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Im Gespräch: Fürth-Trainer Büskens : „Es zerreißt einen“

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Hat Ihnen die Hinrunde dann in gewisser Hinsicht trotzdem Spaß gemacht, auch wenn die Ergebnisse ganz anders waren als gewünscht?

Das glauben Sie doch nicht wirklich? Dass es Spaß gemacht hat, ich weiß nicht wie oft nacheinander nicht zu gewinnen . . .

Spaß ist vielleicht das falsche Wort. Aber nennen wir es ein positives Gefühl, die Erkenntnis, mithalten zu können . . .

Es zerreißt einen sogar. Wenn man sieht, was die Mannschaft bereit ist zu investieren für dieses Abenteuer, was sie alles reinschmeißen in die Waagschale, und man sieht dann, dass die Ergebnisse ausbleiben. Dann zerreißt es einen. Definitiv.

Was kann man tun, um die Spieler besser vorzubereiten?

Die Grundlage ist natürlich ein effektiveres Spiel. Über ein Erfolgserlebnis lässt sich dann auch der Glaube verstärken, das ist doch ganz normal.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie Ihren Spielern nicht so gern Anekdoten aus der eigenen Karriere erzählen. Ist jetzt aber vielleicht doch so eine Gelegenheit, wo man mal Erinnerungen aus der eigenen Laufbahn wachruft, um zu zeigen, was man tun muss?

Meinen Sie, wir fangen jetzt damit an, den Jungs zu erzählen, was das bedeutet? Das ist doch auch etwas, was eine Mannschaft durch die Saison begleitet. Dass du versuchst, den Spielern die Bedeutung einzelner Partien klarzumachen. Aber jeder verarbeitet und empfindet das doch anders. Wir können doch nicht sagen, nur weil der Büskens Mitte der neunziger Jahre in der und der Situation so und so reagiert hat, kann das jetzt ein Nehrig, ein Kleine, ein Mavraj oder ein Schmidtgal auch. Wenn das einfach so übertragbar wäre . . .

Der Verein hat in der Winterpause Rouven Schröder zum Sportlichen Leiter befördert, bis dahin war die Spielvereinigung der einzige Bundesligaklub ohne Manager oder Sportchef. Kann man das auch als späte Erkenntnis deuten, dass es ohne doch nicht so gut geht?

Nachdem uns Rachid Azzouzi im Sommer verlassen hat, war es natürlich so, dass wir da erst mal eine kleine Lücke hatten. Die wurde formal besetzt durch Martin Meichelbeck, der gleichzeitig auch unser Sportpsychologe ist. Und beides unter einen Hut zu bringen war nicht so einfach: Wenn es mal Situationen gibt, in denen man meint, man müsste jetzt auch mal draufhauen oder wachrütteln, und im nächsten Moment soll man dann wieder mit den Jungs in sportpsychologischer Hinsicht arbeiten - das ist einfach schwierig. Insofern denke ich, dass es für uns eine gute Entscheidung war, einen Sportlichen Leiter zu installieren, der tagtäglich bei der Mannschaft ist, der auch wieder mein erster Ansprechpartner ist, der auch mal, wenn es die Situation erfordert, ganz klar und unmissverständlich seine Meinung äußern kann.

Wäre das Arbeiten schon in der Hinrunde einfacher gewesen, wenn der Posten besetzt gewesen wäre?

Das ist ja hypothetisch. Auch Helmut Hack, unser Präsident, leistet ein wahnsinniges Pensum ab, der Verein ist ja sein Lebenswerk. Aber er kann nicht immer vor Ort sein. Und es gibt viele Sachen, die auch im Tagesgeschäft zu erledigen sind. Deswegen ist es schon gut, dass uns Rouven jetzt noch mehr unterstützt.

Sie selbst scheinen in der komfortablen Position zu sein, dass Sie sich nur selbst entlassen können, Druck auf den Trainer scheint es gar nicht zu geben. Ist das auch die Realität in Fürth?

Ich hatte das ja anfangs schon gesagt, dass man hier sehr, sehr realistisch mit unseren Möglichkeiten umgeht, dass man auch weiß, wo unsere Grenzen sind. Vielleicht ist es deshalb etwas ruhiger als bei vielen anderen Vereinen. Man hat aber natürlich auch einen eigenen Anspruch und seinen eigenen Ehrgeiz, der unabhängig davon ist, ob man in Ruhe arbeiten kann oder nicht.

Können Sie den hier dauerhaft verwirklichen, wenn Sie zugleich sagen, dass der Verein an Grenzen stößt?

In den letzten drei Jahren war das so, und ich habe keinen Tag bereut, den ich in Fürth verbringen durfte. Wir haben uns als Mannschaft sehr, sehr gut weiterentwickelt, wir haben eigene Spieler herausgebracht, wir haben viele junge Talente in unseren Reihen. Das ist doch auch etwas, was einen als Trainer sehr zufriedenstellen kann.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Ist es auch eine Frage der Liga, ob Sie bleiben oder weitermachen?

Nein, es ist immer eine Frage, ob man sich in der Aufgabe, die vor einem liegt, wiederfinden kann.

Wie sieht das perspektivisch aus?

Ich gehe davon aus, dass ich die nächsten Tage auch nicht bereuen werde.

Das Gespräch führte Christian Kamp.

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