurück nach Amerika: „Ich kehre mit einem großen Erfahrungsschatz zurück.” Bild: ddp

Im April scheiterte das Projekt Bayern München. Nun kehrt Jürgen Klinsmann nach Amerika zurück. Zuvor spricht er im F.A.Z.-Interview über seine Entlassung in München, Uli Hoeneß, Grenzerfahrungen, neue Herausforderungen, „growth mindset“ und „fixed mindset“.

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          Mit besten Wünschen von Angela Merkel: Jürgen Klinsmann kehrt nach Amerika zurück. Die Entlassung beim FC Bayern (siehe: Klinsmann-Kommentar: Trümmer der Wankelmütigkeit) hat er auf- gearbeitet. Seine Erkenntnis: Uli Hoeneß hätte sich eigentlich auch verabschieden müssen.

          Im F.A.Z.-Interview spricht der ehemalige Bundestrainer über seine Entlassung bei Bayern München, über Grenzerfahrungen und neue Herausforderungen.

          Mit welchen Erinnerungen und Erfahrungen kehren Sie in die Vereinigten Staaten zurück?

          Ich kehre mit einem großen Erfahrungsschatz zurück, der viele Dinge beinhaltet, die ich nach meiner Entlassung aufgearbeitet habe. Ich weiß jetzt, warum ich manche Dinge beim FC Bayern nicht umsetzen konnte - und warum man das vielleicht immer noch nicht kann. Diese Lebenserfahrung hilft mir sehr beim Blick nach vorne. Ich weiß jetzt sehr genau, worauf man besonders achten muss. Es geht um den Umgang mit den Leuten, die nah an der Mannschaft dran sind. Und es geht natürlich um die Mannschaft selbst. Aber es geht auch um das Wissen, wie die Strukturen eines großen Vereins wie beim FC Bayern wirken.

          Rückblick auf eine Episode: „Für mich war der FC Bayern die Herausforderung schlechthin”
          Rückblick auf eine Episode: „Für mich war der FC Bayern die Herausforderung schlechthin” : Bild: ddp

          Was heißt das konkret?

          Es gibt zwei Kategorien von Menschen. Die einen sind bestrebt, ständig zu wachsen. Die anderen treibt das Gefühl, ihren Status und die Dinge zu verteidigen, die sie aufgebaut haben. Im Englischen nennt man das „growth mindset“ oder „fixed mindset“. In der deutschen Sprache fällt mir kein besserer Begriff ein. Ich bin beim FC Bayern in dieser Beziehung an meine Grenzen gestoßen. Ich hatte zu viel damit zu tun, an Besitzständen zu rütteln und sie einzureißen, anstatt ruhig an der Weiterentwicklung der Mannschaft zu arbeiten. Ich bin beim FC Bayern mit Menschen zusammengetroffen, die komplett anders denken. Im Nachhinein war es deshalb auch ganz gut und richtig, dass man sich getrennt hat.

          Am Wochenende hieß die Überschrift über Sie: „Klinsmann macht Ärger“ - weil Sie im englischen Fernsehen die Leistung des FC Liverpool kritisierten. In England wurde das als Bewerbung interpretiert.

          Ich hatte noch nie Bewerbungsschreiben laufen. Ich habe bei einer Diskussion zum Spiel von Liverpool in der Champions League gegen Florenz nur festgestellt, dass Liverpool zu abhängig ist von Fernando Torres und Steven Gerrard. Rafael Benitez hat das als Kritik an sich verstanden.

          Er hat umgehend gekontert. Sie seien ein toller Trainer mit einer phantastischen Bilanz - und wenn Sie im Fernsehen aufträten, schalte er den Ton ab. Unter Kollegen schenkt man sich wohl nicht viel?

          Was in dieser Diskussionsrunde mit Graeme Souness zum Ausdruck kam, gilt für alle Klubs und Nationalmannschaften: Ist ein Entwicklungsprozess vorhanden? In Liverpool fehlt er im Moment. Ich habe mich da ansonsten ziemlich rausgehalten.

          Warum haben Sie nach der Entlassung beim FC Bayern noch kein Angebot angenommen?

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