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Im Gespräch: Friedhelm Funkel : „Mein Gott, habe ich ein Glück“

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Ein deutsches Fußballgesicht mit Spuren: Friedhelm Funkel Bild: F.A.Z. - Roger Hagmann

Er ist seit über 30 Jahren im Fußballgeschäft. Mittlerweile ist Friedhelm Funkel von Eintracht Frankfurt einer der profiliertesten Trainer Deutschlands - dank seines „Trumphs“. SOLO - Ein Thema, ein Interview - Teil 9 mit Friedhelm Funkel und „Erfahrung“.

          8 Min.

          Die Begeisterung für den Fußball packte Friedhelm Funkel als kleiner Junge in seinem Geburtsort Neuss. Sie ließ den in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsenen Rheinländer nie los und brachte ihn nach oben. Inzwischen ist der 54-Jährige einer der profiliertesten Trainer Deutschlands. Nach Jahren der Wanderschaft wurde er in Frankfurt sesshaft, wo er seit vier Jahren mit Erfolg arbeitet. Als Spieler absolvierte er von 1974 bis 1990 mit Bayer 05 Uerdingen und dem 1. FC Kaiserslautern 320 Bundesliga-Spiele. Im Gespräch redet Funkel im neunten Teil der FAZ.NET-Serie „SOLO - Ein Thema, ein Interview“ über - Erfahrung.

          Wie definieren Sie den Begriff Erfahrung?

          Wer viel erlebt hat, verfügt über eine Menge Lebenserfahrung. Ich kann für mich behaupten, dass ich im Fußball fast alle Entwicklungen hautnah mitbekommen habe: ob als Spieler, Reservist auf der Tribüne, Team-Koordinator, Assistenz- oder Cheftrainer. Ich habe gute Trainer erlebt, schlechte, hektische und ruhige, von allen habe ich gelernt. Die Erfahrung ist ein echter Trumpf, der mir heute zugutekommt. Erfahrung bedeutet aber auch, Verständnis für denjenigen aufzubringen, mit dem ich mich gerade auseinandersetze. Ich überlege mittlerweile oft: Wie haben deine Trainer früher in einer ähnlichen Situation reagiert - Erfahrung ist also auch Erinnerung.

          Erinnern Sie sich an Ihren ersten Fußball?

          Natürlich! Ich bin in bescheidenen Verhältnissen groß geworden. Ich war acht Jahre alt und erhielt zu Weihnachten meinen ersten Lederball, da bekam ich leuchtende Augen - das ist für junge Leute heute nicht mehr vorstellbar. Den Ball hatte ich mir schon gewünscht, als ich eingeschult wurde, doch da ging es finanziell noch nicht. Als ich den Ball hatte, habe ich das Stück gehegt und gepflegt und regelmäßig eingefettet.

          Haben Sie das Fußballspielen noch auf der Straße gelernt?

          Klar. Ich habe mir die Knie aufgeschlagen, die Hosen waren regelmäßig kaputt. Wenn der Bolzplatz belegt war, weil alle Kinder aus der Nachbarschaft kicken wollten, dann sind wir auf den Bürgersteig gegangen. Wir spielten mit einem alten Tennisball, die Kellerfenster, wo die Briketts und die Kohlen reingeschüttet wurden, waren unsere Tore. Auf Autos mussten wir in unserem Viertel nie aufpassen, es gab keine.

          Eine entbehrungsreiche, aber trotz allem erfüllende Zeit - fällt so Ihr Urteil im Rückblick aus?

          Ja, so war es. Auch wenn ich mich natürlich verändert habe und anspruchsvoller geworden bin, werde ich nie vergessen, wo ich herkomme. Deshalb bin ich auch mit der Eintracht-Mannschaft zu einem Benefizspiel nach Uerdingen gefahren. Ich habe meinen Spielern genau erklärt, warum wir da hin sind, obwohl wir viele Verletzte hatten und die Nationalspieler bei Länderspielen waren. Ich bin dem Verein Uerdingen verpflichtet, dort gab man mir die Chance, als Profi Fuß zu fassen. Fußball wurde danach zu meinem zentralen Lebensinhalt, dem Fußball habe ich alles zu verdanken.

          Was glauben Sie, welche Richtung hätte Ihr Lebensweg eingeschlagen, wenn Sie nicht so gut hätten Fußball spielen können?

          Ich wollte Sportlehrer werden, das wäre eine Option gewesen. Doch als ich mit 14, 15 Jahren merkte, dass ich auch als Fußballer nicht so ganz untalentiert bin, war mein Berufswunsch klar: Fußballprofi sollte es sein. Ich schwärmte seinerzeit für Uwe Seeler, er war mein Idol. Seeler faszinierte mich: seine Bodenständigkeit, sein Charakter und seinen Einsatzwillen finde ich bis heute vorbildlich.

          Gab es einen Plan B, wenn es mit der Profilaufbahn nichts geworden wäre?

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