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Im Gespräch: Jürgen Klinsmann : Hoeneß hätte sich auch verabschieden müssen

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Klingt pessimistisch.

Mir wurde der Spruch, dass ich jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen möchte, um die Ohren gehauen. Ich habe das falsch ausgedrückt. Ein Trainer kann nur helfen, damit sich ein Spieler selbst besser macht. Ein Trainer kann einen Spieler nicht besser machen. Der Antrieb muss beim Spieler selbst liegen. Denn jeder von uns hat den Schlüssel in sich selbst liegen: Was will ich morgen machen? Wie will ich mich entwickeln? Wo möchte ich in fünf Jahren stehen? Die Frage ist nicht: Wo will mich die Öffentlichkeit in fünf Jahren sehen? Dass viele Spieler nicht mehr sagen können, was sie wollen, ist ein Thema über Deutschland hinaus. Wenn man darüber mit Trainern in England oder Italien spricht: überall dasselbe Problem.

Der deutsche Fußball hat sich nach dem Tod von Robert Enke nachdenklich gegeben - hat Sie das überzeugt?

Ein sehr großes Problem von Robert war ja die Angst, dass es heißen könnte: Robert Enke hat ein Problem. Sich aber immer wieder mit der Frage zu belasten, was die Außenwelt über einen denkt, und sich dafür nicht stabil genug zu fühlen - das führt in die Sackgasse. Aber das ist kein Fußball-Phänomen. Viel zu viele verschwenden viel zu viel Energie darauf, was Nachbarn, Kollegen oder Freunde über sie denken. Und bei einem Profifußballer kommt noch die gesamte Öffentlichkeit dazu. Es ist heute unglaublich schwierig, Spieler in der Balance zu halten - dass sie sich einen Sinn für die Realität erhalten und mit beiden Beinen auf dem Boden stehen. Das ist kein Vorwurf. Die Spieler werden einfach überrollt. Das ist die Konsequenz der in den letzten zehn Jahren dramatisch veränderten Fußballwelt. Die Spieler sind kaum in der Lage zu sagen, was sie eigentlich möchten.

Viele sagen jetzt über Sie: „Na ja, der Klinsmann - Bundestrainer konnte er, Vereinstrainer nicht.“ Das ärgert Sie nicht?

Nein, denn die Leute wissen ja nicht, was beim FC Bayern passiert ist. Ich bin ja selbst mit der naiven Denkweise und unglaublich viel Vorfreude nach Deutschland gekommen, um beim FC Bayern eine Spielphilosophie aufbauen zu können, die attraktiv und schnell ist - und die viel Spielfreude enthält. Es ist außerdem kein großer Unterschied, Bundes- oder Klubtrainer zu sein. Entscheidend ist immer die interne Zusammensetzung.

Einspruch: Bei der Nationalmannschaft waren Sie so etwas wie der Vorstandsvorsitzende, beim FC Bayern nur der sportliche Abteilungsleiter - und mit der Rückkehr nach Deutschland hatten Sie sich zusätzlich abhängig gemacht.

Es war eine der Lektionen, dass ich nicht das Gewicht und die Unabhängigkeit wie beim DFB hatte, um bei unterschiedlichen Meinungen sagen zu können: „Dann halt nicht.“ In der Bundesliga ist man als Trainer angestellt und dem Vorstand unterstellt - beim DFB war die Situation in sportlichen Dingen anders. Felix Magath hat aus seiner Münchner Zeit die Konsequenz gezogen, dass er keinen Manager mehr um sich haben will. Er macht das lieber selbst, und zwar sehr erfolgreich. Das ist nachvollziehbar.

Auch das richtige Modell für Sie in Zukunft?

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