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Im Gespräch: Eintracht-Vorstand Bruchhagen : „Wir gründen sicher keine Trainerfindungskommission“

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„Wir sind noch nie befreundet gewesen”: Eintracht-Chef Bruchhagen über sein Verhältnis zu Trainer Funkel (links) Bild: Wonge Bergmann

An diesem Samstag sitzt Friedhelm Funkel das letzte Mal auf der Eintracht-Bank. Wird es ein Vorteil für die Eintracht sein, in die nächste Saison mit einem neuen Trainer zu gehen? „Diese Frage kann ich nicht beantworten“, sagt Vorstandschef Bruchhagen.

          Die vorzeitige Trennung von Friedhelm Funkel ist durch den Aufsichtsrat schon am Mittwoch an die Öffentlichkeit gelangt. Wie sehr hat Sie das enttäuscht?

          Enttäuscht bin ich nicht, aber natürlich habe ich es mir anders gewünscht. Ob diese Informationen tatsächlich aus dem Aufsichtsrat gekommen sind, das kann ich nicht sagen. Der Vorstand hatte den Wunsch, dass Herr Funkel diese Entscheidung auf der Pressekonferenz bekanntgibt. Durch die Veröffentlichung der Inhalte ist es dann anders gekommen. Wir haben Herrn Funkel zu danken. Er hat beispielgebend und mit stoischer Ruhe Kontinuität in unseren Verein gebracht, der sich durch hohe Fragilität ausgezeichnet hat und in zehn Jahren sechzehn Trainer hatte.

          Inwiefern haben Sie die immer größer werdende Kritik am Trainer gespürt?

          Wir haben diese kritischen Elemente sehr wohl wahrgenommen. Permanent. Sie haben uns ja über Jahre begleitet - mal mehr, mal weniger. Sie waren immer da. Aber eines hat immer gezählt, und das war immer das Argument des Vorstands, weil es unumstößlich war: Das Vertrauensverhältnis der Spieler zum Trainer war vorhanden - und es ließ sich auch durch nichts aufweichen. Es ist niemandem gelungen, diese Beziehung zu erschüttern. Der Fußball entwickelt sich ja weg von der Fachspezifik zur Emotionalität, und da werden solche Kriterien wie das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Spieler nicht mehr so hoch bewertet. Aber für uns, die hier Verantwortung haben, war dies immer ein Kriterium.

          Noch im Februar haben Sie den Vertrag mit Friedhelm Funkel um ein weiteres Jahr verlängert. Ist die derzeitige Entwicklung nun auch eine persönliche Niederlage für Sie?

          Nein. Ich bin froh, dass wir das damals gemacht haben. Wir haben unser sportliches Ziel ja auch erreicht, wenn auch mit schwächelnden Erscheinungen am Ende. Die Entscheidung, den Vertrag mit Herrn Funkel im Februar zu verlängern, war richtig.

          Beschneidet denn diese Trennung nun den Etat für die kommende Saison?

          Er ist davon berührt. Es sei denn, der neue Trainer arbeitet unentgeltlich.

          Wie emotional ist die Verabschiedung von Trainer Funkel für Sie?

          Es ist nie schön, sich von einem Mitarbeiter zu trennen, mit dem man täglich zusammen ist. Diese Gespräche sind nicht angenehm. Aber sie gehören auch in das Anforderungsprofil eines Fußballfunktionärs.

          Sie haben beinahe freundschaftlich mit Funkel zusammengearbeitet.

          Nein, wir sind noch nie befreundet gewesen. Wir haben nie privat eine Freundschaft gepflegt, und darauf muss ich auch mal Wert legen: Es gibt keine Freundschaft zwischen mir und Herrn Funkel. Es gibt ein sportliches und kameradschaftliches Verhältnis. Die Art und Weise, wie die wirklich nicht angenehmen Gespräche in den vergangenen Tagen geführt worden sind, haben aber noch einmal gezeigt, dass sich der Charakter eines Trainers nicht nur auf dem Platz, sondern auch in anderen Dingen zeigt.

          Haben Sie versucht, den Trainer zum Bleiben zu bewegen?

          Ich habe Herrn Funkel gebeten im Sinne von Eintracht Frankfurt, alles dafür zu tun, um nicht den Eindruck von Resignation zu erwecken.

          Auch Sie sind in der Bundesliga ein gefragter Mann. Wäre es für Sie jetzt nicht auch einfach, sich einen neuen Verein zu suchen?

          Es gibt überhaupt kein derartiges Ansinnen. Ich habe bestätigt, dass ich eine Anfrage vom VfL Wolfsburg hatte. Die habe ich abgelehnt, das ist jetzt ein Jahr her. Aber ich bin erstens gerne bei Eintracht Frankfurt, und zweitens bin ich noch sehr lange hier.

          Wird es ein Vorteil für die Eintracht sein, in die kommende Saison mit einem neuen, unbelasteten Trainer zu gehen?

          Diese Frage kann ich nicht beantworten.

          Was wird sich in den kommenden Wochen in Bezug auf die Transferpolitik ändern? Wird die konzeptionelle Planung durch die Suche nach einem neuen Trainer zurückgeworfen?

          Seit einer Woche sind die Gespräche mit Neuzugängen komplett gestoppt. Wir wollen und müssen da auf die Vorstellungen des neuen Trainers eingehen. Kandidaten für den Trainerposten haben wir im Auge, und sicher werden wir in diesen Tagen die ersten Gespräche mit ihnen führen. Es wäre nicht in Ordnung gewesen, wenn wir damit schon vor der Entscheidung mit Friedhelm Funkel begonnen hätten. Das macht man einfach nicht.

          Welche Qualitäten muss der neue Trainer denn haben?

          Das Anforderungsprofil für einen Trainer ist so vielschichtig, dass man auf so eine Frage überhaupt nicht präzise antworten kann. Um das aber mal auf einen Nenner zu bringen: Er sollte Erfolg haben - und zu Eintracht Frankfurt passen. Aber wir werden jetzt sicher keine Findungskommission gründen, die dann drei Monate lang auch noch ein externes Institut beschäftigt. Das kann man machen, das hat der HSV getan - wir werden das aber nicht machen. Dafür werden wir in den nächsten Tagen sicherlich die Einschätzungen der Öffentlichkeit entgegennehmen dürfen. Wir werden jetzt sehr viele Ratschläge bekommen.

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